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19. Oktober 2017 | Mobilität

Ein wohltemperiertes Auto ist mehr als nur ein angenehmer Luxus. Bei einem Experiment in South Carolina stellten US-Psychologinnen fest: Ihre Versuchspersonen fuhren riskanter, wenn es sie fröstelte. Sie hielten weniger Abstand zum Vordermann und bremsten vor einer Kreuzung später ab.

Um die freiwilligen Teilnehmer ein wenig frieren zu lassen, hatten die Forscherinnen June Pilcher und Drew Morris ihnen für die Tour im Fahrsimulator eine spezielle Weste übergezogen. Das Kleidungsstück war so präpariert, dass die Temperatur der Haut ein wenig sank, nicht aber die Temperatur im Körperinneren. Das stellten zahlreiche Sensoren unter anderem auf der Haut und im Ohr der Probanden sicher. Ein zusätzlicher Luftzug sorgte darüber hinaus für kühle Haut sowie ein authentischeres Fahrgefühl, denn der Simulator war in ein Ford Focus Cabriolet eingebaut.

Am Anfang der 14 Meilen langen Strecke über Landstraßen stand ein dreiminütiges Training. Die Probanden sollten die Höchstgeschwindigkeit von 55 Meilen pro Stunde einhalten und durften andere Fahrzeuge nicht überholen. Zunächst verhielten sich die Teilnehmer mit Kälteweste nicht anders als jene ohne. Doch dann mussten sie zwei Minuten hinter einem Auto herfahren, das zehn Meilen pro Stunde unter dem Geschwindigkeitslimit blieb. Die fröstelnden Probanden hielten nun im Schnitt eine knappe Sekunde weniger Abstand. Am nächsten Stoppschild bremsten sie noch dazu 2,35 Sekunden später ab als jene ohne Kälteweste.

Frost und Frust schaffen Aggressionen

Schuld an der veränderten Fahrweise war nicht etwa eine Minderung der Leistungsfähigkeit, wie weitere Tests zeigten: Weder Reaktionszeit noch körperliche Geschicklichkeit hatten unter der Weste gelitten. "Die Ursache scheint vielmehr psychologischer Natur", folgern Pilcher und Morris. Bei den Probanden kamen Kältestress und der Frust über den langsamen Vordermann zusammen und provozierten eine aggressive Reaktion, erklären sie. "Nahes Auffahren und heftiges Bremsen sind verbreitete Formen von Aggression am Steuer."

Die Probanden in dem Experiment waren gewiss nicht repräsentativ für alle Autofahrer, räumen die Psychologinnen ein: Es handelte sich um Studentinnen und Studenten, die im Schnitt seit vier Jahren im Besitz des Führerscheins waren und aus einem recht warmen Bundesstaat stammten. Noch dazu drohte ihnen im Simulator kein echter Unfall.

Dr. Ralf Buchstaller von TÜV NORD hält das Ergebnis dennoch für aussagekräftig: "Die Beobachtungen stimmen mit denen anderer Forscher überein." Zum einen wisse man: "Wer am Steuer unter Stress steht, fährt aggressiver und riskanter." Zum anderen zeigten weitere Studien, dass die Umgebungstemperatur Psyche und Verhalten beeinflussen kann.

Bei Hitze hupen Hintermänner häufiger

Entsprechende Befunde schildern Forscher der Iowa State University in einem Übersichtsartikel, der in Kürze in einer Fachzeitschrift erscheint. Fahre etwa ein Auto bei grüner Ampel nicht los, dann hupe der Hintermann eher, wenn es in seinem Wagen heiß ist. Außerdem steige bei Hitze die Zahl der Gewalttaten, nicht aber die Zahl anderer Verbrechen. "Auch hier geht man davon aus, dass die Temperatur Stress auslöst", erläutert der promovierte Psychologe Buchstaller.

Ob sommerliche Hitze oder winterlicher Frost: Im Auto gibt es viele Gelegenheiten, durch Schwitzen oder Frieren unter Stress zu geraten. "Als Beifahrer sollte man deshalb das Einstellen der Klimaanlage dem Mann oder der Frau am Steuer überlassen", rät Dr. Buchstaller von TÜV NORD. "Schon kleine Abweichungen von der Wohlfühltemperatur können große Wirkung haben."

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Rainer Camen

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