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Grundlagen des Konzerns

Geschäftsmodell

Seit der Gründung vor fast 150 Jahren steht die TÜV NORD GROUP als anerkannter Technologie-Dienstleister für Sicherheit und Vertrauen. Dabei bieten unabhängige Ingenieurinnen, Ingenieure und IT-Sicherheitsfachleute exzellente Lösungen für Sicherheit, Effizienz und Qualität. Sachverständige und Spezialisten prüfen mit hoher Kompetenz Maschinen, Anlagen und Produkte, begutachten und zertifizieren national wie international. Mit mehr als 10.000 Beschäftigten verfügt der Konzern über ein breites Spektrum an innovativen Prüfungs-, Zertifizierungs-, Engineering-, Beratungs- und Qualifizierungsdienstleistungen. Zu den Kunden zählen sowohl Global Player als auch regional bis lokal ausgerichtete kleine und mittlere Unternehmen sowie Organisationen, Behörden, Institutionen und Endverbraucher.

Als technischer Dienstleister bewegt sich TÜV NORD im TICET-Markt (Testing, Inspection, Certification, Engineering, Training). Das Leistungsspektrum ist in sechs Geschäftsbereiche sowie Holding/Services gegliedert. Die Aktivitäten in den Geschäftsbereichen Rohstoffe, Aerospace und IT ergänzen die klassischen TÜV-Tätigkeiten in den Bereichen Industrie Service, Mobilität und Bildung. So gelingt es der TÜV NORD GROUP, ihre Kunden ganzheitlich und bestmöglich zu betreuen:

  • Der Geschäftsbereich Industrie Service bietet in unterschiedlichen Gesellschaften Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen von spezifischen Einzelprüfungen bis zu sicherheitstechnischen Bewertungen komplexer Anlagen an. Zudem werden in weiteren unabhängigen Gesellschaften Engineeringdienstleistungen durchgeführt.
  • Das Dienstleistungsprofil des Geschäftsbereichs Mobilität reicht von der Abnahme und Durchführung von Fahrzeug- und Führerscheinprüfungen bis hin zu entwicklungsbegleitenden Prüf- und Beratungsleistungen für die Automobil- und Zulieferindustrie.
  • Im Fokus des Geschäftsbereichs Bildung stehen die berufliche Aus- und Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte sowie öffentlich geförderte Schulungsmaßnahmen.
  • Die Unternehmen des Geschäftsbereichs Rohstoffe erbringen Prüfungs-, Beratungs-, Planungs-, Messungs- und Entwicklungsdienstleistungen in den Märkten Bergbau, Öl & Gas, Infrastruktur & Bauwesen sowie Anlagenbau.
  • Dienstleistungen des Geschäftsbereichs Aerospace sind die Beschaffung, Modifizierung, Prüfung und Zertifizierung von Elektronikkomponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie.
  • Zum Dienstleistungsangebot des Geschäftsbereichs IT gehören die Prüfung und Zertifizierung von IT-Produkten und -Komponenten ebenso wie Schulungen für Sicherheits- und Qualitätsthemen in den Bereichen der IT-Security, IT-Quality und IT-Infrastructure.

Zum 31. Dezember 2017 werden mit der Führungsgesellschaft TÜV NORD AG, die als Management-Holding fungiert, 84 Gesellschaften in den Konzernabschluss einbezogen, davon 39 im Inland und 45 im Ausland. Der Konzernabschluss der TÜV NORD AG bezieht alle wesentlichen Tochterunternehmen im In- und Ausland ein, die von der TÜV NORD AG direkt oder indirekt beherrscht werden.

 

Wirtschaftsbericht

Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Nachdem die Weltwirtschaft 2016 mit rd. 3,1 % gewachsen ist, hat 2017 eine weitere konjunkturelle Belebung begonnen. Mit rd. 3,7 % lag das Wachstum deutlich über dem Niveau des Vorjahres. In den USA, in Japan und im Euroraum stieg die Produktion deutlich schneller als im weltwirtschaftlichen Trend und erreichte eine sehr hohe Auslastung ihrer Kapazitäten. Die chinesische Wirtschaft ist infolge wirtschaftspolitischer Maßnahmen mit einer Wachstumsrate von 6,9 % weiterhin ein wesentlicher Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft. Der Aufschwung in den großen Volkswirtschaften hat zusammen mit dem leichten Anstieg der Rohstoffpreise auch die Konjunktur in den Schwellenländern insgesamt angeregt.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat an Stärke und Breite gewonnen. Neben dem Auslandsgeschäft und den Investitionen tragen auch die Konsumausgaben zur Expansion bei. Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts betrug 2017 2,2 % und lag damit über dem Vorjahr (1,9 %). Zum Jahresbeginn 2018 liegt der ifo Geschäftsklimaindex für die deutsche Wirtschaft auf Rekordniveau.

Sicherheit ist weiterhin eine global stark nachgefragte Dienstleistung. Dementsprechend hält der Wachstumskurs der TICET-Branche weiterhin an. Wesentliche Wachstumstreiber werden zunehmend neue Technologien und die digitale Transformation sein. Die infolge niedriger Rohstoffpreise weiterhin schwache Öl- und Gasindustrie sowie geringe Wachstumsraten im inländischen Kfz-Markt verstärken den Trend zu erhöhten Investitionen in Innovationen und die Internationalisierung des Geschäfts. Insgesamt weist die TICET-Branche auch im Jahr 2017 ein moderates Wachstum aus.

Im Zeitalter der Digitalisierung und Vernetzung wachsen analoge und digitale Sicherheitsaspekte zusammen. Dadurch ergeben sich Chancen für wirtschaftliches Wachstum. Unabhängige Zertifizierungen und Prüfungen sind die Voraussetzungen für die Sicherheit in der digitalen Welt. Die TÜV NORD GROUP kann hiervon als einer der weltweit führenden Technologie-Dienstleister mit einem innovativen und vielfältigen Produktportfolio, ihren hohen Qualitätsstandards und dem globalen Netzwerk profitieren.

 

Geschäftsverlauf

Die TÜV NORD GROUP konnte in einem wettbewerbsintensiven wirtschaftlichen Umfeld ihren Wachstumskurs fortsetzen. Die Grundlagen dieses Wachstums waren neben dem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland insbesondere das breit aufgestellte innovative Produktportfolio und die weltweite Präsenz.

Im Geschäftsjahr 2017 hat der Konzern Umsatz und Ergebnis (EBIT/EBT) erneut gesteigert. Die im Lagebericht 2016 und in der Prognose für 2017 angekündigte Umsatz- und Ergebnissteigerung wurde erzielt bzw. übertroffen. Der Konzern hat das vierte Mal infolge die wesentlichen Kennzahlen verbessert.

Innerhalb der TÜV NORD GROUP weisen die Geschäftsbereiche Mobilität und IT prozentual die höchsten Wachstumsraten auf und liegen sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis deutlich über Plan. Im Geschäftsbereich Mobilität war dies insbesondere auf die verstärkte Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und die Ergebnisverbesserung beim Geschäftsaufbau in China zurückzuführen, während der Geschäftsbereich IT seine Dienstleistungen insbesondere im Segment IT-Infrastructure steigern konnte.

Die Geschäftsbereiche Industrie Service, Rohstoffe und Aerospace haben den geplanten Umsatz nicht ganz erreicht, während der Geschäftsbereich Bildung einen Umsatz auf Planniveau ausweist. In den Geschäftsbereichen Bildung und Aerospace wurde das Planergebnis überschritten. In den Geschäftsbereichen Industrie Service und Rohstoffe lag das Ergebnis bedingt durch die geringeren Umsatzerlöse leicht unter Plan.

Die Zahl der Mitarbeitenden des Konzerns ist wie prognostiziert gewachsen. Die im Rahmen der Strategie 2020plus beschlossenen Innovationsprojekte des Konzerns wurden 2017 planmäßig fortgeführt, um den Anteil neuer Dienstleistungen nachhaltig zu steigern.

Im Geschäftsjahr 2017 hat sich der Konzern im Vergleich zum Vorjahr wie folgt entwickelt:

  • Der Umsatz erhöhte sich um 2,7 % von Mio. € 1.153,6 auf Mio. € 1.184,8. Die Umsatzsteigerung in Höhe von Mio. € 31,2 ist im Wesentlichen auf den Geschäftsbereich Mobilität zurückzuführen.
  • Das Betriebsergebnis (EBIT) vor Sondereffekten ist um 11,0 % von Mio. € 69,8 auf Mio. € 77,5 gestiegen. Die Ergebnissteigerung in Höhe von Mio. € 7,7 ist vornehmlich auf die gute Entwicklung im Geschäftsbereich Mobilität zurückzuführen.
  • Die Umsatzrendite, gemessen am EBIT, betrug somit 6,5 % nach 6,1 % im Vorjahr.
  • Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ist um Mio. € 7,6 auf Mio. € 76,6 gestiegen.
  • Die Zahl der Mitarbeitenden hat sich von 10.113 auf 10.485 (Durchschnitt, umgerechnet auf Vollzeitbeschäftigte) im Jahr 2017 erhöht. Die Produktivität ist angestiegen.

 

Ertragslage

Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete der TÜV NORD Konzern einen Umsatz von Mio. € 1.184,8 (2016: Mio. € 1.153,6). Die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre (Mio. €) zeigt die folgende Abbildung:

 

 

 

 

Die folgende Abbildung zeigt die Aufteilung des Umsatzes nach Regionen (Mio. €).

 

 

 

 

Im Inland erzielte der Konzern 2017 Umsatzerlöse in Höhe von Mio. € 872,2 (2016: Mio. € 843,9). Der Umsatz des internationalen Geschäfts betrug Mio. € 312,6 (2016: Mio. € 309,7) und erreichte einen Anteil von 26,4 %.

Nach Geschäftsbereichen sowie Holding/Services gegliedert ergab sich für das Jahr 2017 folgendes Gesamtbild:

 

 

 

 

Die einzelnen Geschäftsbereiche entwickelten sich sehr unterschiedlich, beeinflusst durch die heterogene Marktpräsenz, die vielfältigen Produktportfolios sowie die regionale Ausrichtung.

