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TÜV NORD GROUP  |  UNTERNEHMENSBERICHT

Finanzbericht

Lagebericht

GRUNDLAGEN DES KONZERNS

Geschäftsmodell
Die TÜV NORD GROUP ist ein weltweit agierender Technologiekonzern, der seine Kunden neutral, zuverlässig und kompetent in allen Belangen der Sicherheit unterstützt. Das Prüfen von Technik auf Sicherheit stand zu jeder Zeit im Fokus der Geschäftstätigkeit. Der Konzern hat sich jedoch fortwährend mit neuen Fragestellungen befasst und begleitet so die Entwicklung neuer Techniken und ihren sicheren Einsatz. Die Sachverständigen sowie Exper­tinnen und Experten prüfen, beraten und schulen mit höchster Kompetenz und nach weltweit geltenden Standards. Außerdem ist ihre Engineering-Expertise gefragt. Kunden können sich auf das Know-how im Konzern verlassen – regional, national und international.

 

Die TÜV NORD GROUP ist seit mehr als 150 Jahren im TICCET-Markt (Testing, Inspection, Certification, Consulting, Engineering, Training) tätig. Das Prüfungs-, Beratungs- und Schulungsgeschäft wird in sechs operativen Geschäftsbereichen angeboten; durch die Dienstleistungen in den Geschäftsbereichen Engineering und Rohstoffe sowie Aerospace hat der Konzern gegenüber den Wett­bewerbern der Branche ein Alleinstellungsmerkmal. Neben den operativen Geschäftsbereichen sind insbesondere die konzerninternen Dienstleistungen im Bereich Holding / Services zusammengefasst.

  • Der Konzern bietet über den Geschäftsbereich Industrie Service vielfältige Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen für Systeme, Produkte und komplexe Anlagen an.
  • Der Geschäftsbereich Mobilität erbringt ein breites Spektrum an Dienstleistungen. Hierzu zählen das Kfz-Prüfgeschäft, Führerscheinprüfungen in Deutschland, Autoservices und Gutachten, die Prüfung der Zulässigkeit von Fahrzeugkomponenten und Fahrzeugen (Homologation) sowie entwicklungsbegleitende Prüfungen und Beratungsleistungen für die Automobilindustrie.
  • Expertinnen und Experten im Geschäftsbereich Engineering und Rohstoffe sind in den Bereichen Anlagenbau, Verfahrenstechnik, Bauwesen, Infrastruktur sowie Bergbau und Energie tätig.
  • Der Geschäftsbereich Bildung bietet Qualifizierungen und­ Wei­ter­bildungen von Fach- und Führungskräften sowie öffentlich geförderte Schulungsmaßnahmen an.
  • Die Dienstleistungen des Geschäftsbereichs Aerospace werden für die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie weitere hochspezialisierte Branchen erbracht. Das sind vor allem die Beschaffung, Modifizierung, Integration, Prüfung und Zertifizierung von Elektronikkomponenten.
  • Prüf-, Test- und Zertifizierungsdienstleistungen rund um IT-Sicherheit sind im Geschäftsbereich IT angesiedelt. Darüber hinaus berät der Geschäftsbereich zum Betrieb und der Planung von Telekommunikations- und IT-Netzen.

Zum 31. Dezember 2020 werden mit der Führungsgesellschaft TÜV NORD AG, die als Management-Holding fungiert, 82 Gesellschaften in den Konzernabschluss einbezogen, davon 40 im Inland und 42 im Ausland. Der Konzernabschluss der TÜV NORD AG bezieht alle wesentlichen Tochterunternehmen im In- und Ausland ein, die von der TÜV NORD AG direkt oder indirekt beherrscht werden.


WIRTSCHAFTSBERICHT

Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
Infolge der Corona-Pandemie erlebte die Weltwirtschaft 2020 einen starken Einbruch. Seit den ersten Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen hat sich die Konjunktur seit Mitte des Jahres teilweise wieder erholt. Die Risiken für die Investitionsbereitschaft und den Welthandel bleiben jedoch hoch, da trotz aller Eindämmungsmaßnahmen die Infektionszahlen weltweit wieder ansteigen und eine Eskalation der Handelskonflikte, insbesondere zwischen den USA und China, sowie Unsicherheiten nach dem Brexit-Deal nicht ausgeschlossen werden können.

 

Diese Unwägbarkeiten schlagen sich im weltweiten Wachstum für 2020 von −3,9 % nieder, das damit deutlich unter dem des Vorjahres (2,6 %) liegt. Die Regionen weltweit sind unterschiedlich stark von Corona betroffen. China ist die einzige große Wirtschafts­na­tion, die im Pandemiejahr 2020 gewachsen ist, wenn auch mit 2,3 % auf deutlich geringerem Niveau als im Vorjahr (6,1 %). Die Wirtschaft Indiens, die im Vorjahr (4,2 %) ebenfalls noch als wesentlicher Wachstumsfaktor galt, brach infolge der Corona-Pandemie um mehr als 8 % ein. Im Vorjahr waren die USA mit 2,3 % ebenfalls noch ein Wachstumstreiber, im Jahr 2020 betrug die Wachstumsrate −3,7 %. In Europa werden längerfristig Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft erwartet. Das Wachstum im Euroraum lag mit −7,6 % ebenfalls signifikant unter dem des Vorjahres (1,3 %).


Die deutsche Wirtschaft rutschte im Laufe des Jahres in eine Rezession, besonders stark betroffen war der Export. Da zentrale Abnehmerländer zu einem ähnlichen Zeitpunkt von der Corona-Pandemie betroffen waren, sank die Ausfuhr von Gütern im Jahr 2020 um –9,3 %. Auch der Import musste einen Rückgang von –7,1 % hinnehmen. Der Dienstleistungssektor hatte mit den Maßnahmen der Corona-Pandemie stärker zu kämpfen als das verarbeitende Gewerbe. Die Investitionsbereitschaft verblieb auf einem niedrigeren Niveau als vor der Krise und schwächte somit die Binnennachfrage. Um den privaten Nachfragerückgang zu dämpfen, leitete der Staat Konjunkturmaßnahmen ein. Das Wachstum des Jahres 2020 fiel mit −5,0 % trotzdem signifikant niedriger als im Vorjahr (0,6 %) aus.

 

Analog zur generellen Wirtschaftsentwicklung konnte sich auch der TICCET-Markt den negativen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie nicht entziehen. Alle produzierenden Unternehmen, von der Automobil-, Luft- und Raumfahrt- bis zur Chemie- und Konsumgüterindustrie, haben teilweise ihre Produktion im Jahr 2020 ausgesetzt, was zu einem Rückgang der Nachfrage nach Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsdienstleistungen führte. In diesem Kontext haben sich auch die länderübergreifenden Im- und Exportaktivitäten teilweise auf wesentliche Güter beschränkt, was sich negativ auf die Nachfrage nach Prüfdienstleistungen auswirkte.

 

Gleichzeitig stieg aber durch die Bekämpfung der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Prüfdienstleistungen erheblich, u. a. in der chemisch-pharmazeutischen Industrie mit dem steigenden Bedarf an Impfstoffen und Medikamenten sowie im Gesundheitswesen bei der Prüfung medizinischer Geräte und Komponenten. Neue und digital weiterentwickelte Technologien sichern die Wettbewerbs­fähigkeit der TÜV NORD GROUP. Daten werden syste­matisch zum Schutz und Nutzen von Menschen, Technik und Umwelt ver­wendet. So entwickelt sich die TÜV NORD GROUP weiter zu einem datengetriebenen internationalen Wissens-Konzern, der sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimaneutral zu werden – und auch Kunden in ihrem Bestreben dabei zu unterstützen, nachhaltig zu werden.

 

Geschäftsverlauf
Die TÜV NORD GROUP stand 2020 nach dem guten Geschäftsjahr 2019 aufgrund der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen. Es wurde ein positives operatives Ergebnis erreicht, das insbesondere infolge der Beeinträchtigungen des Geschäftsbetriebs durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie deutlich unter dem operativen Niveau des Geschäftsjahres 2019 liegt.


Die finanziellen Leistungsindikatoren Umsatz und Ergebnis (EBIT) haben sich nicht wie im Lagebericht 2019 und in der Prognose für 2020 geplant entwickelt. Die Folgen der Corona-Pandemie haben alle Geschäftsbereiche in unterschiedlichen Ausprägungen getroffen.

