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21. September 2017 | Mobilität

Viele Fahrzeuge bekommen von ihren Besitzern einen Namen. Kindisch? Keineswegs, sagen Psychologen. Vielmehr ein Nebenprodukt unserer sozialen Intelligenz! TÜV NORD liefert Infos.

Ein Fiat heißt "Elli", ein Golf "Horst" und ein BMW "schnelle Gertrud": Diese und viele andere Namen nannten Autobesitzer bei einer Umfrage von TÜV NORD Ende August auf Facebook. Rund jeder siebte Deutsche gibt seinem Fahrzeug einen Namen, meldete das Meinungsforschungsinstitut YouGov schon vor rund zwei Jahren. Bei den Frauen sei es sogar jede fünfte. Laut einer älteren Umfrage unter 2000 US-Amerikanern taufen viermal mehr jüngere als ältere Autobesitzer ihren Wagen. Verrät der Kosename also ein kindliches Gemüt?

Als Urahn der automobilen Namensträger gilt der VW-Käfer "Herbie". Er war aber nicht der erste seiner Art. Schon die alten Griechen gaben ihren Schiffen Namen. "Damit machten sie das Gefährt zum Gefährten", erklärt Dr. Ralf Buchstaller, Psychologe bei TÜV NORD. Auch heute betrachteten viele Menschen ihr Auto nicht einfach als schnödes Transportmittel. "Ob Auto, Boot oder Computer: Wir neigen dazu, Dinge zu vermenschlichen."

Der Fachbegriff dafür lautet Anthropomorphismus, zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern "ánthropos" (Mensch) und "morphé" (Form, Gestalt). Nicholas Epley, Professor für Verhaltenswissenschaften an der University of Chicago, hält diese Neigung sogar für ein Nebenprodukt unserer sozialen Intelligenz. Unseren Vorfahren half es einst zu überleben, wenn sie soziale Signale schnell entdecken und deuten konnten. Dank der Evolution sind wir noch heute darauf programmiert und neigen so bisweilen dazu, leblosen Objekten menschliche Züge zuzuschreiben.

Besonders wichtig war es für unsere Spezies, die Gefühle und Absichten anderer Lebewesen an deren Mimik abzulesen. Für die Gesichtserkennung hat unser Gehirn deshalb eine eigene Spezialeinheit ausgebildet, das so genannte fusiforme Gesichtsareal. Es identifiziert Nase, Mund und Augen allerdings manchmal auch bei Objekten, die naturgemäß gar keine haben, Autos etwa! Ein falscher Alarm hatte wohl seltener fatale Folgen, als wenn ein Gesicht unentdeckt blieb.

Nicht nur Äußerlichkeiten triggern den Vermenschlichungsautomatismus, sondern auch Bewegungen. Und ganz besonders gilt das für unvorhersehbares Verhalten, wie der Psychologe Epley zeigte. Seine Probanden unterstellten einem Wecker eher Absichten und Gefühle, wenn er sich nach Betätigen der Snooze-Taste überraschend fortbewegte. Entsprechend vermuten wir bei unserem Auto eher dann menschliche Züge, wenn es nicht anspringt.

Überhaupt vermenschlichen wir leblose Objekte am stärksten, wenn sie uns emotional ansprechen. Wahrscheinlich neigen deshalb auch mehr Frauen als Männer zur Autotaufe: Sie bauen generell eine stärkere Bindung zu Gegenständen auf, stellten britische Forscher um den Psychologen Nick Neave fest.

Typisch Frau also? "Der Name zeigt unabhängig vom Geschlecht, wie stark wir auf Beziehungen geeicht sind", erläutert Dr. Buchstaller von TÜV NORD. Wer befürchte, dass ein Kosename für ein Auto kindisch wirken könnte, brauche nur einen Blick auf einen typischen Männersport zu werfen. Auch der mehrfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel tauft seine Rennwägen – sein erster Ferrari hieß "Eva".

Ob Elli oder Horst: Warum sollten Autos keine Namen haben? Bild: TÜV NORD

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Rainer Camen

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