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Vereinte Kräfte

 

Auf Teamgeist basiert nahezu alles, was die TÜV NORD GROUP hervorbringt. In vielen Projekten treffen unterschiedliche Menschen und Kulturen auf­einander, ganze Geschäftsbereiche und Gesellschaften im In- und Ausland ziehen an einem Strang. Doch wie schaffen sie es, ihr Wissen zu teilen, ihre Kräfte zu bündeln und Herausforderungen zu meistern? Wir haben das Geheimnis erfolgreicher Teams ergründet.

 

Teamenergie für Solarenergie

Mohamed Gad
Senior Electrical Engineer, TÜV NORD EGYPT

V Viswanathan
Senior Vice President, Infrastructure and Renewables, TÜV India

Solarmodule, so weit das Auge reicht. Rund 400.000 Stück hat ein globales Team aus Photovoltaik-Spezialisten mitten in der Wüste Ägyptens verbaut. In Benban, etwa 650 km südlich von Kairo, umfasst das Sonnenkraftwerk zwei 50-Megawatt-Anlagen. Um ein Bauprojekt dieser Größenordnung zu stemmen, hat TÜV NORD EGYPT sich breit aufgestellt. Die Kooperation war international, alle Rollen waren klar verteilt: TÜV NORD EGYPT ist für das Projektmanagement verantwortlich und überwacht täglich vor Ort die Planungs- und Bauarbeiten, TÜV India übernimmt Design-Review, Performance Monitoring und Anlagen-Inspektion, TÜV HELLAS zertifiziert das Photovoltaiksystem.

V Viswanathan, Senior Vice President, Infrastructure and Renew­ables, berichtet: »TÜV India verfügt über großes technisches Know-how im Bereich erneuerbare Energien. Als uns TÜV NORD EGYPT um Unterstützung bat, schulten wir von Team zu Team. Unser Ziel: Wissen gezielt übertragen, um den Solarsektor Ägyptens auszuweiten.« »Acht Ingenieure und Manager haben hier ein Jahr lang auf Hochtouren gearbeitet«, berichtet Stavros Togias, Head Renewables von TÜV HELLAS. »Für das Teamwork haben wir ein eigenes Softwaretool und einen virtuellen Datenraum entwickelt. Dadurch konnten wir in nur vier Monaten rund 500 Dokumente zur Überprüfung und Genehmigung der Anlage abstimmen.«

Mohamed Gad, Senior Electrical Engineer von TÜV NORD EGYPT, ist stolz, am Projekt auf Weltklasseniveau beteiligt zu sein: »­Meine Lern- und Leistungskurve ging unglaublich steil bergauf. Die Anfangs­phase im Team war zwar schwierig, da wir aus verschiedenen Kulturen und Sprachräumen kommen. Diese Hürde konnten wir aber schnell meistern. Schließlich haben wir ein Jahr lang eng zusammengearbeitet und sogar in einem Gebäude gelebt – wie eine Familie. Ich glaube, nur durch eine gewisse Harmonie im Team kann ein Projekt dieses Formats so erfolgreich sein.«

»Die größte Herausforderung folgte mitten in der Bauphase«, verrät V Viswanathan. »Als der zentrale Projektmanager ausfiel, war das für alle erst einmal ein Schock. Weil aber ein Senior-Teammitglied eingesprungen ist, konnte das Projekt nahezu reibungslos weiterlaufen. Das kooperative Verhalten aller war vorbildlich.«

»Unterschiedliche kulturelle Mentalitäten unter einen Hut zu ­bringen, darf man nicht unterschätzen«, ergänzt Stavros Togias. »Aber es gab von Beginn an eine zentrale Sprache: die internationalen technischen Standards. Die waren wie eine Brücke zwischen uns.«

 

Geballtes Know-how für smarte Reifen

Reifen wirken sich stark auf das Fahr­verhalten von Autos aus. Der richtige Reifen sorgt für gute Traktion sowie für einen geringen Rollwiderstand – und damit auch für mehr Sicherheit und einen verminderten Kraftstoffverbrauch.