 

Die geplanten Umsatzsteigerungen des Geschäftsbereichs Industrie Service wurden nicht ganz erreicht. Dennoch konnte gegenüber dem Vorjahr ein erfreuliches Umsatzwachstum erzielt werden. Grund waren eine gute Entwicklung im Inland und die Prüfung von medizinischen Schutzausrüstungen. Das Ergebnis liegt über Plan und Vorjahr.

 

Die geplante positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung erreichte der Geschäftsbereich Mobilität 2020 nicht ganz. Dies ist im Wesentlichen auf die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen, wobei jedoch der Vorjahresumsatz ebenfalls übertroffen wurde.

 

Im Geschäftsbereich Engineering und Rohstoffe gab es einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Planwerte wurden nicht erreicht. Aufgrund der Corona-Maßnahmen wurden Projekte kundenseitig verschoben oder storniert. Der Geschäftsbereich ist wegen seiner starken internationalen Ausrichtung von den weltweiten Reisebeschränkungen besonders betroffen.

 

Umsatz und Ergebnis lagen im Geschäftsbereich Bildung im Geschäftsjahr ebenfalls deutlich unter Plan und Vorjahresniveau. Die zeitweisen Verbote von Präsenzunterricht sowie die Kontaktbeschränkungen und die Hygienevorschriften haben zu einer deutlichen Einschränkung des Geschäftsbetriebs und zu Auftragsrückgängen geführt.

 

Der Umsatz und das Ergebnis des Geschäftsbereichs Aerospace liegen ebenfalls bedingt durch die Corona-Pandemie unter dem Vorjahres- und Planniveau. Es gab Auftragsrückgänge bei kleineren und mittleren Kunden und auch Verschiebungen von größeren Projekten insbesondere in Frankreich.

 

Der Geschäftsbereich IT weist ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr aus, konnte allerdings nicht die Planwerte erreichen. Verantwortlich hierfür sind unter anderem die Reisebeschränkungen zu Beginn der Pandemie, die den Vertrieb schwächten. Das Ergebnis liegt unter Plan und Vorjahr aufgrund der Anlauf­verluste im Beratungsgeschäft sowie kundenseitiger Projektverschiebungen oder Projektstornierungen.

 

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten des Konzerns im Jahr 2020 hat das Planniveau nicht erreicht, liegt aber oberhalb des Vorjahres­niveaus. Ursache hierfür war die Zurückhaltung bei Neueinstellungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

 

Die im Rahmen der Strategie 2020plus beschlossenen Innovationsprojekte des Konzerns zur Entwicklung neuer Dienstleistungen wurden 2020 planmäßig fortgeführt.

 

Im Geschäftsjahr 2020 haben sich die finanziellen Leistungsindikatoren des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr wie folgt entwickelt:

  • Der Umsatz sank um −1,3 % von Mio. € 1.282,4 auf Mio. € 1.265,6. Der Umsatzrückgang in Höhe von Mio. € −16,8 ist im Wesentlichen auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Geschäftsbereichen Engineering und Rohstoffe sowie Bildung zurückzuführen.
  • Das Betriebsergebnis (EBIT) vor Sondereffekten ist um −36,4 % von Mio. € 75,2 auf Mio. € 47,8 gesunken. Die Ergebnisverrin­gerung in Höhe von Mio. € −27,4 ist vornehmlich auf den corona­bedingten Ergebnisrückgang der Geschäftsbereiche Mobilität und Bildung zurückzuführen.
  • Die Umsatzrendite, gemessen am EBIT, betrug somit 3,8 % nach 5,9 % im Vorjahr.
  • Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ist um Mio. € −42,1 auf Mio. € 31,9 gesunken.
  • Die Zahl der Mitarbeitenden hat sich von 11.276 auf 11.658 (Durchschnitt, umgerechnet auf Vollzeitbeschäftigte) im Jahr 2020 erhöht.

 

Ertragslage
Im Geschäftsjahr 2020 erzielte der TÜV NORD Konzern einen ­Umsatz von Mio. € 1.265,6 (2019: Mio. € 1.282,4).

Die folgende Abbildung zeigt die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre (Mio. €):

 

Die regionale Aufteilung des Umsatzes (Mio. €) zeigt folgende ­Abbildung:

 

Im Inland erzielte der Konzern 2020 Umsatzerlöse in Höhe von Mio. € 945,3 (2019: Mio. € 948,2).
Der Umsatz des internationalen Geschäfts betrug Mio. € 320,3 (2019: Mio. € 334,2) und erreichte einen Anteil von 25,3 %.

 

Nach Geschäftsbereichen sowie Holding / Services gegliedert ergab sich für das Jahr 2020 folgendes Gesamtbild:

 

Die einzelnen Geschäftsbereiche entwickelten sich unterschiedlich, beeinflusst durch die Corona-Pandemie, die heterogene Marktpräsenz, die vielfältigen Produktportfolios und die regionale Ausrichtung.

 

Der Geschäftsbereich Industrie Service erwirtschaftete einen Umsatz von Mio. € 582,1 (2019: Mio. € 552,6), wobei sich das In­landsgeschäft positiver als das Auslandsgeschäft entwickelte.
In Deutschland liegt der Umsatz mit Mio. € 371,7 über dem Vorjahresniveau (2019: Mio. € 345,9), im Wesentlichen bedingt durch Prüfungen medizinischer Schutzausrüstungen. Der Umsatz im Ausland liegt bei Mio. € 210,4, nach Mio. € 206,7 im Vorjahr, wobei sich die Erstkonsolidierung einer italienischen Gesellschaft zum 1. Januar 2020 positiv auswirkte.

 

Der Umsatz des Geschäftsbereichs Mobilität lag mit  Mio. € 440,1 um 3,9 % über dem Vorjahresniveau von Mio. € 423,7. Gründe für die Umsatzsteigerung sind im Wesentlichen das Geschäft mit den Kooperationspartnern.


Im Geschäftsbereich Engineering und Rohstoffe wurde ein kon­so­lidierter Umsatz von Mio. € 96,1 (2019: Mio. € 127,3) erzielt. ­Ursache für den Rückgang sind vor allem pandemiebedingte kundenseitige Projektverschiebungen in allen Geschäftsfeldern. Insbesondere aufgrund konzerninterner Umsätze im Bereich der Prüfung von medizinischer Schutzausrüstung betrug der Rückgang der gesamten Umsatzerlöse (vor Konsolidierung) gegenüber dem Vorjahr lediglich Mio. € −16,5 bzw. −12,6 %.

 

Der erhebliche Umsatzrückgang im Geschäftsbereich Bildung auf Mio. € 75,9 (2019: Mio. € 100,3) resultiert aus Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wie Verboten von Präsenzunterricht und Großveranstaltungen, zu denen die Job-Speed-Datings zählen.

 

Der Umsatz des Geschäftsbereichs Aerospace lag mit Mio. € 40,1 unter dem Vorjahresniveau (2019: Mio. € 49,0) aufgrund von coronabedingten Auftragsrückgängen und einer schwachen Entwicklung in Frankreich.

 

Maßgeblich für den Umsatzanstieg im Geschäftsbereich IT auf Mio. € 27,6 (2019: Mio. € 25,9) ist die Entwicklung des Geschäftsfelds IT-Security.

 

Die Konzernaufwendungen sind im Berichtsjahr um 1,3 % auf Mio. € 1.269,4 gestiegen. Dies ist insbesondere auf gestiegene Abschreibungen zurückzuführen. Der Materialaufwand hatte eine Höhe von Mio. € 236,4 nach Mio. € 238,4 im Vorjahr.

 

Insbesondere durch die Einstellung neuer Mitarbeitender sind die Personalaufwendungen um 1,7 % auf Mio. € 754,6 gestiegen.

 

Der Anstieg der Abschreibungen um 29,7 % auf Mio. € 77,3 resultiert überwiegend aus einer Abschreibung des Geschäfts- und Firmenwerts des Geschäftsbereichs Engineering und Rohstoffe in Höhe von Mio. € 10,5.

 

Weitere Informationen zu den Aufwendungen enthält der Konzern-Anhang unter Kapitel 3. »Erläuterungen zur Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung«.

 

Das Vorsteuerergebnis (EBT) betrug Mio. € 31,9 und lag somit Mio. € −42,1 unter dem Vorjahresergebnis von Mio. € 74,0. Zum positiven Ergebnis des Konzerns haben die Geschäftsbereiche Industrie Service, Mobilität und Aerospace beigetragen.


Der Jahresüberschuss erreichte mit Mio. € 13,5 einen um −70,6 % niedrigeren Wert als im Vorjahr (2019: Mio. € 46,0).