Der Geschäftsbereich Industrie Service erzielte einen Umsatz von Mio. € 551,5 (2016: Mio. € 538,1), wobei sich insbesondere das Auslandsgeschäft positiv entwickelte. Der Umsatz in Deutschland hat sich um Mio. € 4,8 auf Mio. € 355,8 erhöht (2016: Mio. € 351,0). Im Ausland gab es eine Umsatzsteigerung auf Mio. € 195,8 (2016: Mio. € 187,1). Hierzu haben wesentlich die gute Entwicklung der Gesellschaften in Europa, China und Indien beigetragen. Der Umsatz des Geschäftsbereichs Mobilität lag mit Mio. € 366,2 um 9,8 % über dem Vorjahresniveau von Mio. € 333,4. Ursächlich für den Anstieg ist im Wesentlichen eine Umsatzsteigerung in dem Geschäftssegment Autohäuser und Werkstätten. Der Geschäftsbereich Bildung verzeichnete einen Umsatzrückgang auf Mio. € 102,1 (2016: Mio. € 107,4), ursächlich ist insbesondere das Auslaufen des Transferauftrags für Opel bei TÜV NORD Transfer. Im Geschäftsbereich Rohstoffe wurde ein Umsatz in Höhe von Mio. € 96,0 (2016: Mio. € 106,9) erwirtschaftet, der Rückgang ist im Wesentlichen bedingt durch fehlende bzw. verschobene Seismik-Großprojekte. Der Umsatz des Geschäftsbereichs Aerospace lag mit Mio. € 45,8 leicht unterhalb des Vorjahresniveaus (2016: Mio. € 47,2). Hintergrund für den Rückgang gegenüber Vorjahr sind Großprojekte, die im ersten Quartal 2016 abgerechnet wurden. Der Umsatzanstieg auf Mio. € 17,4 (2016: Mio. € 15,5) im Geschäftsbereich IT resultiert insbesondere aus den gestiegenen Dienstleistungen im Geschäftssegment IT-Infrastructure.

Die Konzernaufwendungen sind im Berichtsjahr um 1,8 % auf Mio. € 1.149,3 gestiegen. Der Materialaufwand hatte eine Höhe von Mio. € 198,4 nach Mio. € 192,2 im Vorjahr. Dies ist im Wesentlichen auf gestiegene Aufwendungen für bezogene Leistungen zurückzuführen.

Die Personalaufwendungen haben sich aufgrund des Auslaufens des Transferauftrags für Opel um 4,6 % auf Mio. € 699,5 verringert.

Weitere Informationen zu den Aufwendungen enthält der Konzern-Anhang unter Pkt. 3. „Erläuterungen zur Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung“.

Zum positiven Ergebnis des Konzerns haben alle Geschäftsbereiche beigetragen. Das Vorsteuerergebnis (EBT) betrug Mio. € 76,6 und lag somit Mio. € 7,6 über dem Vorjahresergebnis von Mio. € 69,0.

Der Jahresüberschuss erreichte mit Mio. € 47,8 einen um 10,6 % höheren Wert als im Vorjahr (2016: Mio. € 43,2).

 

Vermögenslage

Der TÜV NORD Konzern weist solide Bilanzrelationen auf. Die Bilanzsumme stieg im Berichtsjahr auf Mio. € 888,4 (2016: Mio. € 876,5).

Das langfristige Vermögen ist von Mio. € 540,7 auf Mio. € 542,9 gestiegen. Hintergrund ist hierbei insbesondere der Anstieg der latenten Steueransprüche als Folge der erhöhten Pensionsrückstellungen. Der Deckungsgrad des langfristig gebundenen Vermögens (Eigenkapital zuzüglich Pensionsrückstellungen/langfristiges Vermögen) lag bei 107,9 % (2016: 104,0 %).

Das kurzfristige Vermögen betrug, mit einem Anteil von 38,9 % an der Bilanzsumme, Mio. € 345,5 (2016: Mio. € 335,7). Die Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente sind auf Mio. € 84,7 (2016: Mio. € 91,7) leicht gesunken.

Zudem verfügt der Konzern über stille Reserven, vorwiegend im Immobilienbesitz und in Beteiligungen.

Das Eigenkapital liegt mit Mio. € 101,2 auf dem Niveau des Vorjahres (2016: Mio. € 100,8). Die Eigenkapitalquote betrug 11,4 % (2016: 11,5 %). Aufgrund der Absenkung des Diskontierungszinssatzes der Pensionsverpflichtungen wurden 2017 versicherungsmathematische Verluste in den Sonstigen Eigenkapitalpositionen in Höhe von Mio. € 33,6 (2016: Mio. € 41,1) verrechnet, die insofern die Gesamtergebnisrechnung beeinflusst haben.

Im Geschäftsjahr 2017 wurden Mio. € 754,3 des Planvermögens mit den Pensionsrückstellungen saldiert (2016: Mio. € 740,6). Der nicht durch Planvermögen ausfinanzierte Teil der Rückstellung für laufende und künftige Pensionsverpflichtungen lag bei Mio. € 484,9 (2016: Mio. € 461,4). Ursächlich für den Anstieg ist die deutliche Absenkung des Diskontierungszinssatzes der Pensionsrückstellungen. Die Rückstellung für Altersteilzeitverpflichtungen betrug Mio. € 6,7 (2016: Mio. € 9,7).

Die Rückdeckung der Pensionsverpflichtungen wurde um Mio. € 10,0 auf Mio. € 773,1 erhöht. Durch die Zuführung konnte die Rückdeckungsquote der Pensionsrückstellungen im Vergleich zum Vorjahr, bereinigt um Effekte aus der Änderung des Diskontierungszinssatzes, erneut gesteigert werden.

Weitere Informationen zur Vermögenslage enthält der Konzern-Anhang unter Pkt. 5. „Erläuterungen zur Konzern-Bilanz“.

 

Finanzlage

Trotz hoher Investitionen in Innovationen bzw. die Digitalisierung konnte der TÜV NORD Konzern seine positive Nettofinanzposition im Jahr 2017 erhalten. Der TÜV NORD Konzern ist auch zum 31. Dezember 2017 nicht verschuldet. Die primären Ziele der konservativen Finanzstrategie des Konzerns sind unverändert die Erhaltung des guten Ratings und die Sicherstellung einer angemessenen Liquidität zur bedarfsgerechten zentralen Konzernfinanzierung der Tochtergesellschaften. Darüber hinaus sind die Erhaltung einer weitreichenden finanziellen Flexibilität und das transparente Risiko- und Chancenmanagement Grundlage der Finanzstrategie.

Die Deutsche Bundesbank hat nach Untersuchung wesentlicher Finanzkennzahlen wie Rentabilität, Innenfinanzierungskraft, Liquidität und Kapitalstruktur auf Basis testierter Jahresabschlusszahlen dem TÜV NORD Konzern zum 11. Mal in Folge das Prädikat „Notenbankfähig“ verliehen. Damit gehört der Konzern zum Kreis der Unternehmen, deren Kreditverbindlichkeiten von Geschäftsbanken als Sicherheit gegenüber der Deutschen Bundesbank verwendet werden können. Dies sichert der TÜV NORD GROUP eine bevorzugte Position beim Zugang zu finanziellen Ressourcen.

Der Cashflow (siehe „Konzern-Kapitalflussrechnung“) betrug Mio. € 65,2 und wurde im Wesentlichen für die Rückdeckung der Pensionsrückstellungen, für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Beteiligungen verwendet. Das Investitionsvolumen ohne Unternehmensakquisitionen lag im Geschäftsjahr bei Mio. € 43,0 (2016: Mio. € 40,6). Davon entfielen Mio. € 37,5 auf die inländischen und Mio. € 5,5 auf die ausländischen Gesellschaften. Im Fokus standen der Bau von Immobilien in Essen und Hamburg, Sachinvestitionen in Prüfausrüstungen, in den Fuhrpark sowie in EDV-Hard- und -Software. Zum Bilanzstichtag bestanden keine wesentlichen Zahlungsverpflichtungen aus Investitionen. Im Geschäftsjahr gab der Konzern insgesamt Mio. € 6,7 für Unternehmens- und Beteiligungserwerbe aus (2016: Mio. € 9,8). Alle Projekte wurden nach wertschaffenden Kriterien beurteilt. Dabei wurde jedes potenzielle Akquisitions- oder Investitionsprojekt sowohl hinsichtlich seiner Rendite als auch seiner Auswirkungen auf die Konzern-Bilanz geprüft und analysiert.

Die Nettofinanzposition des Konzerns betrug zum Jahresende Mio. € 32,9 und lag unter dem Vorjahresniveau (2016: Mio. € 38,8).

Die bestehende Konsortialkreditlinie in Höhe von Mio. € 100,0 wurde zum 31. Dezember 2017 nicht in Anspruch genommen.

Der Konzern war im Geschäftsjahr 2017 jederzeit in der Lage, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

 

Nicht finanzielle Leistungsindikatoren

Innovationsbericht

Der technische Wandel in der heutigen Zeit ist enorm und hat erheblichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeiten des Konzerns. Innovationen und Umwelttechnologien voranzutreiben ist ein zentrales Anliegen der TÜV NORD GROUP. Durch innovative Dienstleistungen und Prozesse lassen sich neue Marktfelder erschließen, Vorteile gegenüber den Wettbewerbern darstellen und globale Herausforderungen bewältigen. Insofern sind Innovationen wesentliche Treiber für das Wachstum der TÜV NORD GROUP.

Ob Entwicklung von intelligenten Prüfverfahren, innovativen Fahrzeugtechnologien, klimaschonenden Verkehrskonzepten oder Einsatz von neuen Werkstoffen – die TÜV NORD GROUP geht in allen Geschäftsbereichen neue Wege und sucht nach Lösungen für die Zukunft.

Für ihre Innovationsprojekte ist der Strategieprozess 2020plus, der sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Konzerns über das Jahr 2020 hinaus beschäftigt, von großer Bedeutung. Das Know-how der TÜV NORD-Mitarbeitenden und die globale Präsenz bilden die beste Grundlage für die Entwicklung von neuen Ideen, Trends und Geschäftsideen, um den Erfolg der Kunden der TÜV NORD GROUP im digitalen Zeitalter zu unterstützen. Die TÜV NORD GROUP engagiert sich zu diesem Zweck auch an Universitäten und kooperiert mit Forschungsinstitutionen. Darüber hinaus sind Mitarbeitende der TÜV NORD GROUP in allen relevanten Gremien der nationalen und internationalen Entwicklung von branchenrelevanten Regelwerken präsent.

