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16. August 2018 | Mobilität

Jeder Mensch hinterlässt Spuren in seinem Lebensraum – auch in seinem Auto. Was kann das Innere eines Fahrzeugs über einen Charakter verraten?

Stellen Sie sich vor, ein neuer Nachbar zieht nebenan ein. Sie kennen ihn noch nicht, deswegen werfen Sie im Vorbeigehen einen Blick in das fremde Auto, das vorm Haus parkt, und entdecken darin einen Berg Müll und leere Flaschen. Doch daneben steht ein zweiter unbekannter Wagen, mit blitzblankem Innenraum. Wen hätten Sie lieber als künftigen Nachbarn?

„Der erste Eindruck entsteht weitgehend unbewusst aufgrund von Erfahrungen und Assoziationen“, erläutert der Diplompsychologe Christian Müller von TÜV NORD. „Vor dem inneren Auge taucht ganz automatisch ein Bild auf.“ Das kann sich zwar im Nachhinein als falsch herausstellen. Doch oft liegen wir damit gar nicht so falsch, wie Sam Gosling von der University of Texas feststellte.

Der Psychologe untersucht, was sich aus jenen Spuren schließen lässt, die Menschen in ihrem Lebensraum hinterlassen. ‚Snoopology‘ nennt er sein Forschungsfeld, abgeleitet vom englischen Wort ‚snoop‘ für ‚herumschnüffeln‘ oder ‚ausspionieren‘. Die Grundidee: Der unmittelbare Lebensraum eines Menschen verrät etwas über dessen Charakter. Wirkt ein Zimmer sauber, ordentlich, fröhlich und gemütlich? Das alles mache es beispielsweise ein Stück wahrscheinlicher, dass dort eine Frau wohnt, beobachtete Gosling in Feldstudien.

Das Geschlecht zu erraten, ist eine vergleichsweise einfache Aufgabe. Aber auch auf die Persönlichkeit könne man schließen, und Informationen liefere unter anderem ‚der Zustand im Inneren eines Autos‘, schreibt der Psychologe in seinem Buch ‚Snoop‘. „Wurde der Aschenbecher geleert und gesäubert? Liegen Kekskrümel auf den Sitzen?“

Sieht es in einem Auto aus wie auf einer Müllhalde, bedarf es für den ersten Schluss keiner psychologischen Deutungshilfe: Der Wagen gehört in der Regel jemandem, der weder Wert auf Sauberkeit und Ordnung legt noch darauf, ordentlich zu erscheinen. Laut Gosling lässt Unordnung darüber hinaus auf eher liberale politische Überzeugungen schließen. Und eine solche politische Orientierung findet sich wiederum häufiger bei kreativen, weltoffenen Charakteren. Einen ausgeprägten Ordnungssinn würden dagegen eher konservative, konventionell denkende Menschen an den Tag legen.

„Gewiss trifft man damit nicht immer ins Schwarze“, gibt Christian Müller von TÜV NORD zu bedenken. So könnte der Müll im Auto des neuen Nachbarn nur ausnahmsweise dort liegen, weil er gerade umzieht – auch wenn sich gerade die Neigung zu Ordnung oder Unordnung als besonders stabiles Kennzeichen herausgestellt hat. Grundsätzlich aber gilt für die psychologische Detektivarbeit: Ein einzelnes Indiz ist wenig aussagekräftig. „Erst wenn mehrere Beobachtungen in dieselbe Richtung weisen“, so Müller, „erlauben sie zunehmend verlässliche Rückschlüsse.“

Besonders gut untersucht sind musikalische Neigungen. Sie lassen sich unter anderem an CDs oder an Kleidungsstücken ablesen, die womöglich auf der Rückbank liegen, zum Beispiel Baseballkappe oder Shirt mit aufgedrucktem Bandnamen. Neben Gosling haben auch andere Forscher erkannt, dass bestimmte Musikvorlieben und Persönlichkeitsmerkmale häufig Hand in Hand gehen. Hiphop- ebenso wie Country-Fans sind demnach im Schnitt extravertierter – das heißt geselliger, gesprächiger, energischer. Hiphop steht außerdem bei impulsiven, reizhungrigen Menschen hoch im Kurs. Überhaupt deute eine Vorliebe für ‚dynamisch-rhythmische‘ Musik auf eine extravertierte Persönlichkeit hin. ‚Fröhlich-konventionelle‘ Popsongs erwiesen sich als besonders aufschlussreich: Die Hörer sind nicht nur extravertierter, sondern verträglicher, gewissenhafter und konservativer als der Durchschnitt. Als Hinweis auf ein abgeschlossenes Studium taugen CDs mit klassischer Musik, Jazz sowie Opern. Goslings Versuchspersonen gelang es sogar, aus den Lieblingsliedern einer ihnen fremden Person auf deren Persönlichkeit zu schließen.

Ob auf Konzerten, im Theater oder Museum: Bei kulturellen Veranstaltungen trifft man häufiger auf offene Menschen, ergab eine repräsentative Studie unter Niederländern. Eine Eintrittskarte könnte also als weiteres Indiz dienen. Dasselbe gilt für vielseitigen Lesestoff, vor allem anspruchsvolle Literatur und naturwissenschaftliche Texte. Ein Faible für Klatschpresse und Liebesromane deutete wiederum auf einen extravertierten, umgänglichen Charakter hin. Und liegt dazu noch eine Hundeleine im Kofferraum, verdichten sich die Hinweise: Hundemenschen sollen im Durchschnitt extravertierter, verträglicher und gewissenhafter sein – Katzenliebhaber hingegen offener und neurotischer, wie erneut Sam Gosling herausfand.

„Solche Aussagen gründen sich auf Durchschnittswerte und statistische Zusammenhänge“, erklärt Christian Müller von TÜV NORD. Natürlich könnten die Habseligkeiten auch von mitfahrenden Freunden oder Verwandten stammen. Und wer spaßeshalber das Innere von Autos inspizieren möchte, sollte noch etwas bedenken, warnt der Psychologe: „Für Außenstehende verhält man sich dabei wie ein Autoknacker, der nach Beute Ausschau hält.“

Die psychologische Spurensuche könnte sich allerdings lohnen, wenn man von einem Auto zugeparkt wurde. Der Blick in den Innenraum erlaubt vielleicht eine erste Hypothese: Handelt es sich um einen umgänglichen Typ? Oder neigt der Besitzer oder die Besitzerin zu heftigen Gefühlsausbrüchen?

Was darauf schließen lässt, lesen Sie in Kürze im zweiten Teil: »Charaktere mit schwerem Gepäck«

 

 

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Rainer Camen

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