Ob Smartphones, Sojadrinks oder erneuerbare Energien – in modernen Prüfeinrichtungen bietet TÜV India Unternehmen schon seit über zehn Jahren die Möglichkeit, Produkte zu testen, um internationale Standards einzuhalten und so Zertifizierungen zu bekommen. »Unsere Expertise ist hoch. Aber als einer der weltweit größten Reifenhersteller, Apollo Tyres, auf uns zukam, um spezielle Sensoren prüfen zu lassen, sind die Anforderungen an unsere Labore noch einmal gewachsen«, berichtet Manish Bokade, Leiter des Product Testing Laboratory bei TÜV India. Die ­Sensoren garantieren die maximale Qualität der Reifen und sammeln gleichzeitig Daten für innovative Produktentwicklungen. »Für einen solchen Spezialauftrag war es wichtig, unsere bestehenden EMV-Prüfungseinrichtungen weiterzuentwickeln – und dazu holten wir uns Verstärkung. Nach einem Screening der TÜV NORD GROUP waren wir sicher, dass unser Schwesterunternehmen ALTER TECHNOLOGY SPAIN (ATN) die passende Expertise hat.«

Rafael Rodríguez von ATN erinnert sich: »Unsere Zusammenarbeit begann im August mit einem zweitägigen Kick-off. Unsere indischen Kollegen nahmen die Testeinrichtungen hier in Madrid genau unter die Lupe. Wir analysierten gemeinsam das Leistungsspektrum unserer beider Labors und stellten fest, dass wir uns sehr gut ergänzen. Im Team entwickeln wir nun eine Lösung, die exakt auf den Bedarf des Reifenherstellers zugeschnitten ist.« Manish Bokade ergänzt: »Auch wenn es eine gewisse Zeit brauchte, uns sprachlich anzunähern und unsere Arbeitsprozesse in Einklang zu bringen – persönliche Treffen und regelmäßiger Austausch helfen uns, Schritt für Schritt weiterzukommen.« Und Bokade sieht großes Zukunftspotenzial: »Der Know-how-Transfer zwischen TÜV India und ATN ist erstaunlich. Im Team erreichen wir ein höheres Leistungsniveau und bieten ein breiteres Portfolio. Ich bin sicher, dass unsere Kunden davon auch in Zukunft enorm profitieren.«

Neues Label für nachhaltige Rohstoffe

Dr. Andreas Hucke
Projektleiter, DMT

Andreas Backs
Auditor im Fachbereich Nachhaltigkeit /  Projektverantwortlicher, TÜV NORD CERT

Ob der Lachs aus nachhaltigem Fischfang stammt, zeigt das MSC-Siegel. Ob das Papier aus verantwortlichen Quellen stammt, verrät ein FSC-Label. Doch immer mehr Konsumenten fragen sich: Woher kommen eigentlich die Rohstoffe in meinem Smartphone? Wie und unter welchen Bedingungen haben Menschen sie ­gewonnen und verarbeitet? Beim Abbau von Rohstoffen werden Menschenrechte häufig nicht eingehalten, er ist umweltschädlich und zum Teil sogar illegal. Globale Handelsketten erschweren die lückenlose Rückverfolgung der Rohstoffe. Und genau hier agiert das Expertenteam von DMT und TÜV NORD CERT – in Kooperation mit drei europäischen Universitäten und einem schwedischen Forschungsteam. »Gemeinsam entwickeln wir das neue Label ›CERA‹ (Certification of Raw Materials), um es als weltweit gültiges Zertifikat zu etablieren. Es schafft Transparenz, indem es über die nachhaltige Gewinnung und Herkunft aller mineralischen Rohstoffe informiert«, erklärt Dr. Andreas Hucke, der als Initiator des Projekts gilt und es bei DMT auch leitet. Die Pilotphase startete im Dezember 2019, der globale Launch ist für 2020 geplant.

Und wie läuft das Teamwork? »Wie Yin und Yang ergänzen sich unsere Kompetenzen«, formuliert es Dr. Andreas Hucke mit einem Lachen. »DMT ist im Bereich Bergbau hochqualifiziert, TÜV NORD CERT hat die Expertise in Sachen Zertifizierung. Doch obwohl wir in Essen fast Nachbarn sind, gab es vorher kaum Berührungspunkte. Das Synergiepotenzial lag praktisch vor unserer Tür – aber man muss es trotzdem erst einmal erkennen und fördern.«

»Um dieses Potenzial zu nutzen, kommunizieren wir sehr offen«, beschreibt Andreas Backs von TÜV NORD CERT die Zusammenarbeit. »Bei einem europaweiten Team mit sechs Partnern ist es extrem wichtig, sich oft auszutauschen. Denn nur so sehen wir den laufenden Projektfortschritt, können neue Ideen diskutieren und vermeiden, dass wir doppelt an ein und derselben Aufgabe arbeiten. Der Dialog erhöht nicht nur unser fachliches Know-how. Er fordert und schärft auch eine Eigenschaft, die für Teamplayer elementar ist: die emotionale Intelligenz.«