Im Jahr 2017 wurde zudem die Digital Academy gestartet. Dieses Programm hat zum Ziel, die Mitarbeitenden für das digitale Zeitalter zu befähigen, bestehende Dienstleistungen auf ihr Digitalisierungspotenzial hin zu überprüfen und neue, vernetzte Geschäftsmodelle für die Kunden zu entwickeln. In einem ersten Schritt wurden Digital Experts aus allen Geschäftsbereichen ausgebildet. Diese sind nun im Konzern als Multiplikatoren und Influencer tätig und arbeiten an der operativen Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.

Innerhalb jedes Geschäftsbereichs ist ein Innovation Board für die Überwachung, Steuerung und Koordination des jeweiligen Innovationsprozesses verantwortlich. In diesen Boards erfolgt die Bewertung und Entscheidung über die Weiterführung der einzelnen Innovationsideen und -projekte von der Idee bis zur Markteinführung.

Durch das eingerichtete Innovationscontrolling erfolgen in der TÜV NORD GROUP quartalsweise Abfragen und Analysen von Umsatz, Kosten, Investitionen, Zahl der Mitarbeitenden sowie der allgemeinen Innovationskosten. Der Aufbau eines Innovationscockpits, welches einen Überblick über die gesamte Innovationstätigkeit des Konzerns sowie die wichtigsten Kennzahlen bietet, wird 2018 erfolgen.

In den einzelnen Geschäftsbereichen standen folgende, ausgewählte Projekte im Geschäftsjahr 2017 im Fokus:

Industrie Service: Aufgrund der sehr guten Kundenrückmeldungen führt TÜV NORD EnSys das Projekt DARWIN (Database for Radioactive Waste Information) fort. Mit DARWIN 2.0 wird das System erweitert, und es werden Altdaten aus anderen Systemen übernommen. Die Datenbank enthält vielfältige Informationen zu Abfällen, ein Lagerstättenkataster, Schriftverkehr sowie Konditionierungskampagnen in deutschen Aufsichts- und Endlagerverfahren.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Forschungsprojektes THERRI (Ermüdungsrisswachstum in Kraftwerken) finden die Ergebnisse Niederschlag in ersten Kundenprojekten. Die Ergebnisse sind darüber hinaus auch Grundlage für weitere Innovationsprojekte. Die Möglichkeit, Risswachstum vorauszusagen, lässt sich sowohl auf andere Branchen als auch auf andere Materialien übertragen.

Um der rasanten Entwicklung beim 3-D-Druck (Additive Manufacturing) Rechnung zu tragen, wurde ein Innovationsprojekt gestartet, welches zum Ziel hat, additiv gefertigte Bauteile nach der Druckgeräterichtlinie (DGRL) zuzulassen. Zusammen mit weiteren geplanten Projekten im 3-D-Druck-Umfeld ermöglicht es so Kunden, Informationen und Dienstleistungen rund um die Themen Sicherheit, Zertifizierung und Zulassung auch bei neuen Technologien aus einer Hand von TÜV NORD zu beziehen.

Im Bereich der digitalen Prüf- und Messmethoden wurde zusammen mit Kunden ein vollkommen digitalisiertes Dehnungsmessstreifen (DMS)-Verfahren entwickelt. Mithilfe von Lichtwellenleitern und digitalen Übertragungssystemen ist nun eine cloudbasierte Messlösung im Portfolio, die besonders kostengünstig eine Echtzeitbewertung und zustandsabhängiges Betreiben von Infrastruktur zulässt.

Mobilität: Der Geschäftsbereich baut Wettbewerbsvorteile bei den Kernleistungen aus, indem identifizierte Digitalisierungspotenziale gehoben werden. Neben den technologischen Weiterentwicklungen der Leistungen auf Branchenebene setzen die Gesellschaften relevante interne Digitalisierungskonzepte bei amtlichen und freiwirtschaftlichen Leistungen um.

Gestartet wurde im Jahr 2017 das Projekt „Prozessdesign SWG“, welches zu durchgängig digitalen und harmonisierten Anwendungen bei Leistungs- und Unterstützungsprozessen im Volumengeschäft der Schaden- und Wertgutachten (SWG) führen wird. Fortsetzung finden die besonderen Initiativen und Kooperationen im Zusammenhang mit dem immer bedeutender werdenden Markt des „automatisierten und vernetzten Fahrens“ sowie der „CarIT – Funktionale Sicherheit“ im Herstellergeschäft. Die zunehmende Komplexität bei Geräten und Fahrzeugen bedingt, dass Produktprüfungen um eine Softwareprüfung zum Sicherheitsmanagement ergänzt werden. Relevante Gremien und Arbeitskreise konnten durch TÜV NORD-Fachleute besetzt und somit das Mitgestalten von Leitlinien für Typprüfung und Testfahrten mit dem Ziel der Straßenzulassung sichergestellt werden. So wirkt TÜV NORD Mobilität aktiv an zwei Projekten mit: den geförderten Forschungsprojekten „Diginet-PS “ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zur Validierung eines Rahmens für das Fahren mit Car2X-Kommunikation im realen Stadtverkehr sowie „AutoConstruct“ zur echtzeitfähigen Umfelderkennung im Baustellenbereich für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Aus den neuen Anforderungen an die Überprüfung von Fahrzeugelektronik- und Fahrzeuginformationssystemen hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit ergeben sich Chancen zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit. Enge Kooperationen im Bereich der Datenkommunikation, u. a. mit dem Geschäftsbereich IT zum Transfer von Safety & Security in den Automotive- Sektor, begleiten die Entwicklungen von TÜV NORD Mobilität.

Bildung: Der Trend zur Digitalisierung setzt sich fort, und zahlreiche Lernplattformen wurden im Geschäftsbereich Bildung 2017 kontinuierlich weiterentwickelt. TÜV NORD Bildung setzt seit mehr als zehn Jahren die Lernplattform „proJobTraining“ im Rahmen der Ausund Weiterbildung ein. Für die konzerninterne Weiterbildung wurde die Lernplattform „TÜV NORD E-Training “ so konzipiert, dass allen Mitarbeitenden der TÜV NORD GROUP ein schneller, zielgerichteter Zugriff auf digitale Schulungsmaterialien möglich ist.

„Quantilope“, eine Software für digitale, schnelle und effiziente Kunden- und Referentenbefragungen wurde optimiert, und interaktive Schulungssysteme sind im Einsatz.

In Zusammenarbeit zwischen TÜV NORD Bildung und TÜV NORD College wurde das erste Onlinetraining für den Bereich der Altenpflege erstellt. Es umfasst in vier Lernfeldern insgesamt elf Module, die interaktiv, unterstützt durch Lernvideos, die Ausbildungsinhalte vermitteln.

An einigen Standorten stehen den Referenten der TÜV NORD Akademie bereits digitale, interaktive Whiteboards zu Verfügung, somit erhalten die Referenten mehr Freiraum in der Seminargestaltung und die Teilnehmer eine optimierte und innovative Lernumgebung. Mit einer neuen Lern-App der TÜV NORD Akademie können Teilnehmer der Seminare zum Qualitätsbeauftragten losgelöst von Ort und Zeit auf Trainingsinhalte zurückgreifen, Wissen überprüfen oder Fachbegriffe nachschlagen. Per Smartphone oder Tablet stellt die Lern-App zusätzliche Lernvideos sowie alle Unterlagen über das Präsenz-Seminar hinaus bereit. Neben innovativen Lernkonzepten werden verstärkt moderne Seminarinhalte, wie beispielsweise der betriebliche Einsatz von Drohnen, angeboten.

TÜV NORD Technisches Schulungszentrum hat erstmals für Kunden im freiwirtschaftlichen Markt Lehrmaterial mit Videotechnik erstellt, das allen Teilnehmenden in digitaler Form zur Verfügung gestellt wird. Ein Fahrsicherheitstraining für Busfahrer wurde per Actioncam begleitet, um die Perspektive der Fahrgäste und die auf diese wirkenden physikalischen Kräfte zu dokumentieren und zu veranschaulichen. Zusätzlich wurde diese Trainingsfahrt mit einer Drohne begleitet und gefilmt, um den Fahrern eine neue Perspektive auf das von ihnen geführte Fahrzeug zu ermöglichen.

Rohstoffe: Forschungs- und Entwicklungsaufträge waren auch im Jahr 2017 Schwerpunkte der Innovationstätigkeiten des Geschäftsbereichs Rohstoffe. Dabei stand weiterhin die Ausrichtung auf die in Zukunft erforderlichen Technologien zur Erhaltung bzw. weiteren Verbesserung der Marktposition als innovativer Dienstleister im Vordergrund.

Den Rahmen bildeten die in der Strategie 2020plus definierten Innovationsprojekte, die 2015 starteten. Diese Projekte sind fokussiert in den Themenfeldern Geotechnik, Energieverteilung und Energiespeicherung, neue Abbau- und Nutzungskonzepte im Bergbau, nukleare Endlagerung, Herkunftsnachweise für Rohstoffe, intelligente Sensornetzwerke, Modelltechnik und Prozesssteuerung im Bergbau sowie industrielle Prozesswasserreinigung.

Besonders herauszuheben ist die Mitwirkung von DMT als Core-Partner in der Knowledge and Innovation Community EIT RawMaterials des European Institute of Innovation & Technology. In der letzten Projektausschreibung im März 2017 wurden weitere vier von DMT geleitete Innovationsprojekte für eine Förderung ausgewählt. Thematisch geht es um die Entwicklung eines automatisierten Untertage-Airobotic Monitoring und Bewertungssystems, die Weiterentwicklung einer Software zur Optimierung von technischen Wartungsintervallen von Bergbaumaschinen, die Weiterentwicklung der DMT-eigenen Technologie für automatisierte Bohrkernanalytik (CoreScan) sowie die automatisierte Klassifikation und Sortierung radionuklidhaltiger Bergbauhaldenmaterialen (hier: radiumhaltiger Phosphatgips) zur Extraktion kritischer Technologiemetalle (z. B. Seltene Erden) und Radium als wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Krebsmittelmedikamenten. Weitere sieben Projekte mit DMT-Beteiligung werden im EIT RawMaterials gefördert, so dass im zweiten Jahr der siebenjährigen EU-Förderung Projektmittel in Höhe von Mio. € 2,6 eingeworben werden konnten.