 

Vermögenslage
Der TÜV NORD Konzern weist trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie solide Bilanzrelationen auf.

 

Die Bilanzsumme stieg im Berichtsjahr auf Mio. € 1.045,6 (2019: Mio. € 1.042,9).

 

Das langfristige Vermögen ist von Mio. € 656,3 auf Mio. € 645,4 gesunken. Der Deckungsgrad des langfristig gebundenen Ver­mögens (Eigenkapital zuzüglich Pensionsrückstellungen / langfris­tiges Vermögen) lag bei 102,3 % (2019: 99,4 %).

 

Das kurzfristige Vermögen betrug, mit einem Anteil von 38,3 % an der Bilanzsumme, Mio. € 400,3 (2019: Mio. € 386,6). Der Anstieg ist im Wesentlichen bedingt durch die Erhöhung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente im Berichtsjahr auf Mio. € 134,9 (2019: Mio. € 89,3).

 

Zudem verfügt der Konzern über stille Reserven, vorwiegend im Immobilienbesitz und in Beteiligungen.

 

Das Eigenkapital liegt mit Mio. € 126,3 über dem Niveau des Vorjahres (2019: Mio. € 124,0). Die Eigenkapitalquote betrug 12,1 % (2019: 11,9 %). Aufgrund der Absenkung des Diskontierungszins­satzes der Pensionsverpflichtungen auf 0,75 % wurden 2020 versicherungsmathematische Verluste in den Sonstigen Eigenkapitalpositionen in Höhe von Mio. € 8,4 (2019: Mio. € 24,2) verrechnet, die deshalb die Gesamtergebnisrechnung beeinflusst haben.

 

Im Geschäftsjahr 2020 wurden Mio. € 777,4 des Planvermögens mit den Pensionsrückstellungen saldiert (2019: Mio. € 765,4). Der nicht durch Planvermögen ausfinanzierte Teil der Rückstellung für laufende und künftige Pensionsverpflichtungen lag bei Mio. € 531,4 (2019: Mio. € 528,5).

 

Durch die Zuführung zur Rückdeckung im Jahr 2020 konnte die Deckungslücke aus der Altersversorgung im Vergleich zum Vorjahr, bereinigt um Effekte aus der Änderung des Diskontierungszins­satzes, weiter verringert werden.

 

Weitere Informationen zur Vermögenslage enthält der Konzern-Anhang unter Kapitel 5. »Erläuterungen zur Konzern-Bilanz«.

 

Finanzlage
Die positive Nettofinanzposition des TÜV NORD Konzerns hat sich gegenüber dem Vorjahr, aufgrund der ergriffenen Maßnahmen zur liquiditäts- und chancenorientierten Führung während der Pandemie, trotz der Corona-Krise und des weiterhin hohen Investitionsvolumens deutlich verbessert. Der TÜV NORD Konzern ist zum 31. Dezember 2020 weiterhin nicht verschuldet und steht auf solider finanzieller Basis. Dies ermöglicht, auch in der Pandemie, gezielt in Innovationen, Ausbildung und die Zukunftsfähigkeit der Dienstleistungen zu investieren.

 

Die vorrangigen Ziele der konservativen Finanzstrategie des Konzerns, der Erhalt des guten Ratings und die Gewährleistung einer angemessenen Liquidität zur bedarfsgerechten zentralen Finanzierung aller Konzerngesellschaften, wurden wie in den Vorjahren konsequent weiterverfolgt.

 

Folgerichtig wurde der Konzern mit Beginn der Corona-Pandemie streng liquiditäts- und chancenorientiert geführt. Durch Implementierung geeigneter Maßnahmen wurde die Handlungsfähigkeit des Konzerns erhalten, Kreditlinien mussten nicht in Anspruch genommen werden.

 

Die Sicherung einer weitreichenden finanziellen Flexibilität und das Risiko- und Chancenmanagement sind weitere tragende Säulen der Finanzstrategie.

 

Der TÜV NORD Konzern hat im Berichtsjahr von der Deutschen Bundesbank nach Untersuchung maßgeblicher Finanzkennzahlen wie Rentabilität, Innenfinanzierungskraft, Liquidität und Kapitalstruktur auf Basis testierter Jahresabschlusszahlen zum 14. Mal in ununterbrochener Folge das Prädikat »Notenbankfähig« verliehen bekommen. Der Konzern gehört damit seit der ersten Prüfung 2007 beständig zum Kreis der kreditwürdigen Unternehmen, deren Verbindlichkeiten von Geschäftsbanken als Sicherheit bei der Deutschen Bundesbank hinterlegt werden können. Dies sichert der TÜV NORD GROUP weiterhin einen guten Zugang zu finanziellen Ressourcen.

 

Der Cashflow (vgl. »Konzern-Kapitalflussrechnung«) betrug Mio. € 64,3 und wurde im Wesentlichen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen und für die Rück­deckung der Pensionsrückstellungen verwendet. Das Investitionsvolumen ohne Unternehmensakquisitionen lag im Geschäftsjahr bei Mio. € 56,9 (2019: Mio. € 56,7). Davon entfielen Mio. € 50,7 auf die inländischen und Mio. € 6,2 auf die ausländischen Gesellschaften. Im Fokus standen der Bau einer Immobilie in Essen, Investitionen in Prüfausrüstungen, in den Fuhrpark sowie in Hard- und Software. Zum Bilanzstichtag bestanden keine wesentlichen Zahlungsverpflichtungen aus Investitionen.

 

Im Geschäftsjahr gab der Konzern insgesamt Mio. € 6,0 für Unternehmens- und Beteiligungserwerbe aus (2019: Mio. € 7,4). Alle Projekte wurden nach wertschaffenden Kriterien beurteilt. Dabei wurde jedes potenzielle Akquisitions- oder Investitionsprojekt sowohl hinsichtlich seiner Rendite als auch seiner Auswirkungen auf die Konzern-Bilanz geprüft und analysiert.

 

Die Nettofinanzposition des Konzerns betrug zum Jahresende Mio. € 82,6 und lag trotz Corona-Pandemie und der hohen Investitionen deutlich über dem Vorjahresniveau (2019: Mio. € 37,0).

 

Die im April 2021 auslaufende Konsortialkreditlinie wurde vorzeitig bis Dezember 2023 verlängert und auf Mio. € 125,0 erweitert. Sie wurde zum 31. Dezember 2020 nicht in Anspruch genommen.

 

Der Konzern war im Geschäftsjahr 2020 jederzeit in der Lage, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

 

Gesamtaussage zur Lage
Die gesamtwirtschaftliche Lage und die Corona-Pandemie haben die TÜV NORD GROUP im Geschäftsjahr vor große Herausforderungen gestellt. Der Konzern hat die Auswirkungen der Krise bisher zufriedenstellend bewältigt.

 

Auch in Zukunft werden alle Anstrengungen unternommen, um die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage weiter zu optimieren. Die TÜV NORD GROUP geht auch für die Zukunft von einer stabilen Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage aus.


NICHT FINANZIELLE LEISTUNGSINDIKATOREN

Innovationen
Neue und digital weiterentwickelte Technologien sichern die Wettbewerbsfähigkeit der TÜV NORD GROUP. Innovationen helfen dem Konzern dabei, die Chancen zu nutzen, die sich durch die Digitalisierung ergeben. In der TÜV NORD GROUP werden Innovationskultur und ein aktives Innovationsmanagement gelebt. Das Engagement in der Belegschaft, neue Ideen umzusetzen, ist gewaltig. Die für alle sichtbaren Auszeichnungen machen stolz auf die eigene Einwicklung und sind Ansporn für viele, sich ebenfalls am Wettbewerb um die besten Innovationen zu beteiligen.

 

Für die TÜV NORD GROUP bedeutet die Corona-Pandemie trotz aller negativen Aspekte eine Chance zur Beschleunigung der digitalen Transformation des Konzerns.

 

Zu Beginn der Pandemie musste die ortsflexible Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden mit Unterstützung innovativer Kommunikationslösungen sichergestellt werden. Die Digitalisierung hat es ermöglicht, Kunden sehr kurzfristig zu bedienen.

 

Zudem zahlten sich die gezielten Innovationsinitiativen der vergangenen Jahre aus. So war die TÜV NORD GROUP in der Lage, die Anzahl von Remote-Audits erheblich zu erhöhen. Vor der Corona-Pandemie bevorzugten die meisten Kunden Audits mit persönlicher Anwesenheit des Auditors vor Ort. Durch die Pandemie erhöhte sich auch bei den Kunden die Akzeptanz für digitale Lösungen, die die TÜV NORD GROUP im Rahmen zukunftsorientierter Innovationsprojekte entwickelt hatte. Der Geschäftsbereich Bildung konnte durch den kurzfristigen Auf- und Ausbau eines Online-Campus ein sehr gutes Alternativangebot zu Präsenzveranstaltungen schaffen.

