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2. August 2018 | Mobilität

Stop-and-go auf der Autobahn: Für viele Menschen ist das purer Stress. Wie kann man ruhig bleiben, wenn mal wieder der Verkehr stockt?

Verstopfte Straßen sind etwa so beliebt wie verstopfte Atemwege. Sie nötigen uns dazu, einen Gang herunterzuschalten, und ändern lässt sich an dem zähflüssigen Zustand nur wenig. Sich darüber zu ärgern, macht es nur schlimmer. Warum also nicht gleich gelassen bleiben?

Gelegenheit zum Üben gibt es genug. Auf deutschen Autobahnen stauten sich die Fahrzeuge im vergangenen Jahr täglich auf rund 4000 Kilometern. Übers Jahr gerechnet würde diese Strecke zwei Mal zum Mond und zurück reichen. Am heftigsten trifft es die Münchner Autofahrer und -fahrerinnen: Sie verbrachten im Schnitt rund 50 Stunden im Stau, berechnete das US-Unternehmen Inrix, das weltweit Verkehrsanalysen durchführt. Kleiner Trost: In Los Angeles stehen die Autos sogar doppelt so lange. Zur Rush-hour sinkt in den amerikanischen Metropolen regelmäßig die Stimmung, stellte eine repräsentative US-Studie fest.

Was genau nervt an einem Stau eigentlich so sehr? Der Psychologe David Wiesenthal von der York University in Toronto untersucht das Thema Stress am Steuer seit rund 20 Jahren und befragt dazu unter anderem Menschen auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause. Wie erwartet fühlten sich Pendler und Pendlerinnen mit zunehmender Verkehrsdichte gestresster, berichtet er. Das galt umso mehr, wenn sie unter Zeitdruck standen oder keine Kontrolle über ihre Lage zu haben meinten.

„Ein Stau ist für die meisten Menschen deshalb so schlimm, weil sie sich der Situation gegenüber ausgeliefert fühlen“, erklärt Klaus Peter Kalendruschat von TÜV NORD. Dabei seien sie keineswegs machtlos. „Den Stau selbst kann man zwar nicht kontrollieren, aber wie man mit der Situation umgeht“, sagt der Psychologe. Er empfiehlt folgende Maßnahmen, um locker zu bleiben:

  • Die Zeit sinnvoll nutzen. Dazu bedarf es nur einiger Hörbücher im Handschuhfach, für jede Stimmung etwas, ob Krimi, Sachbuch oder Sprachtraining. Auf diese Weise lässt sich die erzwungene Pause willkommen heißen, ganz nach dem Motto: „Endlich mal Zeit für mich!
  • Ruhige Musik hören. Das senkt Blutdruck und Herzfrequenz im Stau, und zwar mehr als aktivierende Musik, fand der britische Psychophysiologe Stephen Fairclough heraus. Er hatte seinen Versuchspersonen zehn Pfund versprochen, falls sie die Strecke im Fahrsimulator in einer bestimmten Zeit zurücklegen. Als der Verkehr stockte, blieben sie bei ruhigen Klängen gelassener, unabhängig vom Musikstil und der vermittelten Stimmung. Selbst zu singen baut ebenfalls Stress ab, besonders wenn man gemeinsam mit den Leidensgenossen ein Liedchen trällert.
  • Einatmen, ausatmen. Sich auf den Atem zu konzentrieren, ist eine wirksame Methode gegen Stress, senkt den Blutdruck und hebt das Wohlbefinden. Am besten klappt das, wenn man es zuvor in entspannten Situationen regelmäßig geübt hat.
  • Akzeptieren, loslassen. Negative Gefühle wie Ärger darf man durchaus zur Kenntnis nehmen, doch idealerweise mit innerer Distanz und ohne sie zu bewerten – sonst ärgert man sich auch noch über den Ärger. Psychologen bezeichnen eine solche innere Haltung als ‚Achtsamkeit‘ und setzen sie unter anderem ein, um Stress und Ängste zu lindern.
  • Anspannen, entspannen. Wenn der Verkehr vollständig zum Stillstand kommt, bietet sich die ‚progressive Muskelrelaxation‘ an. Bei dieser Methode wird eine bestimmte Muskelpartie, zum Beispiel im Unterarm, mehrfach fünf bis zehn Sekunden angespannt und dann wieder entspannt, ohne das betreffende Körperteil zu bewegen. Nach demselben Prinzip kann man beispielsweise auch die Schultern heben und senken oder den Rücken ein wenig beugen und strecken.
  • Nicht zuletzt: Grundbedürfnisse stillen. Damit der Geist wach und das Gemüt gelassen bleibt: regelmäßig durchlüften, Pausen machen, ein paar Schritte gehen, etwas trinken.

    „Vorrang hat natürlich immer der Blick auf den Verkehr“, erinnert der Psychologe Klaus Peter Kalendruschat. Nähert man sich einem Stauende, heißt das: „Warnblinker an, langsam heranfahren, Rückspiegel im Blick behalten, Rettungsgasse lassen.“ Vom permanenten Auffahren auf den Vordermann rät er auch bei dichtem Verkehr ab. Denn wer stark abbremsen muss, weil er nicht genug Abstand gehalten hat, kann damit selbst einen Stau verursachen. Ebenso leidet der Verkehrsfluss unter Spurwechslern. Und das grundlos, so Kalendruschat: „Man glaubt zwar, die andere Spur sei schneller als die eigene. Doch das scheint nur so, weil uns die Vorbeifahrenden stärker auffallen und im Gedächtnis bleiben als jene, die wir selbst hinter uns lassen.“

    Ob beim Pendeln oder bei der Fahrt in den Urlaub: Der gefühlte Zeitdruck sinkt, wenn man sich vorab auf Verzögerungen einstellt und vorbereitet, beispielsweise indem man stets rechtzeitig den Tank auffüllt. Außerdem hilft es, ‚antizyklisch‘ zu fahren, etwa den Ferienstart am Samstag oder die Rush-hour an den Werktagen zu umgehen. „Ein Morgenmensch kann dem Verkehr vorausfahren; ein Nachtmensch wartet lieber, bis die meisten durch sind“, so Klaus Peter Kalendruschat. Wann man in den Urlaub aufbricht, kann schließlich jeder selbst entscheiden. Sollten die beruflichen Arbeitszeiten weniger flexibel sein, hat der Psychologe von TÜV NORD einen weiteren Tipp parat: „nach Feierabend vor Ort spazieren gehen oder zu einem Kaffeeplausch verabreden - und erst dann heimfahren, wenn die Straßen wieder frei sind“.

 

 

 

Über die TÜV NORD GROUP:

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Rainer Camen

Konzern-Kommunikation

+49 201 825-2331

rcamen@tuev-nord.de

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