Daneben ist DMT an Innovationsprojekten anderer Förderprogramme beteiligt, z. B. Horizont2020, RFCS und auch Projekte von Bund und Ländern. In diesen Projekten geht es u. a. um Löslichkeits- und Transportvorhersagen in hydrologischen Modellen, innovative Explorations- und Monitoringtechnologien, Ressourcenund Reserveneinschätzungen der Balkanländer sowie um Innovationen im Bereich der Kokereitechnik zur optimierten Steuerung von Koksöfen.

Aerospace: Im Jahr 2017 wurde im Geschäftsbereich Aerospace das Big-Data-Projekt „Gateway“ weiter planmäßig umgesetzt, es wurde z. B. eine digitale Bibliothek implementiert. „Gateway“, eine spezialisierte Informations-, Bestell- und Serviceplattform stellt Kunden und Partnern technischen Schlüsseldaten zur Verfügung. Neue Wachstumschancen ergeben sich für den Geschäftsbereich Aerospace durch die gezielte Zusammenführung von Kunden und Zulieferern durch technische Informationen, Design- und Baupläne, Lieferanteninformationen etc.

Darüber hinaus unterstützt der Geschäftsbereich Kunden und Hersteller bei der Entwicklung neuer Photovoltaik- und Halbleiter-Technologien, Strahlungsverfahren, Kryptografien sowie neuer Technologien und Testverfahren zur industriellen und zivilen Nutzung von Drohnen. Außerdem kooperiert der Geschäftsbereich mit Universitäten, Forschungsorganisationen, Unternehmen und Regierungen.

IT: Während das „Internet der Dinge“ (IoT) im Rahmen der Digitalisierung und Vernetzung zunehmend an Bedeutung gewinnt, wird der Sicherheit der Dinge bisher noch zu wenig Beachtung geschenkt. Das zeigen aktuelle Cyber-Angriffe auf IoT-Produkte wie Router oder Smart-Home-Geräte. Der Geschäftsbereich IT beteiligt sich daher aktiv an unterschiedlichen Initiativen und Arbeitsgruppen bei der Entwicklung von Cybersicherheitszertifizierungen für IT-Produkte und -Dienste, technischen Richtlinien und IT-Gütesiegeln, die die Basis für zukünftige, innovative Dienstleistungen darstellen. Darüber hinaus fördert der Geschäftsbereich IT in diesem Zusammenhang eine Jungforscherstelle im Bereich Industrial Cybersecurity am Lehrstuhl „Digital Society Institute“ der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin.

Neue technologische Entwicklungen sind das Fundament für innovative Geschäftsmodelle. Der Geschäftsbereich IT hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, das disruptive Potenzial neuer Technologien genauer zu untersuchen und darauf aufbauend neue Geschäftsfelder zu identifizieren. Aktuell untersucht der Geschäftsbereich IT daher den Zusammenhang zwischen der Blockchain-Technologie und IT-Sicherheitsaspekten sowie die Möglichkeit der Verwaltung von Zertifikaten innerhalb einer Blockchain.

Im Jahr 2017 wurde zudem ein starker Fokus auf die Digitalisierung der internen Prozesse gelegt. Dazu wurden zwei Innovationsprojekte ins Leben gerufen. Mit der Entwicklung eines „digitalen Prüfungs-Assistenten “ soll zunächst die Prüfung der physischen Sicherheit von Rechenzentren nach dem TÜViT-eigenen TSI-Standard digitalisiert werden. Von der Unterstützung der Prüfer vor Ort durch vereinfachte Datenerfassung über eine mobile Applikation bis zur automatischen Generierung von Prüfberichten soll der digitale Prüfungs- Assistent den gesamten Prüfprozess abbilden. Später soll die Anwendung auch für andere Prüfkataloge und Prüfgebiete nutzbar sein, so dass diese Prozessinnovation damit wesentlich zur Digitalisierungsstrategie der TÜV NORD GROUP beiträgt. Die Innovation „Information Centered Evaluation“ beinhaltet die Umstellung von einer dokumentbasierten zu einer datenbankbasierten Common-Criteria-Prüfung. Zukünftig wird es möglich sein, dass Kunden relevante Herstelldaten gezielt in eine Web-Oberfläche eingeben, wodurch die Projektlaufzeit deutlich verkürzt werden kann. Die Sicherstellung der Interoperabilität beider Innovationsprojekte wird durch die Schaffung einer gemeinsamen technologischen Basis sichergestellt, um Synergieeffekte realisieren zu können. Bei beiden Innovationen werden die Daten direkt in einer Datenbank gespeichert und können somit elektronisch ausgewertet werden. Damit sind künftig auch weitere Ausbaustufen der Innovationen möglich wie z. B. eine automatische Vorprüfung, die Nutzung von Big-Data-Analysen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Der Ausbau des Portfolios um neue Dienstleistungen und Innovationen in der Telekommunikations- und Beratungsbranche ist ein Ziel im Rahmen der Erweiterung des Geschäftsbereichs IT. Die Digitalisierung und zunehmende Vernetzung von Informationen, Produkten und Systemen durch das IoT erfordert sowohl Kompetenzen im Bereich der Telekommunikation als auch im Bereich der IT-Security.

 

Mitarbeiterbericht

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der TÜV NORD GROUP ein wichtiges Anliegen. Die TÜV NORD AG und viele ihrer Tochtergesellschaften sind bereits seit 2009 nach dem „audit berufundfamilie“ zertifiziert. Im Geschäftsjahr 2017 wurde die Re-Auditierung dieses Zertifikats eingeleitet, welche von nun an konzernübergreifend für die gesamte TÜV NORD GROUP erfolgt. Die Re-Auditierung wird im Geschäftsjahr 2018 abgeschlossen werden. Zur familienbewussten Personalpolitik gehören u. a. flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit der Teilzeitarbeit. Haben Mitarbeitende besondere Herausforderungen bei der Betreuung von Kindern oder Angehörigen zu bewältigen, berät ein externer Dienstleister. Betreuungsangebote sowie Ferienprogramme für Kinder stehen den Mitarbeitenden ebenfalls zur Verfügung.

Darüber hinaus hat die TÜV NORD GROUP das „Gender Balance Programm“ aufgelegt, um die Chancengleichheit für Frauen und Männer im Konzern weiter zu stärken. Im Geschäftsjahr 2017 wurden bereits erste Maßnahmen implementiert, die darauf abzielen, Hindernisse in den Karrierepfaden abzubauen sowie Frauen und Männer in technischen Berufen gleichermaßen zu fördern. So wurden beispielsweise die Stellenausschreibungen mit Blick auf eine gendersensible Sprache und Ausgestaltung überarbeitet. Es wurden darüber hinaus Trainings mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Beeinflussungs- und Durchsetzungsfähigkeit in der TÜV NORD-Kultur umgesetzt sowie gemischtgeschlechtliche Auswahlteams für Assessment- und Orientierungscenter verbindlich eingeführt. Im Geschäftsjahr 2018 wird das Programm fortgeführt.

Die Arbeitgeberattraktivität ist ebenfalls Bestandteil des Gender Balance Programms. Die TÜV NORD GROUP soll für gute Bewerberinnen genauso attraktiv sein wie für gute Bewerber. Der Konzern gehört zu den Universum TOP 100 Arbeitgebern für Young Professionals und Studierende. Insbesondere für Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften ist der Konzern ein interessanter und attraktiver Arbeitgeber. Im Universum-Ranking dieser Fachrichtung konnte sich die TÜV NORD GROUP 2017 um 23 Positionen auf den Rang 44 verbessern. Weitere Auszeichnungen ähnlicher Art erhielt die TÜV NORD GROUP auch von Kununu als „Top Company“ sowie vom DEUTSCHLAND TEST, bei dem der Konzern mit dem Prädikat „Top Karrierechancen“ ausgezeichnet wurde.

Für die Arbeitgeberattraktivität spricht ebenso die jährlich steigende Anzahl von Bewerbungen.

Die TÜV NORD GROUP steht zudem als Arbeitgeber für eine offene und authentische Kommunikation in der Öffentlichkeit. Das seit 2012 erhaltene Kununu-Gütesiegel „Open Company“ ist eine Bestätigung für die Umsetzung dieses Leitbilds.

Um diese Werte aufzugreifen und weiter voranzutreiben wurde im Geschäftsjahr 2017 erneut eine weltweite Online-Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Die Befragung knüpft an die erste Mitarbeiterbefragung im Geschäftsjahr 2014 an, bei der in einem Folgeprozess konkrete Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt wurden. Die erneute Mitarbeiterbefragung zielt darauf ab, den Erfolg der 2014 abgeleiteten Maßnahmen zu überprüfen. Außerdem wurden neue Fragen, z. B. zu den Themengebieten Innovation und Digitalisierung aufgenommen. Die Auswertung und Nachbereitung der Ergebnisse ist für das erste Quartal 2018 geplant.

In den in- und ausländischen Konzerngesellschaften der TÜV NORD GROUP waren zum 31. Dezember 2017 im Durchschnitt, umgerechnet auf Vollzeitbeschäftigte, 10.485 Mitarbeitende gegenüber 10.113 im Vorjahr beschäftigt.

Einschließlich der von den Vereinen gestellten Sachverständigen betrug die durchschnittliche Zahl der Vollzeitbeschäftigten 10.539 (2016: 10.172). Zum Stichtag 31. Dezember 2017 betrug die Zahl der Mitarbeitenden 13.108 nach Köpfen. Der Frauenanteil im Konzern belief sich auf ca. 29 %.

In Deutschland sind 7.608 Mitarbeitende tätig. Die Anzahl der Beschäftigten im Ausland ist 2017 auf 2.931 gestiegen. Der größte Geschäftsbereich ist der Geschäftsbereich Industrie Service mit 5.577 Mitarbeitenden im In- und Ausland, gefolgt vom Geschäftsbereich Mobilität mit 2.604 Beschäftigten.

