Der Digital Hub SEA ist Ausgangspunkt für eine Cloud-first-Plattform, die internationale Einheiten vernetzt und eine neue digitale Arbeitsweise ermöglicht. Südostasien dient nach den Worten von Dr. Jörg Aign, Geschäftsführer TÜV NORD International, als Pilotregion, für die Entwicklung einer Blaupause für die globale Transformation, mit Fokus auf Produktivität und Sicherheit mit KI.


Was verbirgt sich hinter dem Digital Hub SEA?
Der Digital Hub SEA ist der Startpunkt für unsere Cloud-first-Plattform, die künftig alle internationalen Einheiten verbindet und die Grundlage für eine neue digitale Arbeitsweise schafft. Wir gießen sozusagen ein sicheres Fundament, auf dem wir ein ganzes digitales Haus errichten. Wir entwickeln die Plattform in einem geschützten Umfeld, optimieren sie und rollen sie dann global aus. So schaffen wir die Basis für KI-gestützte Produktivität, weltweit standardisierte Prozesse und neue digitale Services.
Warum wurde gerade Südostasien, speziell Indonesien, als Pilotregion ausgewählt?
Südostasien gehört zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt: Hier leben über 680 Millionen Menschen, die digitale Wirtschaft erreicht aktuell einen Bruttowarenwert von mehr als 300 Milliarden US-Dollar und Wachstumsraten von rund 4,5 Prozent. In Indonesien wollen wir die neue Plattform sicher entwickeln und erproben. Hier finden wir ideale Voraussetzungen, um schnell Erfahrungen zu sammeln und eine belastbare Blaupause für die globale Transformation zu entwickeln. Wir wollen die Plattform für den Einsatz von Copilot von Microsoft möglichst bald global ausrollen. Indem wir unsere Mitarbeitenden von Routinetätigkeiten entlasten und sie bei vielschichtigen Auswertungen und Analysen unterstützen, steigern wir ihre persönliche Produktivität.

Ziel ist es also, die Produktivität zu steigern, Prozesse zu vereinheitlichen und zu automatisieren sowie Daten zusammenzuführen?
Das ist richtig, aber auch nur der Anfang. Wir reden über eine Transformation in mehreren Dimensionen. Neben der schon erwähnten Steigerung der Produktivität automatisieren wir komplexe Geschäftsprozesse mithilfe von Power-Apps, Copilot Studio und Foundry IQ. Das sind Werkzeuge, die uns dabei unterstützen, digitale Lösungen zu entwickeln und Geschäftsprozesse zu optimieren. Wir wollen schnell und zuverlässig Daten von mehreren Speicherorten zusammenführen, um sie leicht nutzbar zu machen. Wir wollen schnell Geschäftsprozesse digitalisieren, ohne IT-Spezialistinnen und -Spezialisten einzubinden. Und wir wollen neue digitale Produkte entwickeln. Damit geht es nicht nur um Effizienz, sondern um die Neuausrichtung unserer Arbeitsweise und die Entwicklung neuer Chancen für den Konzern.
Wie geht das konkret?
E-Mails zusammenfassen, Texte entwerfen, Daten analysieren – das sind Aufgaben, die Microsoft Copilot gut erledigen kann. Später wollen wir mithilfe KI-gestützter Software, sogenannter Agenten, spezifische Aufgaben automatisiert erarbeiten lassen. Sie werden uns bei komplexen Aufgaben unterstützen. Aber immer unter menschlicher Kontrolle. KI ist eine helfende „Hand“, die uns entlastet: Copilot kann während eines Meetings automatisch mehrsprachige Notizen erstellen und die wichtigsten Entscheidungen live zusammenfassen. So sind alle Teilnehmenden sofort auf dem gleichen Stand – ohne Nacharbeit und Sprachbarrieren. Das ist ein Beispiel für das, was wir in Südostasien erproben und dann so schnell wie möglich für alle im Konzern verfügbar machen werden.
Können Sie der KI insbesondere bei der Lösung komplexer Aufgaben vertrauen?
Gerade bei komplexen Aufgaben zeigt KI perspektivisch ihre Stärke. Das erforderliche Vertrauen entsteht dabei durch Transparenz und Erfahrung. Wir setzen auf das Prinzip „Human in the Loop“: KI ist, wie gesagt, die helfende Hand. Moderne Datenplattformen wie Microsoft Fabric IQ gehen weit über das reine Sammeln und Speichern von Informationen hinaus. Sie verknüpfen Daten aus vielen Quellen, bereiten sie intelligent auf und machen sie für Analysen, KI-Modelle und Automatisierung nutzbar. Es entsteht eine echte „Intelligence Platform“, die Daten in Wissen, Prognosen und konkrete Empfehlungen verwandelt. Foundry IQ setzt dann als Wissens- und Kontextschicht für KI-Agenten darauf auf und ermöglicht die Entwicklung, das Training und den sicheren Betrieb von KI-Lösungen, die direkt in Geschäftsprozesse integriert werden können, etwa für vorausschauende Analysen, automatisierte Workflows oder intelligente Entscheidungsunterstützung in Bereichen wie Finanzen, dem operativen Betrieb oder Strategie. Dadurch stehen Informationen jederzeit aktuell, sicher und skalierbar zur Verfügung. KI kann komplexe Zusammenhänge erkennen und konkrete Empfehlungen geben, die allerdings immer von Menschen bewertet werden. Alle Prozesse bleiben transparent.



