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7. September 2017 | Mobilität

Eltern reagieren nicht immer verständnisvoll, wenn Kinder unterwegs diese Frage stellen. Dabei kommt dem Nachwuchs eine Fahrt tatsächlich länger vor als einem Erwachsenen!

Das Urlaubsziel liegt noch etliche Autostunden entfernt, da ertönt von der Rückbank die unvermeidliche Frage: Wie lange dauert es denn noch? Genervtes Aufstöhnen ist die falsche Antwort. Die richtige Reaktion lautet: die Kinder unterhalten und ablenken. Denn ihnen erscheint ein Tag im Auto um ein Vielfaches länger als ihren Eltern.

Dr. Ralf Buchstaller von TÜV NORD kann das erklären: "Für einen Vierjährigen ist ein Tag etwa 1/1500 seines bisherigen Lebens, bei einem Vierzigjährigen rund 1/15.000, also nur ein Zehntel so lang!" So sei es auch kein Wunder, dass Erwachsene mit dem Alter zunehmend das Gefühl haben, dass die Zeit an ihnen vorbeifliegt.

Noch dazu besteht der Alltag für die meisten Erwachsenen aus Routine, denn anders als in Kindheit und Jugend ereignet sich kaum etwas Neues. Geschieht etwas zum ersten Mal, dauert es subjektiv länger als darauffolgende identische Ereignisse. Dieses Phänomen – genannt Oddball-Effekt – kennen viele aus dem Urlaub: Während sich die ersten Tage dehnen, vergeht die zweite Hälfte wie im Flug.

Quälend langsam schleicht die Zeit wiederum in Situationen wie einer mehrstündigen Autofahrt, in denen der Handlungsspielraum beschränkt ist. Ein Experiment verdeutlicht das auf eindrückliche Weise. US-Psychologen setzten Probanden in einem leeren Raum auf einen Stuhl und forderten sie auf, sich eine Viertelstunde lang mit nichts als ihren eigenen Gedanken zu beschäftigen. Die Versuchspersonen empfanden diese Situation in der Regel als unangenehm, und zwar unabhängig davon, ob sie über sich oder über andere Dinge nachdachten. Nun gab man ihnen die Möglichkeit, sich währenddessen selbst einen schmerzhaften Stromstoß zu geben. Und tatsächlich nutzten zwei von drei Männern das Angebot!

Unter den Frauen tat dies nur jede vierte. Das liege wahrscheinlich daran, so vermuten Timothy Wilson und seine Kollegen, dass es Männer stärker nach Abwechslung und stimulierenden Erfahrungen verlangt, eine Eigenschaft, die "sensation seeking" genannt wird. "15 Minuten mit ihren Gedanken allein zu sein, war so aversiv, dass sie sich lieber einen elektrischen Schock versetzten", wunderten sich die Forscher. In einem Vorversuch waren dieselben Männer noch bereit gewesen, fünf Dollar zu bezahlen, um einen Elektroschock dieser Stärke zu vermeiden.

Der Körper gibt den Takt für unser Zeiterleben vor, erklärt Dr. Marc Wittmann vom Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie. Signale aus dem Körpererinnern werden in der Inselrinde verarbeitet, einem Teil des Großhirns, und bilden so die Grundlage für unser Ich- und unser Zeiterleben. Je stärker wir uns der eigenen Person bewusst sind, desto langsamer scheint die Zeit zu vergehen.

Der Körper gibt den Takt für unser Zeiterleben vor, erklärt Dr. Marc Wittmann vom Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie. Signale aus dem Körpererinnern werden in der Inselrinde verarbeitet, einem Teil des Großhirns, und bilden so die Grundlage für unser Ich- und unser Zeiterleben. Je stärker wir uns der eigenen Person bewusst sind, desto langsamer scheint die Zeit zu vergehen.

Für lange Autofahrten wäre das also nicht die richtige Strategie. Der Fahrer sollte ohnehin seine Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten. Den gelangweilten Mitfahrern rät Dr. Buchstaller von TÜV NORD, die Fahrt nicht als Wartezeit, sondern als Ereignis zu begreifen und für Abwechslung zu sorgen. "Und wenn Sie in einen Stau geraten, bedenken Sie: Starker Ärger lässt die vergeudete Zeit länger erscheinen, als sie tatsächlich ist."

Das Erleben von Zeit ist unterschiedlich. Bild: TÜV NORD

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Rainer Camen

Konzern-Kommunikation

+49 201 825-2331

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