Die TÜV NORD GROUP bietet mit der dualen Berufsausbildung sowie ausbildungs- und praxisintegrierten dualen Studiengängen attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Schul- und Studienabsolventinnen/-absolventen sowie junge Berufserfahrene an. Rund 40 Nachwuchskräfte bereiten sich im Rahmen ihres praxisintegrierten dualen Studiums auf ihre zukünftige, verantwortungsvolle Position in der TÜV NORD GROUP vor. Der Schwerpunkt liegt hierbei insbesondere im technischen und informationstechnischen Bereich, wie beispielsweise auf einem Maschinenbau-, Elektrotechnik- oder Informatikstudium. Die Ausbildung sowie das duale Studium werden in verschiedenen Modellen an vielen Standorten innerhalb Deutschlands angeboten.

Mithilfe überregionaler Partnerschaften mit akademischen Einrichtungen fördert die TÜV NORD GROUP darüber hinaus seit 2008 Studierende aus dem Inund Ausland. Die Stipendienvergabe reflektiert gleichzeitig die gesellschaftliche Verantwortung, da viele Bildungsaufsteiger und Studierende der Studiengänge von gesamtgesellschaftlicher Verantwortung gefördert werden. Zu den Partnern gehören die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Hannover, die Technische Universität Hamburg-Harburg und die Technische Universität Braunschweig. Als internationaler Konzern vergibt die TÜV NORD GROUP in Zusammenarbeit mit dem Northern Institute of Technology Management (NIT) an der Technischen Universität Hamburg-Harburg auch ein internationales Stipendium für Bachelor-Absolventen aus dem Ausland mit ersten Berufserfahrungen.

Ebenfalls fördert die TÜV NORD GROUP seit 2014 auch Schülerinnen und Schüler. Durch das Start-Stipendium werden Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund beispielsweise während der Vorbereitung auf ihr Abitur unterstützt. Im Rahmen des Programms der Start-Stiftung werden ihre individuellen Fähigkeiten und ihre Talente z. B. durch Projekte und Weiterbildungsmöglichkeiten ausgebaut.

Das Know-how und der technische Sachverstand der Mitarbeitenden bilden die Basis für den zukünftigen Erfolg der TÜV NORD GROUP. Ein umfassendes und breites Angebot für die Qualifizierung und Weiterentwicklung aller Zielgruppen im Konzern ist dafür eine unabdingbare Voraussetzung. Dazu gehört auch die Vorbereitung der Mitarbeitenden und Führungskräfte auf die sogenannte Digitale Transformation. Es gilt, diesen Veränderungsprozess gemeinsam mit den Mitarbeitenden einzuleiten, um die Zukunft aktiv zu gestalten und somit vorhandene Chancen und Mehrwerte auszuschöpfen.

Für die Nutzung von internen und externen Schulungsangeboten wurden 2017 insgesamt Ausgaben in Höhe von Mio. € 7,0 (2016: Mio. € 6,5) getätigt. Die Förderprogramme zur Vorbereitung auf Managementaufgaben wurden weiterentwickelt und den Bedürfnissen der einzelnen Zielgruppen angepasst. Gegenwärtig werden neue Programme aufgelegt, die eine bessere Vernetzung der Führungskräfte aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen und internationalen Gesellschaften erlauben. Hierzu werden zunehmend alternative Lernformen wie E-Learning und Blended Learning angeboten. Mit den Personalmanagern der internationalen Gesellschaften findet mittlerweile ein regelmäßiger Austausch statt, um Best-Practice-Ansätze zu identifizieren und zu kommunizieren. Darüber hinaus unterstützt der Bereich Talent Management die Auslandsgesellschaften auch unmittelbar vor Ort, z. B. bei der Nachfolgeplanung, der Einführung von Personalauswahlinstrumenten und der Organisation von Förderprogrammen.

Zur Weiterentwicklung der angebotsorientierten betrieblichen Gesundheitsförderung zu einem bedarfsorientierten, konzernweiten und nachhaltigen betrieblichen Gesundheitsmanagement wurde ein ganzheitliches Konzept erarbeitet. Dieses wurde im Jahr 2017 in Form von zwei Pilotprojekten in unterschiedlichen Tochtergesellschaften erprobt. Die finale Evaluation der Pilotprojekte entscheidet endgültig über den Rollout in der gesamten TÜV NORD GROUP. Nach wie vor können Mitarbeitende im gesamten Konzern vielfältige Angebote zur Gesundheitsförderung sowie eine jährliche Gesundheitswoche wahrnehmen. An vielen Standorten werden darüber hinaus unterschiedliche Betriebssportaktivitäten angeboten.

Für unsere Gesellschaften ist besonders wichtig, eine Kultur zu pflegen, die die Loyalität zwischen den Mitarbeitenden und den Unternehmen stärkt. Ein Maßstab dafür ist die Betriebszugehörigkeit. Sie beträgt, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns betrachtet, durchschnittlich mehr als zehn Jahre und liegt damit über vergleichbaren Kennzahlen des Wettbewerbs.

Der Vorstand dankt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Unternehmensleitungen im In- und Ausland. Ohne ihre Einsatz- und Leistungsbereitschaft wäre der erfolgreiche Abschluss des Geschäftsjahres nicht möglich gewesen. Ebenso gilt der Dank den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit.

 

Gesamtaussage zur Lage

Vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage ist die TÜV NORD GROUP mit dem Verlauf des Geschäftsjahres zufrieden. Trotz des guten operativen Ergebnisses des Konzerns werden weiterhin alle Anstrengungen unternommen, die Profitabilität zu steigern sowie eine stetige Verbesserung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage zu erzielen. Die TÜV NORD GROUP geht auch für die Zukunft von einer stabilen Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage aus.

 

Prognose-, Risiko- und Chancenbericht

Prognose

Das wirtschaftliche Umfeld für die deutsche Industrie ist aktuell stabil. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 bei ca. 3,8 % liegen wird. Aus dem Bereich der Industrieländer werden voraussichtlich insbesondere die USA zum hohen Wachstum beitragen. Diese Annahme basiert insbesondere auf weiterhin hohen Konsumausgaben in Nordamerika. Die prognostizierten Wachstumsraten des Euroraums liegen unter anderem aufgrund der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit 2,5 % leicht über dem Niveau von 2017. Wesentliche Wachstumstreiber bei den Schwellenländern werden weiterhin China, Indien und einige Länder in Ostasien mit vorausgesagten Wachstumsraten von über 5 % sein. Die deutsche Wirtschaft wird ihren Expansionskurs mit einer für 2018 erwarteten Wachstumsrate von 2,5 % voraussichtlich fortsetzen. Die deutsche Exportwirtschaft wird weiterhin wesentlich zu dieser Entwicklung beitragen. Allerdings bleibt der Ausblick vor dem Hintergrund bestehender wirtschaftlicher und politischer Risiken weiterhin unsicher, auch weil mit der Zuspitzung der Konflikte im Nahen Osten und in Nordkorea weitere geopolitische Risiken hinzukamen.

Vor dem Hintergrund erhöhter Sicherheitsanforderungen an neue Technologien und die digitale Transformation wird der weltweite TICET-Markt weiter wachsen. Auf der anderen Seite besteht aufgrund der hohen Fragmentierung der Branche und der relativ moderaten Wachstumsraten auf dem inländischen und europäischen Markt ein starker Wettbewerbsdruck, der sich negativ auf das Wachstum der inländischen Marktteilnehmer auswirken kann.

Die TÜV NORD GROUP erwartet für das Geschäftsjahr 2018 daher einen moderat steigenden Umsatz mit einer Wachstumsrate, die leicht über dem Niveau des Jahres 2017 liegt. Mögliche Effekte aus Unternehmensakquisitionen und -verkäufen sind dabei nicht berücksichtigt. Zum Umsatzwachstum tragen voraussichtlich alle Geschäftsbereiche bei.

Alle Geschäftsbereiche haben einen positiven Ergebnisbeitrag geplant. Insgesamt wird ein positives operatives Ergebnis angestrebt, das aufgrund der Aufwendungen im Zusammenhang mit den Innovations- und Digitalisierungsprojekten sowie Internationalisierungs- und Wachstumsprojekten im Geschäftsbereich Industrie Service in etwa auf dem operativen Niveau des Geschäftsjahres 2017 geplant ist.

Der Geschäftsbereich Industrie Service erwartet für die Geschäftsaktivitäten sowohl im In- als auch im Ausland eine weitere Umsatzsteigerung. Im Auslandsgeschäft sollen insbesondere die Regionen Europa, Südostasien und China zu einem weiteren Umsatzzuwachs beitragen. Gleichzeitig wird ein Rückgang des kerntechnischen Geschäfts in Europa erwartet. Für 2018 ist, bedingt durch zusätzliche Kosten aus den Zukunfts- und Wachstumsprojekten, u. a. Digitalisierung, Innovationen, kundenfokussierte Prozesse und Vertriebsaufbau, ein Ergebnisrückgang geplant.

Der Geschäftsbereich Mobilität erwartet eine positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Maßgeblich hierfür sind die verstärkte Zusammenarbeit mit Partnern im Zusammenhang mit der Strategie der deutschlandweiten Marktaufstellung sowie Umsatzsteigerungen in den Bereichen Hauptuntersuchungen sowie Schadenund Wertgutachten.

Der Geschäftsbereich Bildung erwartet für 2018 eine Steigerung der Umsätze und ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Der geplante Umsatzanstieg ergibt sich insbesondere aus einer Steigerung im Akademiegeschäft und dem weiteren Ausbau der Pflegeschulen von TÜV NORD College.

Der Geschäftsbereich Rohstoffe geht von einer verhaltenen Erholung der internationalen Rohstoffmärkte aus. Für 2018 wird ein leichter Umsatz- und Ergebnisanstieg erwartet, wozu insbesondere die Geschäftssegmente Seismik und Industrial Engineering beitragen sollen. Gleichzeitig strebt der Geschäftsbereich eine Reduzierung der Abhängigkeit vom Rohstoffmarkt durch eine Verlagerung von Geschäftsaktivitäten in andere Märkte an. Hierzu sollen im Rahmen von Innovationsprojekten neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden.