KI läuft nicht unbedingt auf dem Notebook, sondern eher serverbasiert …
Richtig. Wir setzen auf eine hybride IT-Architektur, die Cloud und lokale Infrastruktur kombiniert. Die Intelligenz liegt in der Cloud, wo wir Skalierung, Sicherheit und Performance garantieren können. Sensible Daten und vertrauliche Arbeiten werden gezielt geschützt und, wo notwendig, in speziell abgesicherten Cloud-Umgebungen oder lokal verarbeitet.
Wollen Sie das Wissen, das Sie in Südostasien gewinnen, auch in anderen Regionen nutzen?
Das ist der Kern des Projekts: lernen, skalieren, wiederverwenden. Was wir in Südostasien entwickeln, wird die Blaupause für alle anderen Regionen. Und wir gehen noch weiter: Gute Lösungen, die irgendwo auf der Welt entstehen, werden global geteilt. Auf diese Weise vermeiden wir doppelte Aufwände, erhöhen die Effizienz und beschleunigen die Einführung neuer Technologien weltweit..


Unser Digital Hub SEA macht uns schneller, effizienter und sicherer. Er eröffnet uns auch neue Geschäftsfelder.
Dr. Jörg Aign
Geschäftsführer TÜV NORD International

Das hätte dann Auswirkungen auf den gesamten Konzern …
Genau das ist die Vision. Südostasien ist der Startpunkt für unsere grundlegende globale IT-Transformation. Am Ende arbeiten wir alle auf einer sicheren, Cloud-first- und KI-fähigen Plattform. Die TÜV NORD GROUP wird dadurch zu einem agilen, datengetriebenen und vertrauenswürdigen Partner – mit Sicherheit als unverrückbarer Grundlage.
Digitale Sicherheit ist heute ein wichtiges Thema: Wird sie
auch bei Ihnen mitgedacht?
Sicherheit ist das Fundament unserer Plattform. Wir setzen auf eine moderne Sicherheitsarchitektur mit „Zero Trust“ als Grundprinzip. Das bedeutet: Weder Nutzende noch Gerät oder Anwendung erhalten automatisch Vertrauen, egal ob innerhalb oder außerhalb des Unternehmensnetzwerks. Jeder Zugriff wird konsequent überprüft, jede Berechtigung ist auf das absolut Notwendige beschränkt und zeitlich begrenzt. So wird verhindert, dass sich Angreifer im System ausbreiten können, selbst wenn sie einen Zugangspunkt kompromittieren.
Kann eine solche Plattform zur Entwicklung des Unternehmens beitragen?
Ja, und zwar massiv. Sie macht uns schneller, effizienter und sicherer. Aber vor allem eröffnet sie neue Geschäftsfelder: datenbasierte Services, digitale Prüfmodelle, KI-gestützte Analysen, um einige zu nennen. Sie verwandelt uns in ein datengetriebenes Unternehmen, integriert KI in unsere Prozesse und ermöglicht es uns, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Plattform ist damit das Fundament für nachhaltigen Erfolg und die Zukunft unseres Geschäfts. Wir lernen, probieren aus, entdecken neue Wege der Zusammenarbeit und entwickeln uns Schritt für Schritt weiter. Entscheidend ist, dass wir diesen Weg als Team gehen. KI unterstützt uns, erweitert unsere Möglichkeiten und gibt uns Freiraum für das, worin der Mensch mit seinem Wissen unschlagbar ist und bleibt. Gemeinsam gestalten wir so die Zukunft unseres Unternehmens, und genau das macht unseren Erfolg aus.
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