TÜV NORD-Expertin: „Erzeugung und Verbrauch aktiv aufeinander abstimmen“

Fast 60 Prozent des Stroms in Deutschland wurden im Jahr 2024 aus Wind, Sonne und Wasser gewonnen – ein neuer Rekord. Bis 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren auf 80 Prozent steigen. Da Sonne und Wind mal stärker und mal schwächer scheinen oder wehen, muss auch das Energiesystem flexibler werden.
„Grüne Flexibilität steht für die Möglichkeit, Erzeugung und Verbrauch aktiv und vorausschauend aufeinander abzustimmen“, erläutert Ilona Dickschas, Expertin für Sektorkopplung und Batteriespeicher bei TÜV NORD. „Das gelingt etwa durch steuerbare Verbrauchsgeräte, Speichertechnologien oder Power-to-XLösungen – also Systeme, um überschüssigen Strom etwa in grünen Wasserstoff oder in Wärme umzuwandeln. Damit wird grüne Flexibilität zu einem zentralen Baustein der Energiewende.“
Gezielte Steuerung
Besonders wichtig sei dafür das sogenannte Demand-Response-Management, bei dem große Industrieanlagen ihre energieintensiven Prozesse gezielt in Zeiten verlegen, wenn es ein großes Angebot an Wind- oder Sonnenstrom gibt, so die Expertin. „Um ihren Energiebedarf anteilig zu decken, können Unternehmen auch eigene Strom- oder Wärmespeicher betreiben, was einige bereits tun. Wird die eigene Fahrzeugflotte elektrifiziert, ist es sinnvoll, die Ladevorgänge über ein dynamisches Lastmanagement zu steuern und in die Zeiten hoher Stromverfügbarkeit zu verlagern“, ergänzt Ilona Dickschas. All diese Maßnahmen erfordern eine intelligente Vernetzung der einzelnen Systeme, deren Echtzeitfähigkeit immer wichtiger wird, um innerhalb von Sekunden auf Schwankungen im Stromnetz reagieren zu können.
Simulationen und Zertifikate für den Aufbau eines flexiblen Energiesystems
TÜV NORD analysiert mithilfe von Simulationen verschiedene Szenarien zur Integration von Batteriespeichern, um Betriebsverhalten, Netzinteraktion und Wirtschaftlichkeit zu bewerten und Optimierungspotenziale zu identifizieren. Fachleute prüfen die sichere und regelkonforme Anbindung der Speicher ans Stromnetz und erstellen projektspezifische Anlagenzertifikate. TÜV NORD-Expert:innen sind auch in relevanten Normierungsgremien vertreten, um gemeinsame Industriestandards voranzutreiben und unterstützen Unternehmen bei der Umsetzung neuer Richtlinien, wie der EU-Batterieverordnung, die spezifische Recyclingrichtlinien festlegt. 2 Mehr Details zur Grünen Flexibilität, dem schleppenden Smart-Meter-Rollout und der Diskussion um einen Kapazitätsmarkt lesen Sie im aktuellen Interview des TÜV NORD Online-Magazins #explore mit Ilona Dickschas:
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