Der Geschäftsbereich Aerospace plant für 2018 eine leichte Umsatz- und Ergebnissteigerung. Das Innovationsprojekt „Gateway“ soll ab 2018 erste Umsätze ausweisen und mittelfristig Kunden durch verbesserten Mehrwert stärker binden. Die vertriebliche Einbindung der Dienstleistungen von Optocap ist erfolgt und ermöglicht erweiterte Cross-Selling-Aktivitäten. Insofern entwickelt sich der Geschäftsbereich in Bezug auf Mikroelektronik weiter in Richtung „alles aus einer Hand“.

Der Geschäftsbereich IT plant kontinuierliche Umsatzsteigerungen in allen Dienstleistungsbereichen. Für 2018 wird ein leichter Ergebnisrückgang bedingt durch Innovationen und die Ausweitung des Geschäfts erwartet.

Mit dem Umsatz soll auch die Zahl der Mitarbeitenden 2018 im Konzern wachsen. Der Konzern will die Produktivität der Mitarbeitenden stabilisieren, unter Beachtung der Wachstumschancen auf den Märkten im In- und Ausland. Ursächlich für die steigende Anzahl der Mitarbeitenden sind Neueinstellungen im Zuge der geplanten Innovations- und Dienstleistungsprojekte sowie der Internationalisierungs- und Wachstumsprojekte vornehmlich im Geschäftsbereich Industrie Service. Strukturell erhöht sich der Anteil der Mitarbeitenden im Ausland an der Gesamtzahl des TÜV NORD Konzerns, aufgrund des anhaltend starken Wachstums der Belegschaft im Ausland.

Die im Rahmen der Strategie 2020plus identifizierten Innovationsprojekte sollen langfristig zum organischen Wachstum des Konzerns beitragen. Diese Projekte werden im Jahr 2018 fortgeführt, um neue Dienstleistungen zu entwickeln. Alle Geschäftsbereiche befassen sich im Rahmen der Innovationstätigkeiten mit globalen Megatrends wie z. B. Industrie 4.0, Internet der Dinge, Kritische Infrastrukturen sowie Connected Car, um diese Entwicklungen in innovative und profitable Geschäftsmodelle umzusetzen.

 

Risiko- und Chancenmanagementsystem

Für eine global agierende Unternehmensgruppe wie die TÜV NORD GROUP ist der verantwortungsbewusste Umgang mit Risiken und Chancen zentrale Voraussetzung für den Unternehmenserfolg und ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensführung. Eine frühzeitige Erkennung und eine vorausschauende Steuerung bilden die Basis für ein systematisches Risiko- und Chancenmanagement. Für den Konzern mit seinem diversifizierten Dienstleistungsangebot bestehen vielfältige Chancen und Risiken.

Unter Zuhilfenahme von Markt- und Wettbewerbsdaten (Market Intelligence) werden Chancen innerhalb des Risiko- und Chancenmanagementsystems identifiziert und analysiert. Auf dieser Grundlage werden Vertriebsund Serviceaktivitäten sowie sonstige Maßnahmen hinsichtlich ihrer Effektivität und Wirtschaftlichkeit untersucht. Um gesamtwirtschaftliche und branchenspezifische Chancen frühzeitig zu identifizieren, werden relevante Märkte laufend beobachtet. Die TÜV NORD GROUP schafft sich gesamtwirtschaftliche Chancen durch die umfassende Bearbeitung sowohl von etablierten Marktregionen als auch von Wachstumsmärkten. Um eine Stärkung der technologischen Basis und damit der Marktposition zu erreichen, werden hohe Anstrengungen hinsichtlich der Innovationsfähigkeit des Konzerns unternommen. So ist es möglich, zeitnah an gesamtwirtschaftlichen Chancen zu partizipieren, sobald sich dazu Gelegenheiten ergeben.

Die Erfassung und Steuerung der Risiken für die künftige Entwicklung der TÜV NORD GROUP erfolgt im Risikomanagementsystem. Ziele des Risikomanagementsystems sind eine vollständige und verlässliche konzernweite Erfassung der bestehenden Risikopotenziale, eine umfassende Risikozusammenfassung und -bewertung, die Abfrage und Erarbeitung effizienter Maßnahmen zur Risikoreduktion, eine kontinuierliche Risikoüberwachung sowie eine umfassende Risikoberichterstattung.

Die Strategie des Risikomanagementsystems besteht aus einer konzernweiten, systematischen Identifikation, Bewertung, Aggregation, Überwachung und Meldung bestehender Risiken und der zugehörigen Maßnahmen zur Risikominderung bzw. -eliminierung in allen Mehrheitsgesellschaften der TÜV NORD GROUP. Die Identifikation von Risiken erfolgt in den einzelnen Geschäftsbereichen in einem standardisierten, IT-gestützten, periodischen Prozess jeweils zum Quartalsende. Da kein Instrument zur Identifikation aller Risiken geeignet ist, sieht das Risikomanagementsystem eine Kombination verschiedener Instrumente und Methoden zur Risikoidentifikation vor. Die ermittelten Risiken werden hinsichtlich ihrer potenziellen Schadenshöhen und Eintrittswahrscheinlichkeiten analysiert und bewertet, um anschließend die Gegenmaßnahmen zur Risikominderung bzw. -eliminierung einzuleiten oder zu erarbeiten. Auf der Basis der nach Gegenmaßnahmen noch bestehenden Risiken erfolgt eine Berichterstattung an das Risikomanagement der TÜV NORD GROUP. Neben der quartalsweisen Berichterstattung werden wesentliche und bestandsgefährdende Risiken unverzüglich auch als Ad-hoc-Meldung berichtet.

Die Struktur des Risikomanagementsystems ist derart ausgelegt, dass die einzelnen Risiken sowie die Auswirkungen auf den Konzern ermittelt werden, um die Risikolage des Konzerns darstellen zu können.

Soweit erforderlich, wird für einzelne Risiken durch Rückstellungen vorgesorgt. Außerdem besitzt der Konzern ein zentralisiertes Versicherungsmanagement zur Festlegung und Umsetzung der konzernweiten Versicherungsstrategie. Um mögliche finanzielle Auswirkungen von potenziellen Schadensfällen oder Haftungsrisiken zu begrenzen oder gänzlich auszuschließen, bestehen passende Versicherungsverträge.

Vorstand und Aufsichtsrat werden in regelmäßigen Abständen über die aktuelle Risikolage des Konzerns und der einzelnen Geschäftsbereiche informiert. Sie erörtern umfassend die Ursachen der Risikolage und die diesbezüglich ergriffenen Maßnahmen. Die Wirksamkeit des Risikomanagementsystems wird zusätzlich von der Konzernrevision überprüft und von externen Wirtschaftsprüfern beurteilt. Die Ergebnisse werden an Vorstand und Aufsichtsrat berichtet.

 

Risiken und Chancen der TÜV NORD GROUP

Für den Konzern mit seinem diversifizierten Dienstleistungsangebot bestehen vielfältige Risiken und Chancen, die sich im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert haben.

Im Geschäftsjahr 2017 waren keine Risiken erkennbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Fortbestand des Konzerns gefährden oder die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich beeinträchtigen könnten. Aus heutiger Sicht drohen auch in absehbarer Zukunft keine bestandsgefährdenden Risiken.

Zinsrisiken können sich im Zusammenhang mit den Pensionsverpflichtungen ergeben. Das Planvermögen zur Finanzierung der Pensionsverpflichtungen wird von dem 2008 gegründeten TÜV NORD PENSION TRUST e. V. treuhänderisch verwaltet. Veränderungen des Rechnungszinses in der Bewertung der Altersversorgungsverpflichtungen können sich auf den Barwert der diskontierten Pensionsverpflichtungen auswirken und so das Eigenkapital und das Gesamtergebnis nennenswert beeinflussen.

Darüber hinaus liegen keine wesentlichen Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie Risiken aus Zahlungsstromschwankungen für den Konzern vor. Die finanziellen Vermögenswerte des Konzerns sind so angelegt, dass aus heutiger Sicht keine wesentlichen Risiken bestehen.

Chancen ergeben sich für die TÜV NORD GROUP durch die Präsenz in Wachstumsbranchen und dynamischen Märkten. Investitionen in innovative Bereiche und im Ausland bieten die Chance, auf den steigenden Wettbewerbsdruck zu reagieren und die Marktposition zu stärken.

Für die einzelnen Geschäftsbereiche werden folgende Risiken und Chancen berichtet:

Eine positive Geschäftsentwicklung wird für den Geschäftsbereich Industrie Service auch in den nächsten Jahren erwartet. Risiken ist der Geschäftsbereich vor allem in seinem Kernmarkt Europa ausgesetzt. Ein starker Wettbewerb in Bezug auf Preise, aber auch in Bezug auf potenzielle Mitarbeitende (Ingenieure) kann sich negativ auf den Zielerreichungsgrad auswirken. Es besteht außerdem in Deutschland das Risiko, dass Verordnungen geändert werden, was zum Entfall bislang verpflichtender Prüfungen führen kann, und dass Prüfungen außer von Sachverständigen auch von Fachbetrieben vorgenommen werden dürfen. Als Folge würden Umsatz- und Ergebnisrückgänge sowie ein erhöhter Wettbewerb eintreten. Chancen zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit liegen im Angebot neuer Dienstleistungen und in der Erweiterung bestehender Dienstleistungen, z. B. werden Tätigkeiten in den Bereichen Windenergie und Lebensmittel weltweit ausgebaut. Um diese Chancen zu realisieren, wurde mit der Implementierung einer noch stärker auf Kunden fokussierten Organisationsstruktur begonnen, über die künftig alle Gesellschaften innerhalb des Geschäftsbereichs weltweit einheitlich gesteuert werden. Darüber hinaus intensiviert der Geschäftsbereich seine Vertriebsaktivitäten mit einem Schwerpunkt in der Akquisition nationaler und internationaler Großprojekte. Des Weiteren ergibt sich aus der Umsetzung von produktivitätssteigernden Maßnahmen das Potenzial, die Effizienz des Leistungserbringungsprozesses zu steigern. Die Digitalisierung bietet neben der Verschlankung von Prozessen die Chance, den durch die demografische Entwicklung drohenden Fachkräftemangel abzumildern.

Im kerntechnischen Geschäftsfeld bestehen, bedingt durch die Novellierung des Atomgesetzes im Jahr 2011, mittel- bis langfristig Risiken durch Auftragsrückgänge in Deutschland. Chancen bieten sich durch Tätigkeiten im inländischen Stilllegungs- und Entsorgungsmarkt und langfristig im Zusammenhang mit der Endlagerung sowie durch die Verstärkung der Vertriebsaktivitäten im Ausland.

