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28. Februar 2019 | Mobilität

Was bringt Menschen im Straßenverkehr zur Weißglut? Die meisten stören sich vor allem an Rasern und Dränglern. Berechtigterweise, wie zahlreiche Studien zeigen: Wer so aggressiv fährt, ist nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für alle anderen. „Zu den Grundregeln im Straßenverkehr gehören Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme“, erinnert der Psychologe Christian Müller von TÜV NORD. Doch stattdessen liegen die Nerven oft blank. Worüber regen wir uns eigentlich auf? 


Die Stimmung auf deutschen Straßen ist angespannt. „Drängeln gehört zu meinem Fahrstil“, gestand rund jeder siebte Deutsche bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Deutschen Versicherungswirtschaft. Noch mehr gaben zu, absichtlich dicht aufzufahren, um Linksfahrende von der Überholspur zu vertreiben. Die unmissverständliche Botschaft: Du bist mir im Weg.

Umgekehrt empfinden zwei von drei Deutschen das Drängeln als aggressives Verhalten, ergab gleichzeitig eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Ebenso viele stören sich an riskanten Überholmanövern. Und ganz oben auf der Liste der Aufreger: zu schnelles Fahren.

„Die einen rasen und drängeln, und die anderen ärgern sich darüber“, fasst Christian Müller von TÜV NORD zusammen. Beides sei ein Kennzeichen für ‚driving anger‘, erläutert der Psychologe. Darunter versteht man aggressives Erleben und Verhalten im Straßenverkehr: von Ärger über Beleidigungen und Drängeln bis hin zu offenen Gewaltausbrüchen, ‚road rage‘ genannt. In den USA bezeichnete man damit einst Schießereien bei Konflikten im Straßenverkehr. Heute gehört dazu auch, andere Fahrzeuge absichtlich zu rammen oder aus dem Auto auszusteigen und handgreiflich zu werden. Laut einer Studie der US-Stiftung für Verkehrsforschung gibt rund jeder zwanzigste Autofahrer in den USA zu, im Vorjahr einmal derart ausgerastet zu sein.

Was man über Aggressionen auf der Straße weiß, stammt in der Regel aus Befragungen. Die amtliche Statistik erfasst unter den Unfallursachen zwar auch Regelverstöße, nicht aber den Grund für den Verstoß. Ein Team von BMW und der TU Chemnitz fand jedoch heraus, dass aggressive Menschen häufiger absichtlich gegen die Regeln verstießen und deshalb ein erhöhtes Unfallrisiko hätten, und das umso mehr, je mehr sie sich ärgerten. „Kommen dichter Verkehr, Stress und Zeitdruck zusammen, können schon geringfügige Frustrationen gefährliche Wutanfälle auslösen“, erklärt Christian Müller von TÜV NORD. Ein erstes Kennzeichen sind feindselige Gedanken gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden. Diese können kurzfristig in aggressives Verhalten münden, aber auch dauerhaft den Fahrstil prägen. Zum Drängeln braucht es dann keinen konkreten Anlass mehr.

Laut eigener Auskunft versucht sich jeder fünfte Mann, aber nur jede zwanzigste Frau per Lichthupe oder Blinker frühzeitig freie Bahn zu verschaffen. „Männer zeigen häufiger aggressives Verhalten als Frauen“, berichtet Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Ein solcher Fahrstil ist außerdem typisch für Menschen, die sich – nicht nur beim Autofahren – für überlegen halten, wie weitere psychologische Studien zeigten. Die Straße halten sie für ihr Territorium und wollen ihre Ansprüche durchsetzen. 

So fanden laut Unfallforschung der Versicherer fast 30 Prozent der Befragten, sie ‚müssten‘ drängeln, wenn ein Auto vor ihnen bummelt. Das eigene Fehlverhalten wird gerne als Reaktion auf vermeintlich unzumutbare Einschränkungen gerechtfertigt. „Aggressives Verhalten erkennt man leichter bei anderen als bei sich selbst“, sagt Christian Müller.

Dass Frust und Ärger besonders beim Autofahren so leicht in Aggression umschlagen, liegt an der speziellen Situation. Man befindet sich zwar mitten in der Öffentlichkeit, aber zugleich in einem privaten Schutzraum, so der Psychologe. Anders als etwa an der Kasse im Supermarkt: „Dort stehen auch diejenigen brav in der Warteschlange, die bei stockendem Verkehr rechts überholen.“ Weil im Auto weder Gesichtsverlust noch direkte Sanktionen drohen, lassen viele ihren Gefühlen freien Lauf. „Sich beim Autofahren hin und wieder aufzuregen, ist ganz normal“, sagt Christian Müller von TÜV NORD. „Aber man sollte dem Ärger nicht das Steuer überlassen.“

Über die TÜV NORD GROUP:

Vor 150 Jahren gegründet, stehen wir weltweit für Sicherheit und Vertrauen. Als Wissensunternehmen haben wir die digitale Zukunft fest im Blick. Ob Ingenieurinnen, IT-Security-Experten oder Fachleute für die Mobilität der Zukunft: Wir sorgen in mehr als 70 Ländern dafür, dass unsere Kunden in der vernetzten Welt noch erfolgreicher werden.

Rainer Camen

Konzern-Kommunikation

+49 201 825-2331

rcamen@tuev-nord.de

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