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01. März 2018 | Mobilität

Es bedarf heutzutage schon einer Portion Glück, um ein Exemplar zu sichten: einen der etwa 35.000 VW-Käfer, die noch auf deutschen Straßen unterwegs sind. Laut Kraftfahrtbundesamt waren 2017 insgesamt rund 600.000 Oldtimer zugelassen. Mehr als die Hälfte trägt auch ein Historienkennzeichen. Dafür muss ein Fahrzeug nicht nur mindestens 30 Jahre alt, sondern der Originalzustand auch weitgehend erhalten sein. Und dazu braucht es viel Pflege – eine Investition, die sich nicht immer im Marktwert niederschlägt.

Großen Wert haben die Vierräder allerdings für Herz und Seele ihrer Besitzer. „Gegenstände aus der Vergangenheit können nostalgische Gefühle wecken“, erklärt der Diplompsychologe Dr. Ralf Buchstaller von TÜV NORD. „Sie erinnern uns an Zeiten, in denen im Schlafzimmer noch Schwarz-Weiß-Fernseher standen und der Postbote handgeschriebene Briefe brachte.“

Eine sentimentale Marotte? Oder steckt doch mehr hinter der nostalgischen Vorliebe für ältere Modelle?

Eine Brücke zwischen früher und heute

Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert galt Nostalgie als Krankheit. Zu ihren Symptomen zählte man zunächst unregelmäßige Herztätigkeit und Essstörungen, später auch Schlaflosigkeit, Ängste und Depressionen, typisch für Soldaten, die sich verzweifelt nach Hause zurücksehnten. Heute verstehen Psychologen unter ‚Nostalgie‘ einen vielschichtigen Mix von Gefühlen: die Liebe zu alten Dingen, das Schwelgen in vergangenen Zeiten, die Sehnsucht nach einer Ära der eigenen Lebensgeschichte oder einer Epoche, die man selbst gar nicht miterlebt hat.

Seit dem 20. Jahrhundert forschen Psychologen nach den guten Seiten der Nostalgie. Laut Constantine Sedikides, Psychologieprofessor an der britischen University of Southampton, kann sie heilsam sein: „Nostalgie mildert Einsamkeit und vermittelt ein Gefühl von Kontinuität und Sinn im Leben.“ Besonders segensreich sei das mit fortschreitendem Alter, wenn soziale Kontakte verloren gehen. Sedikides betrachtet Nostalgie deshalb nicht als sentimentale Anwandlung, sondern als menschliche Stärke: Sie verbinde die guten Erfahrungen der Vergangenheit mit dem heutigen Selbst.

Nostalgie macht warm ums Herz

Viele Menschen neigen bei ungemütlichem Wetter eher zu nostalgischen Gefühlen, zeigten der gebürtige Grieche Sedikides und sein niederländischer Kollege Tim Wildschut in ihrem britischen Exil an der University of Southampton. In einer Studie ließen sie Versuchspersonen regelmäßig ihr Befinden in ein Tagebuch eintragen. Und siehe da: Bei schlechtem Wetter notierten die Probanden mehr nostalgische Gefühle. Weitere Experimente ergaben, dass Versuchspersonen in einem kalten Räumen ebenfalls mehr nostalgische Gefühle entwickelten als in wohltemperierten Zimmern. Und wer sich in einem kalten Raum herzerwärmende Ereignisse aus der Vergangenheit ins Gedächtnis rufen durfte, schätzte die Temperatur im Raum daraufhin wärmer ein als jemand, der über andere Dinge nachdenken solle.

„Nostalgie macht warm ums Herz“, schließen Sedikides und Wildschut aus einer Vielzahl solcher Befunde. Nostalgische Erinnerungen könnten sogar Einsamkeit vertreiben, indem sie das eigene soziale Netzwerk größer erscheinen ließen.

Engländer verstehen unter einem Oldtimer ohnehin ein lebendiges Wesen. Denn es handelt sich bei dem Wort um einen Pseudoanglizismus: ‚Oldtimer‘ bezeichnen im Englischen nicht etwa alte Vierräder, sondern ältere Menschen oder Kriegsveteranen.

Wenn sich Männer nach einer Scheidung einen Oldtimer kaufen, könnte das etwas über ihr Befinden verraten, sagt der Psychologe Dr. Ralf Buchstaller von TÜV NORD. „Die Verbindung zur Vergangenheit hilft, in einer wechselvollen Zeit ein Gefühl von Kontinuität zu erhalten.“ Sollte die Heizung des Oldtimers nicht mehr so gut laufen, mache das nichts. Das nostalgische Gefährt wärmt seinen Besitzer schließlich von innen…  

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Rainer Camen

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