Im Zertifizierungsgeschäft können immer wieder einzelne Dienstleistungen entfallen oder reduziert werden aufgrund der Änderung gesetzlicher Grundlagen. Diesem Risiko wird entgegenwirkt durch starke Diversifizierung und heterogene Kundenstruktur. Das Risiko, dass Akkreditierer drastische Sanktionen bis zum Entzug der Akkreditierung für bestimmte Bereiche im Fall von Regelverstößen einzelner Mitarbeitender des Zertifizierungsunternehmens aussprechen, besteht weiterhin unverändert. Im Geschäftsbereich Industrie Service wird ein zentrales Akkreditierungsmanagement installiert, das durch gezielte Redundanzen und interne Auditierung die Risiken minimiert. Bedingt durch den wachsenden internationalen Warenaustausch auf der einen Seite und die zunehmende Bedeutung des Verbraucherschutzes auf der anderen Seite sind die in- und ausländischen Märkte für nahezu alle Zertifizierungen mittel- bis langfristig in stabilem Wachstum begriffen. Chancen bestehen sowohl durch Prozessoptimierungen als auch durch Investitionen in die Themen Digitalisierung sowie Energie- und Verbraucherschutz. Die erwartete positive Entwicklung kann durch Risiken aus Änderungen der lokalen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in einigen Ländern jederzeit beeinflusst werden.

Im Berichtsjahr bleibt das Risikoprofil der Gesellschaften des Geschäftsbereichs Mobilität unverändert. Da die bekannten Prämissen und Rahmenbedingungen weitestgehend fortbestehen, wird aus heutiger Sicht auch für die kommenden Jahre eine stabile Entwicklung des Geschäftsverlaufs erwartet. Grundsätzlich ist die kundengruppenorientierte Strategie des Geschäftsbereichs Mobilität darauf ausgerichtet, im Rahmen von Markt- und Wettbewerbsanalysen Branchenrisiken und Veränderungen der Marktbedingungen in den Segmenten und Regionen zu erkennen.

Aus dem intensiven Wettbewerb bei den Kernleistungen in Deutschland ergeben sich Risiken hinsichtlich der Ertragslage und Stellung am Markt. Der fortschreitende Konzentrationsprozess im Autohaus- und Werkstattbereich erfordert es, bundesweit Dienstleistungen zu erbringen. Diesem Trend wird mit zunehmendem Erfolg durch die Etablierung einer bundesweiten Marktpräsenz durch Franchisepartner begegnet. Das Vorhalten eines hohen Servicelevels, der Ausbau des Produktportfolios sowie die Entwicklung eines einheitlichen digitalen Prozessdesigns bestehender Leistungen sichern die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Neben Kunden werden auch Mitarbeitende stark beworben. Gezielt werden Maßnahmen umgesetzt, um geeignete Bewerberinnen und Bewerber für offene Stellen zu finden und die Leistungsträger an das Unternehmen zu binden.

Weiterhin besteht das Risiko, dass Prüftätigkeiten aufgrund fehlender Kalibriernachweise werkstatteigener Testgeräte in Autohäusern und Werkstätten nicht durchgeführt werden können. Der fortschreitende Ausbau an Kapazitäten für Kalibrierleistungen am Markt trägt zur Lösung dieser temporären Herausforderung bei. Es zeichnet sich ab, dass die jeweils zuständige Landesbehörde Übergangsregelungen schafft, die die Aufrechterhaltung des Prüfbetriebs bis zum erforderlichen Ausbau der Kapazitäten ermöglicht.

Konkrete Risiken für den Geschäftsbereich Mobilität sind aus dem im Geschäftsjahr 2015 aufgedeckten Abgasskandal nicht erkennbar. Ein Umsatz- oder Reputationsverlust ist nicht eingetreten. Auswirkungen hat der Skandal auf den Typgenehmigungsprozess, in der Form von Änderungen bei Prüf- und Messverfahren sowie dem verstärkten Einsatz entsprechender Messtechnik. RDE-/PEMS-Messungen nehmen zu, ab 2018 wird die Endrohrmessung bei allen Fahrzeugen wieder verpflichtend eingeführt, um eine maximale Effektivität der periodischen Abgasuntersuchung zu sichern.

Technologische Weiterentwicklungen im Fahrzeugbereich führen zu sich ändernden Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit. Die zunehmende Komplexität bei Geräten und Fahrzeugen bedingt, dass Produktprüfungen um eine Softwareprüfung zum Sicherheitsmanagement ergänzt werden könnten. In der Weiterentwicklung der Methoden zur Überprüfung der im Fahrzeug verbauten Systeme werden Chancen zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit im Bereich des Herstellergeschäfts gesehen. Weitere Chancen bieten sich durch das Angebot von Fahrzeugbewertungen in wachsenden Gebrauchtwagenmärkten weltweit. Der Einsatz neuer Technologien und der Aufbau gezielter Kooperationen erleichtern hier den Markteintritt.

Für die Gesellschaften des Geschäftsbereichs Bildung können sich aufgrund der sinkenden Zahl arbeitsuchender Menschen auch in den nächsten Jahren Risiken ergeben durch reduzierte Beauftragungen im Bereich der öffentlich geförderten Bildung. Die Gesellschaften bauen ihre Dienstleistungen z. B. für die Gesundheitsund Pflegebranche aus. Da diese Branchen sich gut entwickeln und ein akuter Fachkräftemangel herrscht, ergeben sich daraus gute Chancen zur Verbesserung der Marktposition. Daneben sind insbesondere in den TÜV-spezifischen Themenfeldern durch technische Entwicklungen oder Regelwerksänderungen konstante Schulungs- und Informationsbedarfe zu erwarten. Das Thema „Migration und Flüchtlinge“ stellt weiterhin Herausforderungen für die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik dar. Den Bildungsträgern kommt daher bei der Entwicklung und Bereitstellung geeigneter Instrumente eine besondere Bedeutung zu. Hieraus ergeben sich weitere Chancen für die Gesellschaften des Geschäftsbereichs Bildung.

Die Gesamtsituation der weltweiten Rohstoffindustrie hat sich nicht verschlechtert. Im Geschäftsbereich Rohstoffe wird von einer verhaltenen Erholung der Rohstoffmärkte ausgegangen. Weiterhin werden vermehrt staatlich finanzierte Projekte in den vertrieblichen Fokus genommen. Im Zuge der DMT-EIT-Raw-Materials- Aktivitäten und der Beteiligung an sonstigen (Förder-)Programmen ist insbesondere für den Mittelfristzeitraum das Einwerben von Projekten gelungen. Eine Geschäftsausweitung in Richtung Infrastruktur soll die zurückhaltende Nachfrage auf den Rohstoffmärkten kompensieren. Die in den Vorjahren durchgeführte Restrukturierung und Prozessoptimierung hat die Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsbereichs Rohstoffe insgesamt erhöht. Die Ausweitung der internationalen Präsenz steht auch weiterhin im Fokus. Wachstumschancen ergeben sich aus der Umsetzung der Innovationsprojekte, welche im Rahmen der Strategieentwicklung entlang der relevanten Megatrends, z. B. Bevölkerungswachstum, steigende Urbanisierung, steigender Rohstoffbedarf und Umbrüche in der Energieversorgung, ausgearbeitet wurden.

Die Gesellschaften des Geschäftsbereichs Aerospace sind abhängig von einer erfolgreichen Partnerschaft mit den Komponentenherstellern. In einem wachsenden Markt der Satellitenherstellung besteht ein Risiko, dass die Komponentenhersteller mit den Satellitenoder Systemherstellern in eine direkte Geschäftsbeziehung eintreten. Um die möglichen negativen Effekte zu minimieren, wurde das „Gateway“-Projekt gestartet. Das Projekt soll die Partnerschaft zu den Komponentenherstellern verbessern und gleichzeitig eine Marketing-Plattform für Kunden bilden. Chancen zur Geschäftserweiterung bestehen durch verstärktes Wachstum in aufstrebenden Märkten sowie die Erweiterung des bestehenden Dienstleistungsangebots und die Vermarktung dieser Dienstleistungen auch für den Luftfahrtbereich.

Für den Geschäftsbereich IT könnten sich Risiken durch den Gesetzesentwurf für die Schaffung einer zentralen europäischen Cybersecurity-Behörde, die durch die ENISA repräsentiert wird, sowie einen Anhang zur Definition der „Konformitätsbewertungsstellen“ ergeben. Dieser Gesetzesentwurf könnte sehr schnell für alle Staaten der EU verpflichtend umgesetzt werden. ENISA bekommt die Hoheit für das IT-Security-Schema in Europa wie auch für die Prüfverfahren. Bisherige nationale Verfahren und Schemata könnten somit komplett wegfallen. Das Prinzip der Konformitätsbewertung könnte die Evaluation, auf die sich die TÜViT spezialisiert hat, ersetzen, womit ein deutlich niedrigerer Eintrittslevel für Prüfstellen entstehen würde und neue bzw. zunehmende Konkurrenz schafft. Aber auch Chancen ergeben sich aus dieser neuen Gesetzgebung: Die Anzahl der zu zertifizierenden Produkte könnte durch die niedrigeren Sicherheitsanforderungen enorm ansteigen, da Hersteller weniger Gefahr laufen, an hohen Anforderungen zu scheitern.

Auch im kommenden Jahr wird sich der Wettbewerb um IT-Security-Experten weiter fortsetzen. Da es ausgebildete Fachkräfte am Markt nicht mehr gibt, muss mehr in die Suche nach Mitarbeitenden mit Potenzial und in anschließende Ausbildung investiert werden. Dies verursacht hohe Einstiegskosten und Produktivitätseinbußen.

In der westlichen Welt zeichnet sich eine zunehmende Konsolidierung von Herstellern von Hochsicherheits-Halbleitern ab. Es finden aufgrund von zunehmendem Wettbewerbsdruck und Markteintritt asiatischer Hersteller Firmenübernahmen statt, die die Anzahl zu zertifizierender Produktlinien zunehmend verringert. Bis vor einem Jahr war es nicht möglich, Hochsicherheits-Halbleiter von Herstellern aus China in Deutschland zu zertifizieren. Dies wurde durch eine getroffene Vereinbarung mit dem BSI, initiiert von TÜViT, nun verändert. Der Geschäftsbereich IT kann deshalb künftig neue Chancen im chinesischen Markt generieren.

