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2. Oktober 2020 | Industrie Service

Hamburg: Sind Schweißnahtfehler am Bauteil erkennbar, die Kennzeichnungen der Bleche exakt und die dazugehörigen Unterlagen korrekt? Im Rahmen der Typen- und Projektzertifizierung ist die Fertigungsüberwachung ein zentrales Kapitel. Bisher mussten die TÜV NORD-Sachverständigen dafür die Fertigungsstätte vor Ort inspizieren. Seit Kurzem führen die Windenergieexperten den Service auch als Remote Inspection durch.

Bei der Überwachung von Fertigungsstätten inspiziert TÜV NORD den Fertigungsprozess und die produzierten Komponenten einer Windenergieanlage, etwa die Rotorblätter, das Getriebe oder die Stahlrohrtürme. Der Hersteller kann damit nachweisen, dass er in der Lage ist, die geforderte Qualität zu liefern und eine Serienproduktion durchzuführen. Dieser Qualitätsnachweis ist alle fünf Jahre zu erneuern. Dafür sind normalerweise Inspektionen vor Ort erforderlich, was zuletzt aufgrund der Corona-bedingten Kontakt- und Reisebeschränkungen schwer möglich war. „Wir haben bereits länger an Remote-Lösungen gearbeitet und konnten jetzt, als der Service akut benötigt wurde, schnell ortsunabhängige Inspektionen anbieten“, so Silvio Konrad, TÜV NORD-Geschäftsführer und verantwortlich für den Bereich Energie.

So funktioniert die Überwachung von Fertigungsstätten als Remote-Service

Die Fertigungsüberwachung setzt sich zusammen aus einer Dokumentationsprüfung und der Inspektion des Fertigungsprozesses. In der Remote-Variante erfolgt der erste Abschnitt, in dem die TÜV NORD-Windenergieexperten das Vorgehen mit dem Kunden besprechen und Dokumente sichten, via Konferenz-Software. Für den darauffolgenden Abschnitt, die Inspektion der Fertigungsstätte, nutzen die Sachverständigen ein eigenes Inspektionstool. „Die Software passt sich besser als Konferenztools der vorhandenen Bandbreite an und sorgt somit für eine höhere Übertragungsstabilität“, erklärt Michael Lange, Projektleiter Remote Inspection im Segment Erneuerbare Energien bei TÜV NORD.  

Während der oder die Sachverständige vor dem Bildschirm sitzt, führen Mitarbeitende des Herstellers oder ortansässige TÜV NORD-Fachleute durch die Fertigungshalle – ausgestattet mit Smartphone, Powerbank und Headset. Dabei gibt der Inspekteur oder die Inspekteurin konkrete Anweisungen, wo es hingehen und was zu sehen sein soll. Damit die Inspektion ohne technische Schwierigkeiten verläuft, empfiehlt TÜV NORD, vorab einen Systemcheck durchzuführen. Die Videoübertragung wird selbstverständlich nicht mitgeschnitten und entstandenes Bildmaterial nur mit Einverständnis des Kunden zur Dokumentation genutzt.

Neue Inspektionsform im Einklang mit bestehenden Regelwerken

Die Überwachung von Fertigungsstätten ist Bestandteil aller gängigen Zertifizierungsrichtlinien zur Qualifizierung von Windenergieanlagen. TÜV NORD nutzt dabei die Möglichkeiten der Remote Inspection auf Basis der bestehenden Regelwerke der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS), des International Accreditation Forum (IAF) und der International Electrotechnical Commission Renewable Energy (IECRE). Je nach Art der zu inspizierenden Komponente finden ergänzend zu den Begehungen der Fertigungsstätten Inspektionen remote statt. Vorab prüfen die TÜV NORD-Fachleute die Regelwerkskonformität, führen eine Risikoanalyse durch und passen Prozesse und Verfahrensanweisungen an.

Vorsprung durch Remote-Anwendungen

In den vergangenen Monaten hat das TÜV NORD-Windenergieteam bereits zahlreiche Inspektionen im Rahmen der Fertigungsüberwachung mit Herstellern aus Europa oder Asien erfolgreich remote durchgeführt. „Vorteile liegen vor allem in der zeitlichen Flexibilität, Kostenersparnis aufgrund wegfallender Reisetätigkeit, der Verschlankung des organisatorischen Aufwands und – aktuell sehr wichtig – der Reduktion direkter Kontakte“, erklärt Lange.

Dienstleistungen digital und damit ortsunabhängig durchzuführen, ist für TÜV NORD kein Neuland. Bereits seit 2019 arbeiten die Fachleute mit Remote Audits und konnten den Service dadurch mit Beginn der Corona-Pandemie schnell ausweiten. Damit unterstützen die Auditorinnen und Auditoren Unternehmen dabei, Zertifizierungen aufrechtzuerhalten – nicht selten eine Voraussetzung für die Fortführung der Geschäftstätigkeit. Darüber hinaus testen TÜV NORD-Sachverständige bereits visuelle Begutachtungen von Windenergieanlagen mithilfe von Drohnen. In den ersten Befliegungen ging es vorrangig darum, den Turm auf Risse zu untersuchen. Die Inspektion via Drohne macht den Einsatz von Seilzugtechnik, was einen deutlich längeren Stillstand der Anlage bedeutet, zumindest für eine erste Begutachtung überflüssig.

Über die TÜV NORD GROUP

Vor 150 Jahren gegründet, stehen wir weltweit für Sicherheit und Vertrauen. Als Wissensunternehmen haben wir die digitale Zukunft fest im Blick. Ob Ingenieurinnen, IT-Security-Experten oder Fachleute für die Mobilität der Zukunft: Wir sorgen in mehr als 70 Ländern dafür, dass unsere Kunden in der vernetzten Welt noch erfolgreicher werden.

Franziska Nieke


Energie, Industrie

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