Treibhausgas-Kontrolle aus dem All

Satelliten helfen zukünftig nicht nur dabei, Emittenten von Luftschadstoffen ausfindig zu machen, sondern auch Treibhausgase präzise zu messen. Aktuell werden diese noch inventarisiert: Nach Regeln der UN zählt man zusammen, wie viel Erdgas oder Kohle beispielsweise pro Jahr verbrannt wird und berechnet daraus die Emissionen.

Wer sich mit selbstfahrenden Autos auskennt, hat vielleicht schon vom LIDAR-Scanner gehört. Er funktioniert ähnlich wie ein Radar, das den gesamten Verkehr rund ums Auto erfasst. Dieses optische Messverfahren nutzt ALTER TECHNOLOGY SPAIN (ATN) nun in seinem ehrgeizigen Projekt HOLDON, um die Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung durch Treibhausgase zu erforschen. Denn die LIDAR-Technik kann – mithilfe von Laserstrahlen und hochpräzisen Photodioden – auch Gaskonzentrationen messen. Und weil die Fernerkundung der Erdatmosphäre eine Messung erfordert, die nur vom Weltraum aus möglich ist, braucht es dafür ein Expertenteam. Für Mónica Rodríguez, Ingenieurin bei ATN, war dies eine Horizonterweiterung: »Bisher habe ich eher in kleinen Teams gearbeitet, doch hier kooperieren sieben europäische Partner, die in verschiedenen Gebieten rund um LIDAR-Missionen führend sind. HOLDON bündelt all ihre Kompetenzen.«

Juan Barbero, Projekt Manager und Technical Manager bei ATN, berichtet vom immensen Synergieeffekt: »Gemeinsam erreichen wir Ergebnisse, die größer sind als die Summe unserer Einzel­leistungen. Für erfolgreiches Teamwork sind aus meiner Sicht zwei stabile Säulen nötig: das Know-how, das jemand aktiv ins Projekt einbringt, und das Vertrauen, das man sich gegenseitig schenkt. Dabei hilft es sehr, die Kompetenzen der anderen möglichst genau zu kennen. Das fördern wir durch jährliche Team-Meetings. Aus meiner Erfahrung tragen aber auch Gespräche über Privates, wie Studium oder Familie, dazu bei, die Basis für eine vertrauensvolle Arbeit zu legen.«

»Um stets die neuesten Projektfortschritte mit allen zu teilen, finden einmal im Monat Videokonferenzen statt«, ergänzt ­Mónica Rodríguez. »Sich mit Experten aus anderen Fachgebieten aus­zu­tauschen, hat nicht nur einen gewaltigen Lerneffekt. Wir entwickeln oft auch zusammen neue Ideen, die sich im Team dann sogar noch leichter umsetzen lassen. Unsere Stärke ist unsere Inter­diszi­pli­narität. ›Gemeinsam‹ ist für uns der einzige Weg zum Ziel: den ersten Treibhausgas-LIDAR zu starten.«

 

Der Führerschein im Smartphone

Renate Bartelt-Lehrfeld
Ministerialrätin und zuständige Referatsleiterin, BMVI

Wolfhardt Werner
Leiter Fahrerlaubnis-Kompetenz, TÜV NORD Mobilität

»Handy raus, Verkehrskontrolle!« Das werden Autofahrer vielleicht bald öfter hören. Die Idee des digitalen Führerscheins klingt naheliegend – wer möchte schon immer all seine Papiere mitnehmen? Doch höchst sensible Daten und offizielle Ausweisdokumente auf dem Smartphone bereitzustellen, ist ein revolutionärer Schritt. »Hier sind nicht nur entsprechende Hard- und Software nötig, auch die Behörden müssen mitspielen und von Anfang an in die Entwicklung mit einbezogen werden«, erläutert Wolfhardt Werner, Leiter Fahrerlaubnis-Kompetenz bei TÜV NORD Mobilität. »Bei unserem Projekt steht im ersten Schritt ›ein vorläufiger Führerschein‹ im Fokus. Denn allein für die kurze Phase zwischen bestandener Prüfung und Erhalt des ›anfassbaren‹ Führerscheins benötigen wir aktuell 250.000 bis 300.000 Nachweispapiere pro Jahr. Dahinter steckt auch ein hoher logistischer Aufwand. Eine digitale Version lässt sich viel effizienter erstellen und aushändigen. Natürlich bringt das auch Herausforderungen mit sich: Was passiert bei technischen Problemen oder schlechtem Netzempfang? Wie kann bei Ordnungswidrigkeiten der Führerschein eingezogen werden? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir unsere Ressourcen gebündelt: Unser Team besteht in erster Linie aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), der Arbeitsgemeinschaft der Technischen Prüfstellen TÜV | DEKRA arge tp 21 und TÜV NORD Mobilität.«

