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26. September 2019 | Mobilität

In manchen Autos verströmen kleine Duftbäumchen ihre blumigen Aromen. Die ätherischen Öle haben eine lange Tradition in den Jahrtausende alten Kulturen des nahen und fernen Ostens. Die Duftstoffe im Lavendel etwa sollen Stress vertreiben und die Stimmung heben. Aber stimmt das wirklich? 

Der ‚Echte Lavendel‘ hängt getrocknet und in Säckchen gepackt in vielen Kleiderschränken und soll dort Motten fernhalten. Dahinter steckt offenbar mehr als nur gutes Marketing der Hersteller: Blaumeisen verwenden beim Nestbau Lavendel, um den Nachwuchs vor Parasiten zu schützen. Die Volksmedizin allerdings schätzt die Pflanze natürlich wegen ihrer Wirkung auf den Menschen. Der bekannte Geruchsforscher Hanns Hatt von der Ruhr-Universität in Bochum bezeichnet Lavendel sogar als Allrounder unter den ätherischen Ölen. „Ihm und seinen Inhaltsstoffen Linalool und Linalylacetat werden stresslösende und angstreduzierende Eigenschaften bescheinigt“, schreibt er in seinem ‚Kleinen Buch vom Riechen und Schmecken‘. 

Auch die süße Orange mindere Stress und Ängste und sorge für gute Laune. Die Effekte von Zitrusdüften auf das subjektive Wohlbefinden wurden schon ähnlich häufig nachgewiesen wie die von Lavendel. Sogar in einer Zahnarztpraxis, wie ein Forschungsteam aus Österreich und Deutschland bei einem Experiment mit 200 Patientinnen und Patienten beobachtete. Wenn anstelle von neutraler Raumluft der Duft von Orange oder Lavendel das Wartezimmer erfüllte, besserten sich in beiden Fällen Ängste und Stimmung. 

Außerdem gibt es Hinweise darauf, wie Lavendel auf den Körper wirkt. Die Duftmoleküle können die Aktivität von Rezeptoren im Gehirn beeinflussen, erklärt der Mediziner Hanns Hatt. Dann werde weniger von dem Stresshormon Cortisol produziert, der Blutdruck sinke, das Herz schlage ruhiger. 

Bei einem gängigen Stress-Test haben sich die pflanzlichen Aromen allerdings nur teilweise bewährt. Für das Experiment sollten 56 Freiwillige, darunter Männer und Frauen, ihre Hände an drei Tagen so lang wie möglich in eiskaltes Wasser tauchen. Dabei hatten sie mal Lavendel, mal Zitrone oder gar keinen Duft in der Nase. Zitrone hob die Stimmung am meisten; ein Effekt auf den Blutdruck oder Cortisolspiegel war jedoch nicht zu erkennen. 

„Zitrusaromen können auch am Steuer für bessere Laune sorgen“, sagt die promovierte Psychologin Katrin Müller von TÜV NORD. Von einer dauerhaften Aromatherapie im Auto rät sie aber ab: „Noch weiß man zu wenig darüber, welche unerwünschten Nebenwirkungen ätherische Öle langfristig haben.“ Zuletzt wurden Duftstoffe im Lavendel mit einem vermehrten Brustwachstum bei Mädchen und bei Jungen in Verbindung gebracht. Bestimmte Inhaltsstoffe wirken womöglich ähnlich wie Sexualhormone, so die Vermutung.

Außerdem können ätherische Öle in der Luft die Schleimhäute reizen und Allergien bis hin zu Atemnot auslösen, warnt unter anderem Stiftung Warentest. Besondere Vorsicht sei bei Kindern geboten. Die Psychologin Katrin Müller empfiehlt: „Auf längeren Fahrten lieber eine frisch geschälte Orange mitnehmen – die duftet gut und schmeckt auch noch!“

Lavendel-Duftsäckchen im Fahrzeug: Eine gute Idee? Bild: TÜV NORD

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Rainer Camen

Konzern-Kommunikation

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