 

Im Rahmen der Corona-Pandemie wurde die TÜV NORD GROUP mit neuen, innovativen Dienstleistungen am Markt aktiv. Die Geschäftsbereiche Industrie Service sowie Engineering und Rohstoffe nahmen zeitkritische Prüfungen großer Mengen von Schutzmasken vor – sowohl im In- als auch im Ausland. Im Geschäftsbereich IT erfolgte die Prüfung der IT Sicherheit der deutschen Corona-Warn-App durch die Expertinnen und Experten von TÜViT.

 

Die von der Digital Academy ausgebildeten Digital Experts unterstützen in allen Geschäftsbereichen die Innovationsaktivitäten und die Weiterentwicklung neuer Dienstleistungen.

 

Mitarbeitende
Wissen und Kompetenz sind der Schlüssel für den langfristigen Erfolg der TÜV NORD GROUP. Sie müssen erhalten und weiterentwickelt werden. Dafür bietet der Konzern den Mitarbeitenden und Führungskräften viele Möglichkeiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen. Insgesamt investierte der Konzern in interne und externe Schulungsangebote in Höhe von Mio. € 6,5 (2019: Mio. € 8,2).

 

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten gern im TÜV NORD Konzern und nehmen ihn als offenen, authentischen und sicheren Arbeitgeber wahr. Die durchschnittliche Betriebszuge­hörigkeit beträgt über zehn Jahre. Loyalität und Vertrauen prägen das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

 

Jeden Tag setzen sich unsere Mitarbeitenden für Sicherheit ein, sie vermitteln Wissen, schützen Leben, Technik und Umwelt. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen bringen sie täglich ein, um beste Er­gebnisse zu ermöglichen. Vielfalt und Diversität bilden die Grundlage für erfolgreiche Teamarbeit. Die Gütesiegel »Open Company« und »Top Company«, die das Unternehmen seit vielen Jahren regelmäßig erhält, bestätigen die erfolgreiche Implementierung dieser Wertvorstellungen im Unternehmen.

 

In den in- und ausländischen Konzerngesellschaften der TÜV NORD GROUP waren zum 31. Dezember 2020 im Durchschnitt, umge­rechnet auf Vollzeitbeschäftigte, 11.658 Mitarbeitende (2019: 11.276) tätig. Zum Stichtag 31. Dezember 2020 betrug die Zahl der Mitarbeitenden 14.182 nach Köpfen. Der Frauenanteil im Konzern belief sich unverändert auf ca. 29 %.

 

In Deutschland waren 7.990 Mitarbeitende tätig. Die Anzahl der Beschäftigten im Ausland ist 2020 auf 3.668 gestiegen. Der größte Geschäftsbereich ist der Geschäftsbereich Industrie Service mit 6.197 Mitarbeitenden im In- und Ausland, gefolgt vom Geschäftsbereich Mobilität mit 2.803 Beschäftigten.

 

Der Vorstand dankt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Unternehmensleitungen im In- und Ausland für ihren Einsatz. Ohne ihre Leistungsbereitschaft wäre der erfolgreiche Abschluss des Geschäftsjahres nicht möglich gewesen. Ebenso gilt der Dank den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit.


PROGNOSE-, RISIKO- UND CHANCENBERICHT

Prognose
Die aktuellste Prognose (Januar 2021) vom Internationalen Währungsfonds (IWF) prognostiziert für die Weltwirtschaft im Jahr 2021 ein Wachstum von 5,5 % und liegt damit leicht über der Prognose aus dem Herbst 2020. Dies spiegelt die Erwartung einer durch Impfungen ausgelösten Belebung der Konjunktur im späteren Jahresverlauf und zusätzliche politische Unterstützung in einigen großen Volkswirtschaften wider. Jedoch ist die Prognose weiterhin mit Unsicherheiten behaftet und davon abhängig, ob die zweiten und dritten Infektionswellen, insbesondere in Europa und den USA, gestoppt und die Ansteckungsraten gesenkt werden können.

 

Die Prognosen für den Euroraum gehen entsprechend für 2021 von einem Wachstum von 4,8 % aus, nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung 2020. Das Wachstum der exportabhängigen deutschen Wirtschaft wird mit prognostizierten 3,5 % eine deutliche Erholung gegenüber 2020 aufweisen. Auch die USA kehren mit prognostizierten 4,1 % Zuwachs der Wirtschaftsleistung für 2021 wieder auf den Wachstumspfad zurück. Sehr starkes Wachstum wird aus den beiden großen asiatischen Volkswirtschaften China (10,2 %) und Indien (9,5 %) für das Jahr 2021 erwartet.

 

Wachstumstreiber im globalen dynamischen TICCET-Markt sind neben der Einführung neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen, der Harmonisierung von Standards und Richtlinien auch die erhöhten Sicherheitsanforderungen bei neuen Technologien sowie die digitale Transformation. Der inländische und der europäische Markt zeichnen sich ebenfalls mit positiven Wachstumsraten im Jahr 2021 aus. Gleichzeitig sind diese Märkte durch einen hohen Wettbewerbsdruck und den bestehenden Fachkräftemangel gekennzeichnet. Der weltweite Markt für TIC-Services wird auf rd. Mrd. € 173 und der europäische Markt auf rd. Mrd. € 43 geschätzt. Generell entwickelt sich der Markt für TIC-Services weiterhin positiv.

 

Die TÜV NORD GROUP erwartet für das Geschäftsjahr 2021 eine stabile Entwicklung der finanziellen Leistungsindikatoren. Die Kennzahlen werden jedoch auch 2021 von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflusst sein.

 

Erwartet wird ein steigender Umsatz, der leicht über dem Niveau des Jahres 2020 liegt. Zum Umsatzanstieg sollen alle Geschäftsbereiche beitragen.

 

Für alle Geschäftsbereiche, mit Ausnahme des Geschäftsbereichs Bildung, werden positive Ergebnisbeiträge erwartet. Das für das Geschäftsjahr 2021 geplante Ergebnis (EBIT) wird aller Voraussicht nach leicht über dem Niveau des Geschäftsjahres 2020 liegen, da sich die Aussichten auf ein Ende der Corona-Pandemie verbessern sollten und damit einhergehend die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sukzessive zurückgenommen werden können.  

 

Der Geschäftsbereich Industrie Service wird im Geschäftsjahr 2021 wahrscheinlich sowohl im Inland als auch im europäischen Ausland ein moderates Umsatzwachstum in den klassischen Geschäftsfeldern aufweisen. Im Geschäftsjahr 2021 wird das Ergebnis vor allem durch Personalaufbau sowie Kosten im Zusammenhang mit Innovations- und Digitalisierungsprojekten belastet und nur leicht steigen.

 

Der Geschäftsbereich Mobilität erwartet eine moderate Umsatz- und eine deutliche Ergebnissteigerung für 2021. Das Geschäfts­segment Fahrerlaubniserwerber, der weitere Ausbau der Partnerorganisation sowie die Digitalisierung und Weiterentwicklung von Dienstleistungen sollen wesentlich zur geplanten Entwicklung beitragen.

 

Für den Geschäftsbereich Engineering und Rohstoffe wird von einem sich stabilisierenden Inlandsgeschäft und einer verhaltenen Entwicklung im Ausland ausgegangen. Prognostiziert wird ein moderat steigender Umsatz. Fast alle Geschäftsfelder werden zu dem leicht steigenden Ergebnis im Jahr 2021 positiv beitragen. Bei Wachstumsprojekten liegt der Fokus auf Vertriebsunterstützung sowie gezielten Innovationen und Effizienzsteigerungen. Parallel soll der Kundenzugang mithilfe von Standortkonzepten verbessert werden.

 

Der Geschäftsbereich Bildung erwartet für 2021 eine deutliche Umsatzsteigerung. Unter der Annahme gelockerter Corona-Maßnahmen mit nach wie vor geltenden Hygieneregeln und weiterhin bestehenden Beschränkungen auf Treffen im kleinen Kreis wird ein leicht steigendes Ergebnis erwartet. Es besteht weiterhin das Risiko, dass geplante Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden.  

 

Der Geschäftsbereich Aerospace plant für 2021 einen moderaten Anstieg von Umsatz und Ergebnis. Der Geschäftsbereich setzt seine Strategie, sich auf Engineering-Dienstleistungen zu fokus­sieren, fort.