Renate Bartelt-Lehrfeld, Ministerialrätin und zuständige Referatsleiterin beim BMVI, beschreibt es aus ihrer Sicht: »Die digitale Weiterentwicklung des Führerscheins liegt im Spannungsfeld zwischen Recht, Technik und Verwaltung. Doch durch unsere frühe und enge Abstimmung mit TÜV NORD und den Prüforganisationen kommen wir der Lösung immer näher. Wir tauschen uns regelmäßig fachlich aus und haben einen Prozess entwickelt, der sich bereits bei anderen Projekten bewährt hat. Wir wünschen uns ein Ergebnis, das allen nützt – von der Prüfstelle über die Verwaltung bis hin zum erfolgreichen Fahrschüler.«

 

Ausbildung unter realen Bedingungen

Bereits ein relativ kleiner Airbus wie das Modell A320 besteht aus mehr als drei Millionen Einzelteilen. Um einen zuverlässigen Betrieb des Flugzeugs zu gewährleisten und Ausfälle zu vermeiden, werden die ­Maschinen regelmäßig gewartet und sicherheits­relevante Bauteile in festgelegten Intervallen erneuert.

Der Bedarf an gut ausgebildeten Airbus-Flugzeugmechanikern nimmt zu. Doch während man Theoriewissen überall erwerben kann, lassen sich spezialisierte Praxis-Trainings nur am »lebenden Objekt« absolvieren – oder besser: an echten Flugzeugteilen. Und genau diese finden die Airbus-Trainingsteilnehmer in der riesigen Halle des TÜV NORD Schulungszentrums in Hamburg. Hier stehen Hautfelder des A300, eine Oberschale des A320 und diverse andere Flugzeugteile zur Verfügung. Es herrschen ideale Bedingungen, um die gefragten Qualifikationen im Flugzeugbau zu lernen – vom Oberflächenschutz über die Instandhaltung bis zur Montage der Struktur. Und TÜV NORD stellt nicht nur die Halle mit Übungsobjekten zur Verfügung, sondern auch gut geschulte Ausbilder.

»2011 haben wir auf die erste Anfrage von Airbus reagiert und – nach einer Zertifizierung der Trainer durch die Airbus Group – einen Kooperationsvertrag geschlossen. Wir haben klein angefangen, sind stark gewachsen und für 2020 praktisch schon ausgebucht«, freut sich Frank Finster, Fachbereichsleiter Luftfahrt beim TÜV NORD Schulungszentrum. »Für mich war Teamplay schon immer Teil meines Jobs, doch unsere Kooperation mit Airbus erfordert eine noch engere Abstimmung. Denn es gibt laufend technische Neuerungen und neue Anforderungen, sodass auch unsere Kurse und Trainer permanente Updates benötigen. Das entwickeln wir aber gemeinsam mit Airbus weiter. Auch innerhalb des Trainerteams arbeiten wir wie ein Uhrwerk zusammen.«

Genau das bestätigt Jens Ringe, Head of Industrial Academy bei Airbus: »Ich schätze die Zusammenarbeit mit Herrn Finster sehr. Er und sein Team sind offen für neue Themen und Veränderungen. Und vor allem: Sie bringen neue Ideen ein und sind auch da, wenn es mal eng wird. Das ist der Grund, warum die Industrial Academy schon seit Jahren erfolgreich mit TÜV NORD zusammenarbeitet.« Frank Finster pflichtet ihm bei: »Wenn komplettes Vertrauen herrscht, wird der Dialog sehr einfach. Wir geben Airbus auch Feedback zu Kursinhalten und Teilnehmerleistungen. Diese stete Verbindung ist ein wichtiger stabilisierender Faktor in dem sich schnell wandelnden Luftfahrtsektor. Vielleicht ist das ja unser Erfolgsgeheimnis.«