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29. März 2018 | Mobilität

Ob schweigend auf der Rückbank oder schwatzend auf dem Beifahrersitz: Das ist eine Frage der Persönlichkeit – und der Sicherheit.

Einst hatte man keine Wahl: In den Black Cabs, den traditionellen Londoner Taxis, gab es vorne keinen Sitz für Fahrgäste. Der Platz war für etwaiges Gepäck reserviert.

Heute entscheiden sich aber nicht nur Anhänger der guten alten Zeit für die Rückbank. »Sie dient als Rückzugsort, besonders für Menschen, die nicht gerne Smalltalk mit Fremden halten«, sagt der Diplompsychologe Christian Müller von TÜV NORD. Das treffe zum einen auf schüchterne Persönlichkeiten zu. Diese täten sich schwer damit, Kontakte zu knüpfen, entspannt auf Fremde zuzugehen und ein unverbindliches Gespräch anzufangen.

Hinter schüchtern wirkendem Verhalten könne aber noch etwas anderes stecken, erklärt der Psychologe. »Auch introvertierte Menschen verhalten sich zurückhaltend, aber aus anderen Gründen. Sie haben einfach kein besonderes Interesse an einem Smalltalk.« Gespräche mit Fremden oder in Gruppen fänden sie eher anstrengend und bevorzugten den Austausch mit wenigen, vertrauten Personen. Plaudern Fahrgäste im Taxi also sofort lebhaft übers Wetter, handele es sich in der Regel um eher extrovertierte Persönlichkeiten. Sie sind per Definition gesellig und gesprächig, suchen den Kontakt und das Gespräch mit anderen Menschen.

Doch nicht nur kommunikative Personen nehmen neben dem Fahrer Platz. Manchen ist es schlichtweg unangenehm, sich chauffieren zu lassen, erläutert Müller von TÜV NORD weiter: »Sie wollen nicht den Eindruck erwecken, dass sie sich für vornehm oder etwas Besseres halten.« Umgekehrt sei natürlich auch nicht jeder Fahrgast auf der Rückbank ein reservierter Mensch.

Geschäftsleute etwa zögen sich gerne auf die hinteren Plätze zurück, um zu telefonieren oder um Aktentasche und Laptop auszubreiten.

Ängstliche oder vorsichtige Fahrgäste tendieren womöglich noch aus einem anderen Grund zum Rücksitz. Ende des 20. Jahrhunderts galten die hinteren Plätze nämlich als sicherer: Dort waren die Überlebenschancen bei einem Crash höher, wie US-Daten zu tödlichen Verkehrsunfällen aus den Jahren 1993 bis 2003 nahelegten. Auf der Rückbank starben damals im Vergleich zu einem Sitz vorne rund ein Drittel weniger Menschen.

Heute ergeben Crashtests jedoch ein anderes Bild. »Vorne Top, hinten Flop«, lautete das Fazit von Unfallforschern des ADAC nach simulierten Frontalaufprallen bei 64 Stundenkilometern. Das läge an besseren Sicherheitssystemen für Fahrer und Beifahrer, wohingegen es hinten an Airbags fehle und Sicherheitsgurte sowie Kopfstützen dort häufiger zu wünschen übrig ließen. Die Konsequenz: ein erhöhtes Verletzungsrisiko für Kopf, Brust- und Halswirbelsäule. Man habe das Gefühl, so der ADAC, die Autobauer hätten die Rückbank bei der Weiterentwicklung der Sicherheitssysteme vergessen – von einigen positiven Ausnahmen, darunter Kindersitze, abgesehen.

Ob per Konvention oder aus Sicherheitsgründen: In den USA sitze man eher hinten, berichten Taxifahrer auf der Wissensplattform »Quora« über die Platzvorlieben ihrer Gäste. Eine klare Regel gebe es jedoch nicht. Ein ehemaliger Taxifahrer aus San Francisco findet, es komme darauf an, ob der Fahrgast in Plauderstimmung sei. Ein weiterer stimmt zu – doch letztlich sei ihm der Sitzplatz gleich, solange sich der Kunde anständig verhalte.

Manche Fahrer möchten vorne aber lieber allein bleiben und signalisieren das, indem sie Dinge auf den Beifahrersitz legen. Diesem Wink mit dem Zaunpfahl sollte man höflich folgen, findet der Diplompsychologe Christian Müller von TÜV NORD; schließlich möchte ein Taxifahrer auch mal seine Ruhe haben. »Wer will schon jeden Tag ein Dutzend Mal über das Wetter sprechen?«

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Rainer Camen

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