 

Der Geschäftsbereich IT strebt moderate Umsatz- und Ergebnissteigerungen, insbesondere im Geschäftsfeld IT-Security, an, der im Jahr 2021 weiter aufgebaut wird.

 

Mit dem Umsatz wird planmäßig auch die Anzahl der Mitarbeitenden im Konzern moderat wachsen. Neueinstellungen im Zuge der Geschäftsausweitung haben einen wesentlichen Anteil daran.
Die im Rahmen der Strategie identifizierten Innovationsprojekte sollen langfristig zum organischen Wachstum des Konzerns beitragen. Diese Projekte werden im Jahr 2021 fortgeführt, um weiterhin neue Dienstleistungen entwickeln zu können.

 

Risiko- und Chancenmanagementsystem
Die TÜV NORD GROUP ist aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung einer Vielzahl an Risiken und Chancen ausgesetzt. Das Risiko- und Chancenmanagement ist daher elementarer Bestandteil der Unternehmensführung. Als Basis für das Risiko- und Chancenmanagement werden eine frühzeitige Erkennung von Risiken und Chancen sowie ihre zukunftsorientierte Steuerung angesehen.

 

Für alle Mehrheitsgesellschaften der TÜV NORD GROUP werden im Rahmen des Risiko- und Chancenmanagements Markt- und Wettbewerbsdaten analysiert. Um eine frühzeitige Identifikation von gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Chancen zu gewährleisten, werden Marktpotenziale laufend beobachtet. Zusätzlich trifft die TÜV NORD GROUP effiziente Maßnahmen zur Risikoreduktion bzw. -eliminierung. Die Risiken in den einzelnen Gesellschaften werden anhand eines standardisierten, IT-gestützten, periodischen Prozesses identifiziert und nach Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit zu jedem Quartalsende eingeordnet. Somit können im Anschluss an die Einordnung Handlungsempfehlungen zur Risikominderung bzw. -eliminierung erarbeitet und umgesetzt werden. Für einzelne Risiken wird, soweit notwendig, durch Rückstellungen vorgesorgt. Mögliche finanzielle Auswirkungen von eintretenden Risiken können mithilfe des zentralisierten Versicherungsmanagements des Konzerns begrenzt werden. Die anschließend weiterhin bestehenden Risiken werden in einer Berichterstattung dem Risikomanagement der TÜV NORD GROUP mitgeteilt. Die Berichterstattung über wesentliche und bestands­gefährdende Risiken erfolgt i. d. R. kalender- sowie ereignisgesteuert als Ad-hoc-Meldung.

 

Sowohl die Konzerngeschäftsleitung als auch der Vorstand und der Aufsichtsrat werden in regelmäßigen Abständen über die Risikolage des Konzerns und der einzelnen Geschäftsbereiche informiert. Bestandteile dieser Informationen sind die Ursachen einer Risikolage und die hierzu ergriffenen Maßnahmen. Zudem wird das Risikomanagement vonseiten der Konzernrevision überprüft und von externen Wirtschaftsprüfern beurteilt. Die Ergebnisse werden an Vorstand und Aufsichtsrat berichtet.

 

Risiken und Chancen der TÜV NORD GROUP
Die Corona-Pandemie hat die Geschäfte der TÜV NORD GROUP – insbesondere im Geschäftsbereich Bildung – beeinträchtigt und zu einem Rückgang der Erträge geführt. Abgesehen von den ­Auswirkungen der Pandemie haben sich Risiken und Chancen im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert. Jedoch waren auch im Kontext der Corona-Krise im Geschäftsjahr 2020 keine Risiken erkennbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Fort­bestand des Konzerns gefährden oder die Vermögens- und Finanzlage wesentlich beeinträchtigen könnten. Aus heutiger Sicht drohen auch in absehbarer Zukunft keine bestandsgefährdenden Risiken.

 

Zinsrisiken können sich im Zusammenhang mit den Pensionsverpflichtungen ergeben. Das Planvermögen zur Finanzierung der ­Pensionsverpflichtungen wird von dem 2008 gegründeten TÜV NORD PENSION TRUST e. V. treuhänderisch verwaltet. Veränderungen des Rechnungszinses in der Bewertung der Altersversorgungsverpflichtungen können sich auf den Barwert der diskon­tierten Pensionsverpflichtungen auswirken und so das Eigenkapital und das Gesamtergebnis nennenswert beeinflussen.

 

Darüber hinaus liegen keine wesentlichen Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie Risiken aus Zahlungsstromschwankungen für den Konzern vor. Die finanziellen Vermögenswerte des Konzerns sind so angelegt, dass aus heutiger Sicht keine wesentlichen Risiken bestehen.

 

Für die TÜV NORD GROUP stellen die Digitalisierung und die weltweite Vernetzung Chance und Herausforderung zugleich dar.

 

Für die einzelnen Geschäftsbereiche werden folgende Risiken und Chancen berichtet:

 

Für die nächsten Jahre geht der Geschäftsbereich Industrie Service trotz der Unsicherheiten aus der Corona-Pandemie von einer grundsätzlich positiven Entwicklung im In- und Ausland aus. Die Entwicklung des Infektionsgeschehens wird derzeit vor allem als Risiko für das internationale Geschäft gesehen. Chancen bestehen durch die zunehmende Durchführung von Remote-Audits und Re­mote-Inspektionen. Abgesehen von Corona ist im Geschäftsbereich vor allem der Kernmarkt Europa Risiken ausgesetzt. Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal und der unverändert hohe Preiswettbewerb können sich negativ auf die Erreichung der Ziele auswirken. Als Chance werden die Vereinheitlichung und Verschlankung von Prozessen und die Digitalisierung gesehen, durch die der wegen der demografischen Entwicklung drohende Fachkräftemangel abgemildert werden kann. In Deutschland bergen vor allem mögliche Änderungen von Verordnungen Risiken, wobei bislang verpflichtende Prüfungen entfallen und / oder Prüfungen von geringer qualifiziertem befähigtem Personal, anstatt Sachverständigen, durchgeführt werden können. Eine weitere Chance zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit wird im Angebot neuer Dienstleistungen und in der Internationalisierung bestehender Dienstleistungen gesehen. So wird z. B. die Marktpräsenz in den Bereichen Windenergie, Bahntechnik, Lebensmittel und Medizinprodukte international ausgerichtet. Die Realisierung dieser Chancen wird unterstützt durch die seit 2019 bestehende kundenfokussierte Organisationsstruktur und die damit einhergehende Stärkung der länderübergreifenden Zusammenarbeit. Der Ausbau der Vertriebsaktivitäten wird im Geschäftsbereich weiter vorangetrieben, insbesondere die Ausweitung der Cross-Selling-Aktivitäten.

 

Im Zusammenhang mit der Abschaltung der Kernkraftwerke wird ab 2021 der Umsatz im kerntechnischen Behördengeschäft in Deutschland zurückgehen. Für die Stilllegung und den Rückbau der Kernkraftwerke sowie der Entsorgung von radioaktiven Abfällen liegen Aufträge als langfristige Grundauslastung für eine auf die Zukunfts ausgerichtete Anpassung des Portfolios vor. Chancen im deutschen Markt bieten sich mittel- und langfristig im Zusammenhang mit der Endlagerung und weiterer Diversifizierung, u. a. im globalen Energiesektor: Eine Modernisierung und Digitalisierung der Dienstleistungen ist Voraussetzung. Chancen in internationalen Märkten werden über das OBS Nuklear zusammen mit anderen TÜV NORD-Gesellschaften weiterentwickelt.

 

Im Zertifizierungsgeschäft besteht das Risiko, dass aufgrund der Änderung gesetzlicher Grundlagen einzelne Dienstleistungen entfallen oder reduziert werden. Dem wird durch starke regionale und sektorale Diversifizierung entgegenwirkt. Im Fall von Regelverstößen von einzelnen Mitarbeitenden besteht unverändert das Risiko, dass Akkreditierer drastische Sanktionen bis zum Entzug der Akkreditierung für bestimmte Bereiche aussprechen. In der TÜV NORD CERT GmbH ist daher z. B. für die zentrale und wichtige DAkkS-Akkreditierung ein Qualitätsmanagement installiert, das u. a. durch interne Auditierung die Risiken minimiert. Chancen bestehen unverändert sowohl durch Prozessoptimierungen als auch durch Investitionen in die Themen Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit, Sozialstandards und Medizinprodukte. Sie können sich darüber hinaus, wie am Beispiel der Prüfung von Schutzmasken während der Corona-Pandemie deutlich wird, auch aus wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten oder der Änderung gesetzlicher Grundlagen kurzfristig ergeben.

