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28. März | Mobilität

Ein Pedelec ist ein Fahrrad mit elektrischer Trethilfe. Mindestens 1 von 20 Rädern ist heute schon mit einem Elektroantrieb ausgestattet, nur fällt das oft nicht besonders auf. Eine Trethilfe auf Knopfdruck: Damit lassen sich gerade Sportmuffel zum Umstieg aufs Rad bewegen, freuen sich Fachleute wie die TÜV NORD-Psychologin Cornelia Nagel. Eine Kehrseite hat es allerdings, wenn das Rad wie von alleine fährt – das Tempo.

Sie bilden eine kleine, aber stetig wachsende Minderheit: Knapp 4 der mehr als 72 Millionen Fahrräder in Deutschland sind so genannte Pedelecs, berichtete das Statistische Bundesamt vergangenes Jahr. Demnach steht heute in rund jedem zehnten Haushalt ein Elektrofahrrad, Tendenz steigend. Denn immer mehr Menschen wünschen sich eine Trethilfe. Der elektrische Antrieb sorgt dafür, dass sich die Pedale federleicht bewegen lassen.

„Mit Faulheit hat das nichts zu tun“, sagt Cornelia Nagel von TÜV NORD. Typische Gründe für den Umstieg: Das herkömmliche Rad kommt wegen Alters oder Krankheit nicht mehr in Frage, oder der tägliche Weg zur Arbeit wäre damit zu beschwerlich. „Das Pedelec ersetzt teils das traditionelle Rad, teils aber auch das Auto“, erläutert die Psychologin.

Ein Plus für die Lebensqualität, wie sich bei niederländischen Pendlerinnen und Pendlern beobachten ließ. Obwohl die meisten von ihnen nicht ungern mit dem Auto fuhren, fuhren sie nach dem Wechsel aufs E-Bike zufriedener zur Arbeit. Ein wichtiger Faktor: wie attraktiv sie die Strecke fanden. Das bestätigte ein weiteres niederländisches Forschungsteam. Per GPS verfolgten sie über zwei Wochen 24 Freiwillige, die ihr E-Bike überwiegend für den Weg zur Arbeit nutzten. Eine angenehme Umgebung wog die Anstrengung auf; einige nahmen für eine schöne Strecke sogar Umwege in Kauf.

„Nur eines trübt die Aussicht“, bedauert die Psychologin Cornelia Nagel von TÜV NORD, „die Unfallzahlen“. 2018 verunglückten gut ein Viertel mehr Menschen auf Elektrofahrrädern als im Vorjahr. Zu den häufigsten Unfallursachen, so ergab eine Analyse des Statistischen Bundesamts für 2017, zählt eine erhöhte Geschwindigkeit.

Verleiten die E-Bikes zum schnellen Fahren? Ein Team um Psychologin Katja Schleinitz von der TU Chemnitz stattete die Fahrräder von 90 Versuchspersonen mit Sensoren und Kameras aus, darunter herkömmliche Räder, die verbreiteten Pedelecs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern, und Speed-Pedelecs, die bis zu 45 Stundenkilometer fahren dürfen. Über vier Wochen legten sie zusammen eine Strecke von 17.000 Kilometern zurück. Die herkömmlichen Räder waren mit durchschnittlich 15 Stundenkilometer unterwegs, die langsamen Pedelecs mit 17 Stundenkilometern. Aber die Speed-Pedelecs erreichten im Schnitt schon 23 Stundenkilometer.

Entsprechend plausibel finden die Forschenden die derzeitige Regelung, nur die langsamen Pedelecs mit herkömmlichen Fahrrädern gleichzustellen und für Speed-Pedelecs einen Helm vorzuschreiben. Außerdem warnen sie davor, dass die Ähnlichkeit mit dem klassischen Fahrrad falsche Erwartungen wecken könne. „Fährt das vermeintliche Fahrrad plötzlich viel schneller als vermutet, kann es unter Umständen zu Konflikten kommen.“

Die Sorge bestätigte sich unter anderem in einer schwedischen Feldstudie. Eine Analyse von mehr als 5000 Bremsmanövern zeigte, dass E-Bikes gut 70 Prozent häufiger abrupt abgestoppt wurden als herkömmliche Räder. Die Folgen beschränken sich nicht allein auf Bremsspuren, wie Statistiken aus Israel nahelegen. Dort verglich man landesweite Daten aus den Jahren 2013 bis 2017. Unter den rund 9000 Radunfallopfern, die im Krankenhaus behandelt wurden, waren 1300 auf einem E-Bike unterwegs gewesen. Sie erlitten mehr Kopfverletzungen, mussten häufiger operiert werden und länger im Krankenhaus bleiben.

Den Verletzungsrisiken stehen jedoch gesundheitliche Vorteile gegenüber. Das E-Bike habe einen vergleichbaren Nutzen für die Fitness wie ein Rad ohne Elektroantrieb, stellten der Sportmediziner Arno Schmidt-Trucksäss und sein Team fest. Im Rahmen eines Schweizer Aktionsprogramms untersuchten sie 30 übergewichtige, untrainierte Versuchspersonen, die an mindestens drei Tagen in der Woche mindestens sechs Kilometer entweder mit dem üblichen Rad oder mit dem E-Bike zur Arbeit radelten. Nach einem Monat hatten sich bei beiden Gruppen die Lungenfunktionen in vergleichbarem Maße gebessert.

Fachleute freuen sich darüber, denn das Pedelec spricht gerade übergewichtige und untrainierte Menschen an. „Es motiviert also genau diejenigen, die von Bewegung besonders profitieren“, sagt Cornelia Nagel von TÜV NORD. Doch gerade weil das ‚Pedeln‘ leichter falle als das normale ‚Radeln‘, stehen schnell ein paar Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho. Die Psychologin rät deshalb dringend: „Helm aufziehen, Tempo drosseln. Und dann ins Grüne!“

Über die TÜV NORD GROUP

Vor 150 Jahren gegründet, stehen wir weltweit für Sicherheit und Vertrauen. Als Wissensunternehmen haben wir die digitale Zukunft fest im Blick. Ob Ingenieurinnen, IT-Security-Experten oder Fachleute für die Mobilität der Zukunft: Wir sorgen in mehr als 70 Ländern dafür, dass unsere Kunden in der vernetzten Welt noch erfolgreicher werden.

Rainer Camen

Konzern-Kommunikation

+49 201 825-2331

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