Seit einigen Jahren werden viele innovative Themen wie Industrie 4.0, Internet der Dinge und autonomes Fahren vorangetrieben, die ein enormes Potenzial an IT-Sicherheitsanforderungen generieren. Es ist jedoch derzeit nicht absehbar, wann die Umsetzungen der Konzepte in die Phase gelangen, dass Kunden Budgets für die IT-Sicherheitsprüfung freigeben.

 

Corporate Governance

Für die Leitung und Überwachung der TÜV NORD GROUP bildet die Corporate Governance (Grundsätze der Unternehmensführung) den Rahmen und orientiert sich dabei an den Anforderungen, die der Deutsche Corporate Governance Kodex an kapitalmarktorientierte Unternehmen stellt. Die Governance-Struktur ist deshalb konsequent am weltweit anerkannten Three-Linesof- Defense (TLoD) Governance-Modell ausgerichtet und steht für eine verantwortungsbewusste und auf langfristige Wertschöpfung ausgerichtete Führung und Kontrolle. Mit ihren drei zusammenhängenden Verteidigungslinien der First Line of Defense (operatives Management), der Second Line of Defense (Risikomanagement, Controlling, Recht, Compliance etc.) und der dritten Verteidigungslinie (Interne Revision) stellt die TÜV NORD GROUP die Ordnungsmäßigkeit aller ihrer Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen des Konzerns sowie die Effizienz und Effektivität ihres etablierten Internen Kontrollsystems (IKS) sicher.

Das seit mehr als 10 Jahren etablierte und mehrfach zertifizierte Compliance-Management-System (CMS) der TÜV NORD GROUP ist ein wesentlicher Bestandteil der Corporate Governance wie vom TLoD vorgegeben. Die Stärkung der Werte und der Schutz der TÜV NORD GROUP stehen im Vordergrund. Möglichen Risiken vorzubeugen und Schaden von der TÜV NORD GROUP abzuwenden dient das zentrale CMS in der TÜV NORD AG mit einem Ansprechpartner Compliance, der Compliancethemen und -aufgaben koordiniert. Er steht allen Beschäftigten als Ansprechpartner zur Verfügung. Grundlegende Bestandteile für die Sicherstellung der Corporate Governance sind angemessen ausgestaltete und eindeutige Regelungen und Bestimmungen, auf die alle Mitarbeitenden im Intranet stets Zugriff haben. Die verbindliche Festlegung von Unternehmensleitlinien und des Verhaltenskodexes unterstützt die Mitarbeitenden anhand konkreter Handlungsanweisungen in ihrem gesetzeskonformen geschäftlichen Verhalten. Die Leitlinien und der Kodex werden regelmäßig überprüft und aktualisiert. Informationsveranstaltungen und Schulungen sensibilisieren die Mitarbeitenden für das Thema Compliance, denn TÜV NORD strebt einen präventiven Complianceansatz und eine Unternehmenskultur an, die potenzielle Regelverstöße bereits im Vorfeld durch Sensibilisierung und Aufklärung der Mitarbeitenden ausschließt.

Alle Corporate Governancestrukturen und -prozesse werden regelmäßig auf ihre Aktualität überprüft und gegebenenfalls an neue Erfordernisse wie z. B. die aktuellen Änderungen im Geldwäschegesetz oder das neu eingeführte Transparenzregister angepasst.

Die wesentlichen Grundsätze der TÜV NORD-Compliancestrategie sind die Einhaltung von geltendem Recht, der Respekt vor ethischen Grundwerten und nachhaltiges Handeln. Auch bei der Auswahl der Lieferanten und Geschäftspartner ist Compliance ein wesentliches Beurteilungskriterium, das mit dem Compliance Kodex für Lieferanten und Geschäftspartner sichergestellt wird und die Grundlage für bestehende und zukünftige Geschäftsbeziehungen bildet. Mit Unterzeichnung der Vereinbarung zum Compliance Kodex verpflichten sich die Lieferanten des Konzerns, im Sinne der TÜV NORD-Compliancestandards zu handeln. Dazu zählen die grundlegenden Anforderungen zu Menschenrechten, Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung, Umweltschutz, Produkt- und Arbeitssicherheit sowie die Einhaltung der Gesetze und der Verzicht auf Korruption.

Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden haben zusätzlich die Möglichkeit, über ein zur Verschwiegenheit und Anonymität verpflichtetes Ombudsmannsystem Hinweise zu geben oder auf Verstöße gegen die Complianceregelungen der TÜV NORD GROUP aufmerksam zu machen. Ein renommierter Rechtsanwalt nimmt als externer Ansprechpartner Hinweise zu Gesetzes- oder Richtlinienverstößen entgegen.

Die Einhaltung der Corporate Governance wird durch die Konzernrevision kontinuierlich auf der Basis einer risikoorientierten Auditplanung überwacht. Das implementierte Qualitätsmanagement der Konzernrevision dient der Sicherstellung von Effizienz und Effektivität bei der Durchführung der Revisionstätigkeiten. Die Wirksamkeit der eingerichteten Prozesse wird regelmäßig durch eine externe und freiwillige Auditierung gemäß DIIR-Standard bestätigt.

Das CMS wird regelmäßig, zuletzt 2015, durch externe Wirtschaftsprüfer auf der Basis des Prüfungsstandards IDW PS 980 geprüft. Im Prüfungsbericht wird festgestellt, dass das CMS in angemessener Art und Weise implementiert und ausgerichtet ist. Das Prüfungsurteil bestätigt, dass das CMS geeignet ist, mit hinreichender Sicherheit sowohl Risiken für wesentliche Verstöße gegen Regeln rechtzeitig zu erkennen als auch solche Regelverstöße zu verhindern.

Bewusstsein und Sensibilität hinsichtlich Compliance bei Unternehmensführung und Beschäftigten ist konzernweit deutlich ausgeprägt. Die regelmäßigen Complianceanfragen der Mitarbeitenden und die dazu gegebenen Verhaltensempfehlungen im Vorfeld aktiver Geschäftshandlungen sind effektive und effiziente Präventivmaßnahmen zur Schadenverhütung. Risikoorientierte prozessinterne Kontrollen, wie z. B. ein Compliancecheck für Geschäftspartner, vermindern systematisch mögliche Risiken aus Compliance. Verfolgung, Sanktionierung, Auswertung und Dokumentation von Complianceverstößen stellen einen wesentlichen Bestandteil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses dar. Neben der kontinuierlichen aktuellen Information legt der zentrale Ansprechpartner Compliance dem Vorstand den Compliancebericht vor. Somit werden die vorhandenen Compliancestrukturen weiter gestärkt und die Verbindlichkeit der TÜV NORD-Complianceregeln im Unternehmensalltag nachhaltig erhöht.

 

Erklärung zur Unternehmensführung

Festlegungen zur Förderung der Teilhabe von Frauen an Führungspositionen nach § 76 Abs. 4 und § 111 Abs. 5 AktG

Die TÜV NORD GROUP verfolgt eine Strategie der Diversity und strebt eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen an1.

Der Aufsichtsrat hat 2017 die Einhaltung der 2015 beschlossenen Zielgrößen im Aufsichtsrat und im Vorstand festgestellt, diese beinhalteten keine Erhöhung des Frauenanteils in den betreffenden Gremien. Für den Zeitraum bis 30. Juni 2022 hat der Aufsichtsrat erneut beschlossen, dass eine Veränderung und damit eine Erhöhung des Frauenanteils für beide Gremien nicht angestrebt wird. In beiden Gremien werden im Falle künftig erforderlich werdender Nachbesetzungen Frauen wie bisher gleichberechtigt berücksichtigt.

Die Zielgrößen wurden zum 30. Juni 2017 eingehalten bzw. übertroffen, daher wurde 2017 vom Vorstand für die erste Führungsebene unterhalb des Vorstands eine neue Zielgröße von 30 % (bisher Zielgröße 22 %) und für die zweite Führungsebene unterhalb des Vorstands die Fortschreibung der bisherigen 30 % festgelegt. Für beide Zielgrößen wurde als Umsetzungsfrist der 30. Juni 2022 verabschiedet.

Für die weiteren im Konzern betroffenen Gesellschaften sind die neuen Zielgrößen für den Frauenanteil in den Aufsichtsräten, den Geschäftsführungen und den beiden nachfolgenden Führungsebenen sowie Umsetzungsfristen rechtzeitig festgelegt worden.

1Gemäß dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst sind bestimmte Gesellschaften in Deutschland verpflichtet, Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den beiden nachfolgenden Führungsebenen festzulegen und zu bestimmen, bis wann der jeweilige Frauenanteil erreicht werden soll.

 

Zusätzliche Informationen

Die TÜV NORD AG ist nach § 17 AktG von TÜV Nord Holding GmbH & Co. KG, Hamburg, sowie TÜV HSA Holding GmbH & Co. KG, Hannover, unmittelbar und vom TÜV Nord e. V. und TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e. V., mittelbar abhängig. Der Vorstand der TÜV NORD AG hat für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017 sowie für relevante Sondervorgänge im Geschäftsjahr 2017 einen Bericht gemäß § 312 AktG über die Beziehungen der Gesellschaft zur TÜV Nord Holding GmbH & Co. KG, zur TÜV HSA Holding GmbH & Co. KG, zum TÜV Nord e. V., zum TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e. V. und zu den verbundenen Unternehmen erstellt.

Am Schluss dieses Berichts wurde folgende Erklärung abgegeben:

„Wir erklären, dass die TÜV NORD AG bei jedem Rechtsgeschäft mit verbundenen Unternehmen nach den Umständen, die uns im Zeitpunkt der Vornahme der Rechtsgeschäfte bekannt waren, angemessene Gegenleistungen erhalten hat.

Über die berichteten Aktivitäten hinaus waren keine weiteren berichtspflichtigen Rechtsgeschäfte, Maßnahmen oder Unterlassungen zu verzeichnen.“

 

Hannover, 28. Februar 2018

TÜV NORD AG
Der Vorstand