 

Die massiven Einschnitte durch die Corona-Pandemie führen für den Gesamtmarkt des Geschäftsbereichs Mobilität zu veränderten wirtschaftlichen Bedingungen und Marktpotenzialen. Rückgänge bei Besitzumschreibungen, veränderte Fahrzeugbestände und Kundenstrukturen erfordern ggf. die Neuausrichtung des eigenen Portfolios und des Vertriebs sowie Anpassungen bei der Leistungserbringung. Für die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie im Geschäftsbereich Mobilität kann sich die Pandemie durchaus als förderlich erweisen. Dies gilt gleichermaßen für die Umsetzung interner Digitalisierungsprojekte zur Prozessoptimierung wie für die Etablierung eigener Technologie- und Marktlösungen bei den Kundengruppen.

 

Im Rahmen der kundengruppenorientierten Strategie des Geschäftsbereichs sollen Branchenrisiken sowie Veränderungen der Marktbedingungen in den Segmenten und Regionen durch Markt- und Wettbewerbsanalysen frühzeitig erkannt werden. Unterschiedliche, bereits fest definierte Zukunftsfelder und -initiativen wurden vor dem Hintergrund der aktuellen Situation neu bewertet und die Erkenntnisse berücksichtigt. Anhaltender Wettbewerbsdruck besteht durch die Konsolidierung des Marktes bei Autohäusern und Werkstätten. Durch die Implementierung einer bundesweiten Marktpräsenz mit Franchisepartnern können Dienstleistungen bundesweit erbracht werden, sodass den Folgen des Trends des fortschreitenden Konzentrationsprozesses im Autohaus- und Werkstattbereich entgegengewirkt wird. Nicht nur die Kunden, sondern auch Mitarbeitende werden stark von Wettbewerbern umworben, wodurch das Risiko der Abwanderung von Leistungsträgern besteht. Daher werden gezielt Maßnahmen zur Besetzung von offenen Stellen mit geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern sowie zur langfristigen Bindung von Leistungsträgerinnen und -trägern umgesetzt.

 

Die Elektromobilität wirkt sich auf den Markt der Homologationen aus, die Variantenvielfalt bei Fahrzeugherstellern wird sich reduzieren. Gegenläufig können sich Zuwächse im Genehmigungsbedarf bei alternativen Antrieben und dem vernetzten Fahren ergeben. Technologische Weiterentwicklungen im Fahrzeugbereich führen zu veränderten Anforderungen an die Sicherheit von Mobilitätskonzepten sowie an die Datensicherheit. Die zunehmende Komplexität bei Fahrzeugen hat zur Folge, dass die Prüfungen um eine Softwareprüfung zum Sicherheitsmanagement ergänzt werden. Darüber hinaus bieten sich durch das Angebot von Fahrzeugbewertungen Chancen in den weltweit wachsenden Gebrauchtwagenmärkten. Der Markteintritt wird durch den Einsatz neuer Technologien und den Aufbau gezielter Kooperationen erleichtert. Chancen im europäischen Ausland werden aufgrund erleichterter Marktzugänge (ähnliche gesetzliche Rahmenbedingungen, räumliche Nähe) gesehen. Aus dem im Geschäftsjahr 2015 aufgedeckten Abgasskandal resultieren keine konkreten Risiken für den Geschäftsbereich Mobilität.

 

Die Geschäftsentwicklung im Geschäftsbereich Engineering und Rohstoffe zeigt, dass sich die Corona-Pandemie auf bestehende Projekte bzw. Aufträge in fast allen Geschäftsfeldern auswirkt. Projekte werden verzögert, auf unbestimmte Zeit verschoben oder ausgesetzt. In den Infrastruktur- und Anlagenbau-Märkten kann von einer stabilen Geschäftsentwicklung ausgegangen werden. Für die weltweite Rohstoffindustrie wird ebenfalls eine Stabilisierung prognostiziert. Neben den Risiken der Pandemie sind auch neue Chancen entstanden, die das Geschäft durch Erweiterungen des Dienstleistungsportfolios nachhaltig positiv beeinflussen. Im Geschäftsfeld Product, Plant & Safety wurde z. B. in ein neues Prüflabor investiert mit dem Ziel, eine neue Dienstleistung auf dem Markt zu etablieren. In Kooperation mit TÜV NORD CERT erfolgt die Zertifizierung persönlicher Schutzausrüstungen (PSA), z. B. von Mund-Nasen-Bedeckungen.

 

Im Geschäftsbereich Bildung können sich infolge der Corona-Pandemie Risiken ergeben aufgrund der weiterhin bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie Reisebeschränkungen, die Präsenzveranstaltungen nicht durchführbar machen. Zudem belastet das vielfache Verbot von Großveranstaltungen das erfolgreiche Produkt Job-Speed-Dating. Durch Schulungen in alternativer, digitaler oder hybrider Form wird dieses Risiko reduziert. Es besteht außerdem die Gefahr der reduzierten Beauftragung im Bereich der öffentlich geförderten Bildung durch den Lockdown.

 

Chancen aus der Corona-Pandemie können sich aufgrund der steigenden Anzahl von Kurzarbeitenden und Arbeitslosen ergeben. In den TÜV-spezifischen Themenfeldern besteht konstanter Bedarf an Schulungen aufgrund technischer Entwicklungen oder Regelwerksänderungen. Hieraus ergeben sich weitere Chancen für die Gesellschaften des Geschäftsbereichs Bildung. Mittelfristig liegen außerdem Chancen bei den Tätigkeitsfeldern Gesundheit und Pflege, denn einhergehend mit der demografischen Entwicklung steigt der Bedarf an Pflegekräften.


Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf den Geschäfts­bereich Aerospace, aber die Entwicklung der Gesellschaften ist beeinflusst durch die aktuellen Anforderungen der Raumfahrtindustrie. Diese fokussiert sich auf die Bereitstellung von besseren Dienstleistungen in vielen Bereichen, wie Kommunikation, Beobachtungen der Erde, Nachhaltigkeit, Sicherheit, der Erforschung des Mars etc. Der Geschäftsbereich hat die spezialisierte Serviceplattform »DOEEET« implementiert, um Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen. Diese Plattform wird fortlaufend weiterentwickelt und stellt technische, logistische sowie kaufmännische Informationen zur Verfügung und bietet u. a. Vergleichstools und Crowdtesting-Möglichkeiten an.

 

Chancen bestehen außerdem durch verstärktes Wachstum in Europa und anderen aufstrebenden Märkten sowie die Vermarktung von Dienstleistungen für andere Bereiche, die hohe Ausfallsicherheit erfordern. Zusätzlich werden Drohnen kurz- und mittelfristig ein wichtiger Wachstumsbereich in der aeronautischen Industrie sein. Die neue europäische Verordnung zur Prüfung und Zertifizierung von Drohnen (verpflichtend seit Dezember 2020) bietet ebenfalls eine große Chance für den Geschäftsbereich, wie auch das Testen von Kleinsatelliten.

 

Für die Gesellschaften des Geschäftsbereichs IT ergeben sich weiterhin Risiken aus dem bestehenden Mangel an IT-Security-Experten. Trotz eines coronabedingten Anstiegs der Arbeitssuchenden im IT-Markt wird sich der Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal insbesondere im Umfeld IT-Sicherheit fortsetzen. Daher werden intern die Bindung und die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden, z. B. durch die Einführung einer Expertenkarriere und durch ein umfangreiches Angebot an Weiterbildungsmaßnahmen, gefördert. Der erforderliche Personalaufbau erfolgt mittels Gewinnung und Weiterqualifikation von Nachwuchskräften aus dem Hochschulbereich und durch die verstärkte Zusammenarbeit mit ausgewählten externen Dienstleistern. Ferner bestehen Risiken in Bezug auf mögliche coronabedingte Einschränkungen bei der Leistungserbringung oder der Verschiebung von geplanten Vorhaben.

 

Die Corona-Pandemie bietet aber zugleich auch Chancen. Ein Beispiel für die Nutzung von Chancen liegt in der Mitwirkung bei der Etablierung der Corona-Warn-App in Deutschland. Gleichzeitig ist die Corona-Pandemie ein zusätzlicher Treiber von Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung in der Industrie, bei Behörden und Institutionen sowie in der Gesellschaft, der das fortgesetzt große Wachstumspotenzial für den Sektor Informations- und Cyber­sicherheit weiter stärkt. Beispiele sind die verstärkte Nutzung ortsflexibler Arbeitswelten, der beginnende industrielle Einsatz von 5G oder der Ausbau und die Modernisierung sicherheitsrelevanter Infrastrukturen, wie die Netze des Bundes. Staatliche Regulierungen der Cybersicherheit werden auf immer mehr Branchen (KRITIS) und Technologien bis hin zu Produktanforderungen (Security by Design) erweitert. Auch das künftige neue IT-Sicherheitsgesetz (IT-Sig2.0) mit einem ganzheitlichen Ansatz zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger, zur Stärkung des Staates, zum Schutz der öffentlichen Informationstechnik und für eine informationstechnisch robuste Wirtschaft bietet umfangreiche Handlungspotenziale für Prüf- und Beratungsleistungen.


VERANTWORTUNG UND NACHHALTIGKEIT

Verantwortung und Nachhaltigkeit sind wichtige Bestandteile der unternehmerischen Geschäftsaktivitäten der TÜV NORD GROUP. Die Umsetzung von Corporate Responsibility (CR) ist im Verständnis der TÜV NORD GROUP ein langfristig angelegter Weg in die Zukunft. Dafür bilden die folgenden sechs Leitwerte des Konzerns die Basis:

  • Die Kunden stehen im Fokus.
    Die TÜV NORD GROUP betrachtet es als ihre Verantwortung, zum Erfolg ihrer Kunden beizutragen. Mit Leistungen von höchster Qualität im Rahmen eines nachhaltigen Dienstleistungsportfolios und mit neuen Ideen begleitet die TÜV NORD GROUP sie in die Zukunft.
  • Die Mitarbeitenden sind der Schlüssel zum Erfolg.
    Als Arbeitgeber sind die Gesellschaften der TÜV NORD GROUP dafür verantwortlich, ein attraktives und wertschätzendes Arbeitsumfeld zu schaffen. Sie eröffnen den Mitarbeitenden Gestaltungsräume für eigenverantwortliches Arbeiten, setzen auf Teamarbeit, fördern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bieten individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Mit­arbeitenden wiederum tragen dafür Verantwortung, einen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten.
  • Integrität ist die Basis allen Handelns.
    Die TÜV NORD GROUP agiert nachhaltig – ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich. Getragen von gegenseitigem Respekt und Vertrauen wird eine Kultur der Offenheit gepflegt. Auf Basis des verpflichtenden Verhaltenskodex ist das Handeln der TÜV NORD GROUP rechtskonform und transparent gegenüber Geschäftspartnern und der Gesellschaft. Ebenso in der Verantwortung der TÜV NORD GROUP liegt die Beachtung der Auswirkungen des Handelns auf Umwelt und Gesellschaft.
  • Nachhaltigkeit eröffnet Wege in eine gemeinsame Zukunft.
    Die TÜV NORD GROUP legt ein besonderes Augenmerk auf die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der unternehmerischen Entscheidungen und Handlungen. Nachhaltigkeit ist elementarer Bestandteil des Markenkerns – sowohl im Leistungsportfolio als auch bei allen Innovations­themen. Gleichzeitig liegt es in der Verantwortung der TÜV NORD GROUP, den eigenen ökologischen Fußabdruck konti­nuierlich zu verringern.
  • Vielfalt eröffnet neue Chancen.
    Vielfalt und Internationalität sind eine Bereicherung für die Geschäftsbereiche und Gesellschaften des Konzerns. Die TÜV NORD GROUP fördert Chancengleichheit und respektiert die Individualität jeder und jedes Einzelnen. Mithilfe gemischter Teams und interdisziplinären Arbeitens bietet die TÜV NORD GROUP ihren Kunden passgenaue Lösungen an.
  • Die Innovationskultur weist in die Zukunft.
    Die Geschäftsbereiche und Gesellschaften der TÜV NORD GROUP verbessern kontinuierlich ihre Produkte und Prozesse, entwickeln neue Ideen für die Kunden und treiben Innovationen voran. Sie betrachten es als ihre Verantwortung für die Zukunft, die eigenen Dienstleistungen an Nachhaltigkeitskriterien und -anforderungen zu messen und sich dabei an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu orientieren.
     

Nachhaltigkeit als Leitwert der TÜV NORD GROUP ergänzt das Leitbild seit Beginn des Jahres 2020. Damit trägt die TÜV NORD GROUP der Bedeutung Rechnung, die dieses Thema in der Öffentlichkeit wie auch bei den Anspruchsgruppen hat.

 

Seit 2018 berichtet die TÜV NORD GROUP über ihre unterschied­lichen Aktivitäten im Rahmen nachhaltigen und verantwortungsvollen Wirtschaftens. Diese wurden in einer CR-Strategie zusammengeführt, die vier Handlungsfelder umfasst:

  • Verantwortliche Wertschöpfung
  • Mitarbeitendenorientierung
  • Umweltorientierung
  • Gesellschaftliche Orientierung


Basierend auf einer Wesentlichkeitsanalyse, welche die Relevanz der wesentlichen Themen aus Stakeholder- und aus der unter­nehmenseigenen Sicht widerspiegelt, wurden 19 CR-Themen ermittelt. Diese wurden mit konkreten Zielen, Maßnahmen und Anforderungen an die Geschäftsbereiche des Konzerns versehen und in einer CR-Roadmap zusammengefasst. Die ermittelten Themen behielten auch im Jahr 2020 ihre Gültigkeit und auch ihre Wesentlichkeit. Über den Grad der Erfüllung der CR-Ziele per Ende 2020 wird im Rahmen der CR-Berichterstattung 2020 Auskunft gegeben.

 

Die Gesamtverantwortung für Corporate Responsibility trägt die Konzerngeschäftsleitung. Unterstützt wird sie durch die Stabsfunktion eines CR-Managers, der die CR-Aktivitäten koordiniert. Ein CR-Steuerungskreis, bestehend aus den CR-Koordinatorinnen und -Koordinatoren der Geschäftsbereiche, stimmt sich zu übergrei­fenden Themen und Aktivitäten ab. Außerdem unterstützen die CR-Koordinatorinnen und -Koordinatoren die Geschäftsbereichsleitungen bei ihrer CR-Verantwortung auf Ebene der Geschäftsbereiche.

 

In den Konzerngesellschaften liegt die Zuständigkeit für CR bei der Geschäftsführung der jeweiligen Gesellschaft. Die oder der Managementbeauftragte der Gesellschaft unterstützt die Geschäftsführung bei der Planung, Umsetzung und Berichterstattung hinsichtlich der CR-Aktivitäten.

 

Basierend auf dem Bericht zu Verantwortung und Nachhaltigkeit 2018 wurde für das Jahr 2019 ein Fortschrittsbericht veröffentlicht, der über den Fortschritt des CR-Engagements der TÜV NORD GROUP informierte. Für das Jahr 2020 erfolgt die Veröffentlichung eines Fortschrittsberichts ebenfalls. Zu den wesentlichen Erfolgen im Jahr 2020 auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit zählt die Auszeichnung der TÜV NORD GROUP mit der Gold-Medaille im CSR-Rating von EcoVadis.


CORPORATE GOVERNANCE

Die TÜV NORD GROUP orientiert sich bei der effektiven Umsetzung der Corporate Governance (Grundsätze der Unternehmensführung) an den Anforderungen, die der Deutsche Corporate Governance Kodex an kapitalmarktorientierte Unternehmen stellt. Die Governance-Struktur ist am weltweit anerkannten Gover­nance-Modell Three-Lines-of-Defense (TLoD) orientiert, um eine an langfristige Wertschöpfung ausgerichtete Führung und Kontrolle zu gewährleisten. Mittels der drei zusammenhängenden Verteidigungslinien First Line of Defense (operatives Management), Second Line of Defense (Risikomanagement, Controlling, Recht, Compliance etc.) und Third Line of Defense (Konzernrevision) stellt die TÜV NORD GROUP die Ordnungsmäßigkeit aller ihrer Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen des Konzerns sowie die Effizienz als auch die Effektivität ihres etablierten Internen Kontrollsystems (IKS) sicher.

 

Den TLoD-Vorgaben entsprechend hat die TÜV NORD GROUP vor über zehn Jahren das Compliance-Management-System (CMS) als wesentlichen Bestandteil der Corporate Governance etabliert. Im Zusammenspiel mit Leitbild und Werten der TÜV NORD GROUP wird effizient möglichen Risiken vorgebeugt. So werden Schäden von der TÜV NORD GROUP abgewendet. Das CMS ist darüber hinaus eng mit der CR-Strategie der TÜV NORD GROUP verzahnt. Compliance und Integrität sind darin wichtige Bestandteile. Com­pliance-Maßnahmen wie zum Beispiel Korruptionsprävention mittels E-Learning-Modulen sind deshalb fester Bestandteil der CR-Ziele.

 

Die zentrale Ansprechperson Compliance in der TÜV NORD AG koordiniert Compliance-Themen sowie -Aufgaben und steht allen Beschäftigten als Anlaufstelle zur Verfügung. Grundlegend für die Sicherstellung der Corporate Governance sind angemessen ausgestaltete und eindeutige Regelungen und Bestimmungen, auf die alle Mitarbeitenden im Intranet stets zugreifen können. Die Beschäftigten werden in ihrem gesetzeskonformen geschäftlichen Verhalten unterstützt mittels konkreter Handlungsweisen, die festgelegten Unternehmensleitlinien und Verhaltenskodizes zu entnehmen sind. Informationsveranstaltungen und Schulungen unter Einsatz von E-Learning-Modulen sensibilisieren die Mitarbeitenden für die Bedeutung compliancerelevanter Themen, wie z. B. Datenschutz oder persönliches Verhalten im geschäftlichen Alltag.

 

Der präventive Compliance-Ansatz der TÜV NORD GROUP stärkt die Unternehmenskultur, die potenzielle Regelverstöße bereits im Vorfeld durch Sensibilisierung und Aufklärung der Mitarbeitenden verhindern soll. Ein weiterer bedeutender Bestandteil ist die risikoorientierte Bewertung bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder beim Kauf von Unternehmen im Rahmen von M & A-Projekten.

 

Bei der Auswahl der Lieferanten und Geschäftspartner unterstützt der implementierte Compliance-Kodex für Lieferanten und Geschäftspartner auch bei den Geschäftspartnern die Einhaltung von Compliance-Regeln und bildet eine wichtige Grundlage für bestehende und künftige Geschäftsbeziehungen. Die Lieferanten des Konzerns verpflichten sich, mit Unterzeichnung der Vereinbarung, zum Compliance-Kodex im Sinne der TÜV NORD-Compliance-Standards zu handeln. Darunter fallen die Grundsätze zu Menschenrechten, Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung, Umweltschutz, Produkt- und Arbeitssicherheit sowie die Einhaltung der Gesetze und der Verzicht auf Korruption.

 

Über eine zu Verschwiegenheit und Anonymität verpflichtete Ombudsperson haben Mitarbeitende, Geschäftspartner und Kunden zusätzlich die Möglichkeit, Hinweise zu geben oder auf Verstöße gegen die Compliance-Regeln der TÜV NORD GROUP aufmerksam zu machen. Hinweise zu Gesetzes- oder Richtlinienverstößen aus dem In- und Ausland nimmt ein renommierter Rechtsanwalt als externer Ansprechpartner entgegen.

 

Regelmäßig werden alle Corporate-Governance-Strukturen und -Prozesse auf ihre Aktualität überprüft und gegebenenfalls an neue Erfordernisse angepasst. Die Konzernrevision überwacht die Einhaltung der Corporate Governance auf Basis einer risikoorientierten Auditplanung. Das von der Konzernrevision implementierte Qualitätsmanagement dient der Sicherstellung von Effizienz und Effektivität bei der Durchführung der Revisionstätigkeiten. Eine externe und freiwillige Auditierung gemäß DIIR-Standard bestätigt regelmäßig die Wirksamkeit der eingerichteten Prozesse.

 

Externe Wirtschaftsprüfer haben das CMS der TÜV NORD GROUP auf der Basis des Prüfungsstandards IDW PS 980 geprüft. Dabei wird eine angemessene Art und Weise der Implementierung und Ausrichtung des CMS im Prüfungsbericht festgestellt. Außerdem bestätigt das Prüfungsurteil, dass das CMS mit hinreichender Sicherheit geeignet ist, sowohl Risiken für wesentliche Verstöße gegen Regeln rechtzeitig zu erkennen als auch solche Regelver­stöße zu verhindern.

 

Konzernweit sind Bewusstsein und Sensibilität hinsichtlich der Compliance bei Unternehmensführung und Beschäftigten deutlich ausgeprägt. Die regelmäßigen Compliance-Anfragen der Mitarbeitenden und die dazu gegebenen Verhaltensempfehlungen im Vorfeld aktiver Geschäftshandlungen stellen effektive und effiziente Präventivmaßnahmen zur Schadensverhütung dar. Systematisch mögliche Risiken aus Compliance werden durch risikoorientierte prozessinterne Kontrollen, wie z. B. ein Compliance-Check für Geschäftspartner, gemindert. Zu den wesentlichen Bestandteilen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses gehören die Verfolgung, Sanktionierung, Auswertung und Dokumentation von Compliance-Verstößen. Die zentrale Ansprechperson Compliance informiert den Vorstand und die Konzerngeschäftsleitung kontinuierlich über relevante Compliance-Themen. Somit werden die vorhandenen Compliance-Strukturen weiter gestärkt und die Verbindlichkeit der Compliance-Regeln der TÜV NORD GROUP im Unternehmensalltag nachhaltig erhöht.


ERKLÄRUNG ZUR UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Festlegungen zur Förderung der Teilhabe von Frauen an ­Führungspositionen nach § 76 Abs. 4 und § 111 Abs. 5 AktG

 

Die TÜV NORD GROUP verfolgt eine Strategie der Diversity und strebt eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen an¹.

 

Der Aufsichtsrat hat im Dezember 2020 / Januar 2021 für den Zeitraum bis 30. Juni 2025 neue Zielgrößen für Vorstand und Aufsichtsrat verabschiedet. Für den Frauenanteil im Aufsichtsrat ­werden 30 % und für den Frauenanteil im Vorstand 33 % angestrebt.

 

Mit der Bestellung eines weiblichen Vorstandsmitglieds für das Ressort Personal / Arbeitsdirektor ab 1. Januar 2021 beträgt der Anteil von Frauen im Vorstand ein Drittel. Damit wird die getroffene Festlegung bereits erfüllt. Der Frauenanteil im Aufsichtsrat beträgt derzeit 25 %.

 

Für die erste und zweite Führungsebene unterhalb des Vorstands wurden als Zielgröße jeweils 30 % festgelegt mit einer Umsetzungsfrist zum 30. Juni 2022. Diese werden gegenwärtig übertroffen.

 

Für die weiteren im Konzern betroffenen Gesellschaften sind die neuen Zielgrößen für den Frauenanteil in den Aufsichtsräten, den Geschäftsführungen und den beiden nachfolgenden Führungsebenen sowie Umsetzungsfristen fristgemäß festgelegt worden.

 

 

1 Gemäß dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst sind bestimmte Gesellschaften in Deutschland verpflichtet, Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den beiden nachfolgenden Führungsebenen festzulegen und zu bestimmen, bis wann der jeweilige Frauenanteil erreicht werden soll.

 

ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN

Die TÜV NORD AG ist nach § 17 AktG von TÜV Nord Holding GmbH & Co. KG, Hamburg, sowie TÜV HSA Holding GmbH & Co. KG, Hannover, unmittelbar und vom TÜV Nord e. V. und TÜV Hannover / Sachsen- Anhalt e. V. mittelbar abhängig. Der Vorstand der TÜV NORD AG hat für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2020 sowie für relevante Sondervorgänge im Geschäftsjahr 2020 einen Bericht gemäß § 312 AktG über die Beziehungen der Gesellschaft zur TÜV Nord Holding GmbH & Co. KG, zur TÜV HSA Holding GmbH & Co. KG, zum TÜV Nord e. V., zum TÜV Hannover/Sachsen- Anhalt e. V. und zu den verbundenen Unternehmen erstellt.

 

Am Schluss dieses Berichts wurde folgende Erklärung abgegeben:

 

»Wir erklären, dass die TÜV NORD AG bei den im Bericht über die Beziehungen zu verbundenen Unternehmen aufgeführten Rechtsgeschäften nach den Umständen, die uns in dem Zeitpunkt bekannt waren, in dem die Rechtsgeschäfte vorgenommen wurden, bei jedem Rechtsgeschäft eine angemessene Gegenleistung erhalten hat.

 

Es sind keine Maßnahmen auf Veranlassung oder im Interesse des herrschenden oder eines mit ihm verbundenen Unternehmens getroffen oder unterlassen worden.«


Hannover, 26. Februar 2021

TÜV NORD AG
Der Vorstand